Faultline Faultline Kommando 161

Germany · taz · · 1h

Actionfilm „Runner“: Kloppen war früher besser

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Die 1980er und 90er sind seit Längerem so was von zurück (oder waren nie weg): in der Mode, in der Musik (Robyn!) und auch im Kino. Retrocharme und Erinnerungen verkaufen sich gut, sicher wegen der popkulturellen Sozialisation der Millennials, vielleicht manchmal auch, weil die Welt früher einfacher war. Scott Waugh scheint all das zu wissen, denn seine Adrenalin-Orgie „Runner“ ist ein Film gewordener Anachronismus, der wie direkt aus den 90ern hergebeamt wirkt.

Darin arbeitet Ex-Navy-Seal – natürlich! – Hank (Alan Ritchson) als Runner, als Kurier für sensible bis zweifelhafte Frachten. Als der am Flughafen eine Spenderleber abholen soll, auf die im Krankenhaus von Brisbane ein sterbenskrankes Mädchen wartet, überschlagen sich die Ereignisse. Der medizinische Kurier Ben (Owen Wilson) labert ihm ein Kotelett an die Backe, bald schon knallt und kracht es, weil die örtliche Mafia unter Kartellboss Damián (Rodrigo Santoro) samt der angeheuerten, durchtätowierten Biker-Gang ebenfalls Interesse an dem unbezahlbaren Organ hat.

Damit ist man schon mittendrin in einer Geschichte, die auf einen Bierdeckel passt und in keinerlei Hinsicht Gefangene macht. Dieser Hank, gespielt von einem hulkmäßig riesigen Alan Ritchson, hat – klar! – eine schwierige Vergangenheit und ist alles andere als der „sanfte Riese“, wie sein Boss ihn nennt. Der wortkarge Mann vermöbelt, erschießt oder ersticht seine Gegner mit einem Fahrradsattel, dass die Bruce Willis, Sylvester Stallones und Jason Stathams dieser Welt vor Freude Pipi in den Augen bekämen. Dass er einmal sogar wörtlich als „großer amerikanischer Actionheld in Topform“ bezeichnet wird, ist einer von nicht wenigen Winken mit der Bazooka.

„Runner“. Regie: Scott Waugh. Mit Alan Ritchson, Owen Wilson, u. a. USA 2025, 98 Min.

„Runner“ nimmt sich selbst nicht sehr ernst und bedient sich ohne große Erneuerungsambitionen im Handwerkskasten des klassischen Jungs-Action-Kinos. Klar geben Hank und Ben ein ungleiches Buddycouple ab, und klar ist da mit Damián ein angemessen fieses Antagonisten-Arschloch mit Mutterkomplex. Man kann das alles unterkomplex oder doof finden in seiner überaffirmativen Überdrehtheit samt emotionalisierendem Sounddesign und Rockmusik bei den Kampfszenen. Aber hey: Spaß macht dieser Quatsch doch allemal!

Ohne wirkliche Erholungspausen jagen die beiden Helden im Jeep entlang der Gold Coast durch die Hauptstadt des australischen Bundesstaates Queensland, auf die der Film ganz nebenbei Lust macht – vielleicht das nächste Reiseziel? Ein Wettlauf gegen die Zeit, denn das Mädchen droht zu sterben, die Bösen die Überhand zu gewinnen und das Organ in der beschädigten Kühlbox einzugehen.

Retro ist in „Runner“ dabei vor allem auch die Action, und zwar im besten Sinne. Hier wirkt alles noch analog handgemacht, zerschellen und explodieren echte Autos auf echten Straßen – ein schöner Kontrapunkt gegen die in ihrer Unermesslichkeit und Künstlichkeit oft ermüdend drögen CGI-Schlächter im Blockbuster-Franchise. Heraus sticht vor allem eine Verfolgungsjagd gegen Ende, bei der die Kamera zwischen den rasenden Karosserien hin und her wechselt und eine erstaunliche Unmittelbarkeit erzeugt.

Auch der Showdown ist ein analoges Spektakel alter Schule. Wer schon immer mal wissen wollte, wie man das Innere eines Krankenhauses akkurat zerlegen kann, dem sei „Runner“ ebenfalls ans Herz gelegt. Scherben, zertrümmerte Türen und Wände, eine blutverschmierte Klopperei bis auf die Knochen. Alles dabei und so schön übersichtlich mit klaren Fronten und Motivationen. Schon verrückt, wie viel Nostalgie nach leichter zu fassenden Zeiten so ein unterhaltsamer Actionkalauer mit triggern kann.

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Source: taz