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Absichtserklärung für ZLB am Alex: Vielleicht einen Schritt weiter
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Ist das ein cleverer Schachzug, um kurz vor dem Ende der am Sonntag abgewählten schwarz-roten Koalition Fakten zu schaffen? Oder nur eine Luftnummer? Ende letzter Woche haben das Land Berlin und die Commerz Real eine gemeinsame Absichtserklärung – einen sogenannten Letter of Intent – „zur möglichen Zusammenführung der beiden Standorte der Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB) am Alexanderplatz“ unterzeichnet.
Mit der Erklärung erhalten „beide Seiten ausreichend Zeit für die weiteren Verhandlungen über die für die ZLB vorgesehenen Flächen im Bestandsgebäude Alexanderplatz 9“, wo sich Galeria Kaufhof und das in den Himmel gewachsene Bürohochhaus befinden. Die Commerz Real ist Eigentümerin des Gebäudes und Immobilientochter der Commerzbank-Gruppe.
Es gab in den letzten Monaten zwei Rücktritte von Kultursenator:innen und immer wieder Zweifel an den Plänen des Senats. Offiziell hielt dieser jedoch an der Hoffnung fest, dass die ZLB eines Tages an den Alex ziehen würde. Jetzt bekennen sich beide Seiten grundsätzlich zu einem Nutzungskonzept, „das eine Antwort auf die kulturpolitische Herausforderung bietet, nach vielen Jahren eine zukunftsfähige, infrastrukturelle Lösung für die ZLB zu schaffen“. Durch die Ansiedlung wären zudem positive Effekte auf die Entwicklung des Alexanderplatzes zu erwarten. Der Senat rechnet in der ZLB mit mehr als einer Million Besucher:innen pro Jahr.
Die bisherigen Planungen sehen rund 42.680 Quadratmeter Nettoraumfläche für die ZLB vor. Auf 14.220 Quadratmetern soll das Bestandsgebäude weiterhin als Warenhaus mit Einzelhandel und Gastronomie genutzt werden.
An „eine langfristige Lösung“ glaubt Stefan Evers, Noch-Bürgermeister und Kultursenator: „Die ZLB am Alexanderplatz bietet die Chance, Berlinerinnen und Berliner an einem zentralen, hervorragend erreichbaren Ort zusammenzuführen und zugleich dringend notwendige Impulse für den Alex in Berlins Mitte zu setzen.“ Diesem Ziel sei man nun einen Schritt näher gekommen.
Es geht natürlich auch ums Geld. Evers ist ja auch Noch-Finanzsenator. Das Land Berlin würde jahrzehntelang Miete für die ZLB zahlen, es war zwischenzeitlich schon von 20 Millionen Euro pro Jahr die Rede. Naturgemäß freut das Mario Schüttauf, Geschäftsführer der Commerz Real Investmentgesellschaft. Ziel sei es, „den gesamten Gebäudekomplex zu einer lebendigen Mischung aus Arbeit, Kultur und Shopping zu machen und gleichzeitig einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung der Stadt zu leisten“. Mit der ZLB könne das gelingen.
Die ZLB begrüßt die Absichtserklärung, die „geteilten und maroden Bibliotheksgebäude der ZLB“ an einem „zentralen, funktionalen Standort am Alexanderplatz 9“ zusammenzuführen. „Die Absichtserklärung bringt Hoffnung“, frohlockt Jonas Fansa, Direktor der ZLB. „So, wie es jetzt ist, kann es mit unserer Zentral- und Landesbibliothek nicht weitergehen – Kinder, Jugendliche und Erwachsene verdienen eine funktionierende Bibliothek an einem zentralen Ort und mit ausreichend Platz.“
Fansa rührt die Werbetrommel: „Das Gebäude am Alexanderplatz 9 ist die Lösung.“ Eine öffentliche Bibliothek könnte den Alex beleben. Rund 2.000 Arbeitsplätze, Aufenthaltsflächen für Familien und Kinder, Kreativräume, ein sicherer Lernort für Jugendliche und ein Begegnungsraum für die ganze Stadt – all das könnte hier entstehen. „Ein schöneres Projekt“, kommentiert der ZLB-Direktor, „kann man einer neuen Regierung kaum vor die Füße legen.“
Noch im Oktober 2026 beabsichtigen der erst mal weiterarbeitende Senat unter Federführung von Steffen Evers und die Commerz Real Verhandlungen zu den „wesentlichen“ wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen zu führen. 2030 könnte Umzug sein, so der RBB. Endgültig wird aber erst die neue Landesregierung entscheiden. Die Grünen sprachen sich bereits für den Vorschlag aus, auch die Linke unterstützt die Idee.
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Source: taz