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1.673 Tage Krieg in der Ukraine: Zum Urlaub nach Hause, trotz Krieg

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D er Sommer 2026 ist in der Ukraine besonders heiß – nicht nur wegen der Temperaturen. Oft reicht die Zeit zwischen Luftalarm und Einschlag nicht, um in den Schutzraum zu kommen. Trotzdem haben auch in diesem Sommer Ukrai­ne­r*in­nen in ganz Europa ihre Koffer für die Reise in die Ukraine gepackt.

Das ist oft teurer als ein Urlaub in Spanien oder Kroatien. Doch sie fahren zu Eltern, Ehepartnern, Freunden – zu dem Leben, das der Krieg nicht vollständig ausgelöscht hat.

Für die Menschen in der Ukraine ist der Krieg zum Alltag geworden. Trotz der Todesangst vor Luftangriffen und Kämpfen geht das Leben weiter: Die Menschen gehen zur Arbeit, zur Schule und zur Uni. Sie lieben, lachen, heiraten, bekommen Kinder, machen Urlaub. Sie trauern, sorgen sich – und hoffen auf Frieden. ➝ zur Kolumne

Maria, Oleksandr und ihre Tochter Alisa verließen Kyjiw in der Nacht zum 23. Februar 2022 für eine Urlaubsreise. Am nächsten Morgen stand ihr Land in Flammen. Die Familie suchte Schutz in Frankreich. Inzwischen haben sie Französisch gelernt und feste Jobs gefunden.

In diesem Sommer ist Maria erstmals wieder in die Ukraine gefahren, von Lyon nach Uschhorod an der ungarischen Grenze, das zu den sichereren Städten des Landes gehört. Ihr Urlaub hatte auch einen praktischen Grund: Gesundheit.

wurde 1978 in Tschernihiw geboren und ist in Krywyi Rih aufgewachsen. Später arbeitete er als Journalist und Kommentator in Donezk und Kyjiw. 2015/16 und 2022 meldete er sich zum Dienst in der Armee, nach der Demobilisierung ist er mit seiner Familie nach Berlin gezogen. Seitdem pendelt er hin und wieder zwischen Deutschland und der Ukraine.

„Trotz der hohen medizinischen Standards in Frankreich sind Arztbesuche oft schwierig“, sagt Maria. Sprachbarrieren bei Fachbegriffen und lange Wartezeiten machen Untersuchungen anstrengend. In der Ukraine kann man oft innerhalb weniger Tage einen Termin bekommen.

Einen Teil ihres „Urlaubs“ verbrachte sie bei der Behandlung, den Rest in Thermalbädern und mit Heilwasser. Ihr Hotel hatte einen eigenen Schutzraum, doch sie genoss die Ruhe. Nur morgens las sie von den nächtlichen Angriffen in anderen Gebieten.

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Für Iryna, Diana, Tymur und Jewhen war der Reisegrund ein anderer. Die Familie stammt aus Charkiw. Iryna lebt mit den Kindern in Deutschland, ihr Mann ist bei der Armee und darf das Land nicht verlassen. Nur in der Ukraine können sie also zusammen sein. Von Hamburg flog die Familie nach Chișinău in Moldau und weiter mit dem Bus nach Odessa.

Vor dem russischen Überfall war Juschne bei Odessa ihr Lieblingsort am Meer. Heute ist Strandurlaub dort kaum möglich. Dieses Jahr mietete die Familie eine Ferienwohnung bei Tschornomorsk – für 135 Euro pro Tag.

Kurz danach beschädigte ein russischer Angriff die Wasserleitung, der Wiederaufbau dauerte 4 Tage. Der Hausbesitzer holte Wasser aus einer Quelle. Fast jede Nacht gab es Angriffe. Irynas Familie zog nach Odessa um. Auch dort herrscht Krieg, aber die Stadt lebte ihren Sommer: Cafés waren geöffnet, an den Stränden war kaum ein Platz frei, daneben gab es Schutzräume. Für Iryna war es trotzdem Urlaub. Denn das Wichtigste war die Zeit mit ihrem Mann.

Hanna, Denys und ihre drei Kinder verbringen jeden Urlaub bei den alten Eltern von Denys in der Steppe, um ihnen zu helfen. Beide sind über 80 und werden dort nicht mehr wegziehen. Für das Ehepaar sind das keine Erholungsreisen.

Der Gemüsegarten der Schwiegereltern ernährt die Familie, aber macht auch viel Arbeit. Das Haus muss winterfest gemacht werden. Nachdem die Russen große Lagerhallen zerstört haben, sind Baumaterialien teurer als in Deutschland. Die Einkommen in der Ukraine sind deutlich niedriger.

Die fünfköpfige Familie reist von Köln mit dem Zug über Berlin, Przemyśl und Kyjiw nach Pjatyhatky. Aber die Erfahrung des vergangenen Frühjahrs machte Hanna Sorgen. Damals hatte ihr Zug nach Kyjiw 12 Stunden Verspätung, weil die Eisenbahninfrastruktur stark beschädigt war. Hanna hat warme Kleidung, Sitzmatten und Wasser im Gepäck. Im Fall eines nächtlichen Angriffs werden Bahnreisende in nahegelegene Waldstücke evakuiert. Diesmal hatte ihre Familie Glück.

„Wir haben im Garten gearbeitet, im Teich gebadet und mit Freunden und Verwandten geplaudert“, erzählt Hanna.

Ihre Worte erklären nicht, warum Ukrainer zurückreisen. Sie beschreiben, was sie zu bewahren versuchen: ein normales Leben neben dem Krieg – selbst, wenn man dafür im Schutzraum schlafen, während eines Luftalarms anhalten und stundenlang auf den Morgen warten muss.

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Source: taz