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Tumult in der deutschen Chemieindustrie: BASF will Konkurrent Evonik übernehmen
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Deutschlands größter Chemiekonzern BASF möchte sich den Essener Konzern Evonik einverleiben. Ein erstes Übernahmeangebot blieb erfolglos, doch der Chemie-Riese lässt nicht los. Gleichzeitig bangen Tausende Arbeiter:innen um ihren Job.
Der größte deutsche Chemiekonzern BASF hat Ende letzter Woche mit einem Übernahmeangebot die deutsche Chemieindustrie zum Beben gebracht. Es geht um die Einverleibung des drittgrößten Chemiekonzerns Evonik.
Ein erstes Übernahmeangebot in Höhe von 10,3 Milliarden Euro hat der Evonik-Vorstand bereits abgelehnt: Berichten der Financial Times zufolge empfinde der Vorstand das Angebot als „zu niedrig, um formelle Verhandlungen zu rechtfertigen“. Das Angebot von BASF, das sich auf 22,15 Euro pro Aktie beläuft, liegt etwa 28 Prozent über der Börsennotierung vor Bekanntwerden erster Übernahmespekulationen. Inklusive Schulden würde das Essener Unternehmen vom Ludwigshafener Chemie-Riesen mit rund 14,2 Milliarden Euro bewertet werden.
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Öffentlich bezieht der Spezialchemiekonzern Evonik keine Stellung. So wollte ein Evonik-Sprecher den Übernahmebericht nicht näher kommentieren und verwies auf eine Mitteilung von Freitag, vergangener Woche. Darin bestätigt Evonik, von BASF eine sogenannte „unverbindliche Ansprache“ im Hinblick auf eine potenzielle Übernahme von Evonik erhalten zu haben. Diese sei auf „ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für sämtliche Aktien der Gesellschaft gerichtet“. Zugleich stellte Evonik fest, dass in der Hinsicht derzeit keine Gespräche stattfinden.
BASF mit klarem Ziel
Doch auch nach der Absage arbeite BASF weiter an einer Übernahme, berichtet das Handelsblatt. Für den BASF-Vorstand um Chef Markus Kamieth sei die Übernahme ein „längerfristiges und gut vorbereitetes Projekt und kein Schnellschuss“, heißt es laut Handelsblatt von einem „mit den Plänen Vertrauten“. Der interne Zeitplan sehe einen vollständigen Abschluss einer Transaktion frühestens im Jahr 2028 vor.
Das Übernahmeangebot kommt in einer Zeit, in der sich die deutsche Chemieindustrie noch mit schweren Schlägen der vergangenen Jahre zurechtfindet. In den Jahren 2021 bis 2025 ist das Auftragsvolumen um ein Fünftel eingebrochen und hat zuletzt mit einer Kapazitätsauslastung von 70 Prozent einen historischen Tiefpunkt erreicht. Allein im letzten Jahr wurden laut dem Verband der Chemischen Industrie (VCI) 2.400 Stellen gestrichen. BASF hat innerhalb von drei Jahren einen Umsatzeinbruch um etwa ein Drittel auf 57,9 Milliarden Euro erfahren.
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Eine wichtige Rolle in der Übernahme spielt die RAG-Stiftung, welche die Altlasten des Steinkohlebergbaus, wie das Abpumpen von Wasser aus den Stollen, finanziert. Im Kuratorium der Stiftung ist unter anderem das Land Nordrhein-Westfalen durch den Ministerpräsidenten Hendrik Wüst (CDU) vertreten. Mit 43 Prozent der Anteile an Evonik ist die Stiftung dessen größte Aktionärin. Zwar hatte die Stiftung angekündigt, ihre Anteile auf 25,1 Prozent zu verringern, wäre allerdings auch dann noch in der Lage dazu, eine Fusion zu blockieren. Somit müsste BASF vor allem die RAG-Stiftung bei einer Übernahme an Bord holen, denn die Dividende Evoniks spielt für sie eine bedeutende Geldquelle.
Arbeitsplätze in Gefahr: Gewerkschaften sind skeptisch
Unter den vielen Beteiligten des Mergers befindet sich auch das Land NRW. „Jede Lösung muss sich daran messen lassen, ob sie den Investitionen an den Standorten in Nordrhein-Westfalen und den Menschen, die dort arbeiten, eine Zukunft gibt“, sagt Wirtschaftsministerin Mona Neubaur.
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Über die Zukunft der „Menschen, die dort arbeiten“ zeigt sich die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) eher skeptisch. Was Aktionär:innen und Börsenhändler:innen schlüssig erscheinen möge, müsse mit Blick auf die Mitarbeitenden, die Standorte, den Markt und die heimische Wertschöpfung noch lange nicht sinnvoll sein, so der Vorsitzende der IG BCE und gleichzeitige Mitglied im BASF-Aufsichtsrat Michael Vassiliadis. „Für die Beschäftigten und Standorte von BASF wie von Evonik braucht es vielmehr Zukunftsperspektiven und Investitionszusagen“, erklärt er weiter. „Beide Konzerne sollten sich hüten, diese Schraube zu überdrehen.“
Tatsächlich befindet sich BASF in einer Abbauspirale: Zwischen 2024 und Mitte 2026 hat der Konzern weltweit bereits 7.000 Arbeitsplätze gestrichen und weitere Streichungen sind bereits angekündigt. Am Stammsitz in Ludwigshafen waren dadurch erstmals seit 1954 weniger als 30.000 Arbeiter:innen beschäftigt. Ähnlich sieht es auch beim Essener Konkurrenten Evonik aus: Dieser plant, bis Ende 2029 mindestens 3.000 Arbeiter:innen zu kündigen, 2.150 davon an deutschen Standorten.
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Der Stellenabbau würde durch die Übernahme nur beschleunigt werden. Das sieht auch Jochen Ott, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Landtag NRW, so: „Mit einer Übernahme stehen Arbeitsplätze, Standorte und Wertschöpfungsketten auf dem Spiel. Einen solchen Ausverkauf des Ruhrgebiets darf es nicht geben.“
Während die Arbeitsstellen Tausender Menschen in Gefahr sind, floriert der Evonik-Aktienkurs seit Ankündigung des Übernahmeinteresses. Dieser stieg sprunghaft um 3 Prozent auf 20,62 Euro. Die Spezialchemikalien von Evonik würden das BASF-Sortiment erheblich erweitern und dadurch potenzielle Wettbewerber:innen noch stärker dominieren.
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Source: Perspektive Online