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Germany · Perspektive Online · 1970-01-01

Sexualisierte Gewalt als Kriegswaffe

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Staaten nutzen sexualisierte Gewalt als Waffe.

Nicht nur im Krieg gegen äußere Feinde, sondern ebenso gegen revolutionäre Bewegungen im Innern.

Ihr Ziel ist insbesondere, den Willen der Betroffenen zu brechen.

Unsere Antwort darauf muss offensiver Widerstand sein. – Ein Kommentar von Ivan Barker.

Im Krieg wird auf die Spitze getrieben, was vorher schon in der Gesellschaft existiert und vorherrscht.

So verhält es sich auch mit patriarchaler und insbesondere sexualisierter Gewalt.

Sie umfasst Vergewaltigung, sexuelle Sklaverei, Zwangsprostitution, Zwangsheirat und weitere schwere Übergriffe.

Zur Kriegswaffe wird sie, indem sie strategisch zur Unterdrückung und Angst in der feindlichen Armee und Bevölkerung eingesetzt wird.

Sie soll Gemeinschaften zerstören, da sie nicht nur die Betroffenen individuell schädigt, sondern sie auch gesellschaftlich isolieren soll.

Die Wirkungen sexualisierter Gewalt sind dabei über Generationen hinweg spürbar.

Gewalt gegen Palästinenser:innen und Kurd:innen Aufgrund der zerstörerischen Folgen sexualisierter Gewalt auch auf die Familien und Gemeinschaften der Betroffenen ist sie auch ein besonders häufig genutztes Mittel von Staaten, die Krieg gegen unterdrückte Nationen führen.

Denn ihr Ziel ist unter anderem die Zerstörung der nationalen Zusammenhänge, die in ihren Mitteln bis zum Völkermord gehen kann.

So nutzt zum Beispiel Israel laut einer Studie seit 1948 sexualisierte Gewalt gegen Palästinenser:innen, wobei die Gewalt sich seit 1967 insbesondere gegen Gefangene verstärkt hat.

Seit Oktober 2023 spricht die Untersuchung von systematischer sexualisierter Folter in israelischen Gefängnissen gegen palästinensische Gefangene.

Eine Besonderheit dabei ist, dass auch zahlreiche palästinensische Männer davon betroffen sind, und dass israelische Soldat:innen aller Geschlechter die Gewalt ausüben.

Zudem soll die israelische Armee Hunde zur Vergewaltigung Gefangener trainieren und nutzen.

In der Türkei und Kurdistan wird sexualisierte Gewalt besonders gegen revolutionäre und kurdische Frauen eingesetzt.

So wurde zum Beispiel nach Festnahmen von Aktivistinnen, die gegen den NATO-Gipfel in Ankara protestierten, von sexualisierter Gewalt und Vergewaltigung berichtet .

In den von der Türkei besetzten Teilen Kurdistans handelt es sich bei vielen der Beschuldigten ebenfalls um Männer, die Teil staatlicher Institutionen sind, also um Polizisten oder Soldaten.

Gleichzeitig enden zahlreiche Verfahren für die Täter mit Freisprüchen, Verfahrenseinstellungen oder folgenlosen Urteilen.

Auch hier ist die Gewalt Teil der Kriegspolitik gegen die Kurd:innen.

Sexualisierte Folter hat eine lange Geschichte – der Widerstand dagegen auch Repression soll Solidarität brechen Die staatliche Gewalt und geschlechtsspezifische Repression macht dabei auch nicht vor denjenigen halt, die sich mit den Kämpfen der Unterdrückten solidarisieren.

Allein in den vergangenen Monaten machten zwei Frauen aus Deutschland ihre Erfahrungen mit Vergewaltigung in israelischer und türkischer Gefangenschaft öffentlich: Anna Liedtke berichtete im vergangenen Jahr auf einer internationalen Konferenz in Solidarität mit politischen Gefangenen, dass sie in israelischer Haft von israelischen Soldatinnen vergewaltigt worden sei, als sie sich gegen die Nacktuntersuchungen zur Wehr setzte.

Unter dem Vorwurf der „illegalen Einreise nach Israel“ war sie gefangen genommen und vom Ketziot-Gefängnis ins Givon-Abschiebegefängnis gebracht worden.

Sie war zuvor an Bord der Flotilla gewesen, die versucht hatte, Lebensmittel und weitere Hilfslieferungen nach Gaza zu bringen.

Paula Maier schilderte im August, dass sie während der Abschiebehaft in der Türkei von einem Sicherheitsbeamten vergewaltigt wurde.

Sie war im Januar als Teil einer Delegation nach Nordkurdistan gereist, um von vor Ort zu berichten und Solidarität für Rojava zu zeigen, das zu dieser Zeit sowohl von syrischen Kräften als auch der Türkei angegriffen wurde.

Beide ordneten die Gewalt, die sie erleben mussten, als politischen Angriff nicht nur auf sich, sondern auf kämpfende Frauen weltweit ein.

Sexualisierte Gewalt in Gefängnissen wird vielen politischen Gefangenen auf der ganzen Welt angetan.

Damit sollen Frauen wie sie so eingeschüchtert werden, dass sie aufgeben und ihr Wille gebrochen wird.

Zudem soll die Solidarität mit den nationalen Befreiungskämpfen eingeschränkt werden.

Aber dieses Ziel konnten weder der israelische noch der türkische Staat erreichen.

Anstatt aufzugeben, gingen Anna und Paula an die Öffentlichkeit und machten die Verantwortlichen für die Gewalt bekannt.

In Solidarität mit ihnen und den Befreiungskämpfen der Palästinenser:innen und Kurd:innen, die sie unterstützt hatten, folgten Aktionen in mehrere Städten Europas.

Paula Maier im Interview: „Sexualisierte Gewalt zielt darauf ab, uns Frauen zu demütigen und mundtot zu machen“ Internationaler Widerstand gegen sexualisierte Gewalt Dabei sind es nicht nur Staaten wie die Türkei oder Israel, die sexualisierte Gewalt als Waffe nutzen.

Auch in Deutschland üben sie unter anderem Soldaten oder Polizisten aus, um Widerstand zu brechen oder weil sie denken, dass sie aufgrund ihrer Machtposition ohne Strafe davon kommen.

Ebenso wird bei politischen Demonstrationen sexualisierte Gewalt gegen Teilnehmer:innen angewendet, um sie von ihrer politischen Aktivität abzuhalten .

Das Ziel sexualisierter Gewalt ist es, dass Betroffene sich schämen, isolieren und mit ihren Erfahrungen allein bleiben.

Dem muss Widerstand entgegen gesetzt werden.

Offenheit, Gemeinschaft und Solidarität sind dafür notwendige Mittel – gerade auch für die zahlreichen Frauen, die nicht mit ihren Erfahrungen an die Öffentlichkeit gehen können, oder die diese Erfahrungen auch nicht überlebt haben.

Ihre Geschichten dürfen nicht in Vergessenheit geraten, sondern müssen genauso Antrieb sein, gegen diese Gewalt anzukämpfen.

Wie dieser Kampf erfolgreich sein kann, zeigen zum Beispiel Erfahrungen revolutionärer Frauen in der Türkei, die mit der Veröffentlichung von zahlreichen Vergewaltigungsfällen in Haft in den 2000ern diese Methode zurückdrängen konnten.

Oder die Errungenschaften der Frauen in Rojava, die mit eigenen Gerichten und Verteidigungseinheiten ihr Schicksal in die eigene Hand nehmen.

Ob in der Türkei und Kurdistan, Israel und Palästina oder Deutschland: Der Widerstand und Kampf gegen sexualisierte Gewalt als Waffe muss vereint von allen geführt werden, die sich für eine bessere Welt einsetzen.

Dieser Text ist in der Print-Ausgabe Nr. 114 vom September 2026 unserer Zeitung erschienen.

In Gänze ist die Ausgabe hier zu finden.

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Source: Perspektive Online