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Präsidentschaftswahl in Bulgarien: Wahlmüdigkeit und Korruption

In Bulgarien werden Präsidentschaftswahlen abgehalten. Nach einem ersten Wahldurchgang ohne deutliches Ergebnis steht am Sonntag eine Stichwahl an. Kernthemen der Wahl sind anhaltende Korruption und d

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In Bulgarien werden Präsidentschaftswahlen abgehalten. Nach einem ersten Wahldurchgang ohne deutliches Ergebnis steht am Sonntag eine Stichwahl an. Kernthemen der Wahl sind anhaltende Korruption und die Haltung zum Ukrainekrieg.

In Bulgarien finden Präsidentschaftswahlen statt. Im ersten Wahldurchgang Ende Oktober konnte keine kandidierende Person eine Mehrheit der Stimmen erlangen. Mit 35 Prozent gewann Amtsinhaberin Ilijana Jotowa zwar die meisten Stimmen, für einen Sieg mit der notwendigen absoluten Mehrheit reichte es jedoch noch nicht aus. Auch Ex-Premierminister Andrej Gjurow erlangte knapp 32 Prozent der Stimmen und machte somit eine Stichwahl erforderlich. Diese soll nun am Sonntag stattfinden.

Richtungsweisende Wahlen

Die aktuelle Amtsinhaberin Jotowa ist Teil der Bulgarischen Sozialistischen Partei (BSP). Jotowa übernahm das Amt, nachdem Rumen Radew im Januar zurücktrat. Die BSP ist seit März 2026 Teil des Parteibündnisses Progressives Bulgarien (PB). Dieses wurde vom amtierenden Ministerpräsidenten und Ex-Präsidenten Radew für die Parlamentswahlen im April gegründet.

Mit einem öffentlich aufgezogenen Antikorruptionskurs gelang es dem Bündnis einen erdrutschartigen Sieg einzufahren und knapp 45 Prozent der Stimmen zu gewinnen. Nach drei gescheiterten Versuchen einer Regierungsbildung konnte durch die PB so im Mai erfolgreich eine Regierung unter Radews Führung gebildet werden.

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Jotowa und Radew äußerten sich in der Vergangenheit immer wieder kritisch gegenüber der Unterstützung der Ukraine und stellen sich gegen erneute Finanzhilfen. Auch vor diesem Hintergrund ist die anstehende Stichwahl für die restlichen EU-Staaten von hohem Interesse.

Konkurrent Gjurow vereint die liberal-konservative Opposition hinter sich und steht vor allem für einen pro-westlichen Kurs. Erst Anfang des Jahres traf sich Gjurov mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskjy um ein zehnjähriges Sicherheitsabkommen zwischen der Ukraine und dem Nato-Staat Bulgarien abzuschließen. Zu dem Zeitpunkt war Gjurov Präsident der Übergangsregierung, nachdem die vorherigen Bildungen gescheitert waren. Bei der anstehenden Wahl stehen sich also auch zwei grundlegend verschiedene Ansätze in der Außenpolitik gegenüber.

Fehlendes Vertrauen in Staat und Politik

Die Zersplitterung in der bulgarischen Politik zeigt sich aber nicht nur an der fehlenden Mehrheit in der Präsidentschaftswahl. Auch die Wahlbeteiligung bekräftigt dieses Bild. Gerade einmal 22 Prozent der wahlberechtigten Bulgar:innen nahmen an der Wahl teil. Zum Vergleich, in den meisten anderen EU-Ländern liegt die Beteiligung bei Präsidentschaftswahlen zwischen 50 und 70 Prozent.

Die Wahlmüdigkeit ist in Bulgarien dabei kein neues Phänomen. Die politische Landschaft in dem EU- und Nato-Mitgliedsstaat ist geprägt von andauernden Krisen. In der Bevölkerung herrscht das Gefühl einer politischen Dauerkrise. Die bulgarische Bevölkerung hat wenig Vertrauen in die Institutionen und große Frustration über die anhaltende Korruption. Zusätzlich ist Bulgarien auch das ärmste EU-Land nach Bruttoinlandsprodukt pro Kopf.

Doch die Wahlmüdigkeit spricht nicht für ein allgemeines politisches Desinteresse. In Bulgarien gibt es seit 2020 anhaltende Proteste gegen Korruption und Vetternwirtschaft. Erst Ende letzten Jahres sorgten landesweite Proteste erneut für große gesellschaftliche Debatten. Auslöser war der vorgelegte Haushaltsplan, der Teuerungen für die Bevölkerung und mehr Ausgaben für staatliche Institutionen vorgesehen hat. Vor allem die Gen Z ging mit Unterstützung der breiten Gesellschaft auf die Straße und sorgte letzten Endes für den Rücktritt des Ministerpräsidenten Rossen Scheljaskow.

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Der Beitrag Präsidentschaftswahl in Bulgarien: Wahlmüdigkeit und Korruption erschien zuerst auf Perspektive.

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