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Pakistan und Afghanistan: Erneute Eskalation an der Grenze

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Nach einem schweren Anschlag in Pakistan greift Islamabad erneut Ziele in Afghanistan an. Der fragile Waffenstillstand ist damit weiter gefährdet. Zugleich baut Russland seine Beziehungen zu Kabul aus.

Pakistan hat am Montag erneut Ziele in Afghanistan bombardiert. Betroffen waren nach Angaben der afghanischen Taliban die Provinzen Kunar und Paktika im Osten des Landes. Pakistan erklärte, drei Stellungen bewaffneter Gruppen getroffen und dabei 28 Kämpfer getötet zu haben. Unter den Zielen habe sich ein Ausbildungszentrum für Selbstmordattentäter befunden.

Die afghanische Seite berichtet hingegen von zivilen Opfern. Im Bezirk Nurgal in Kunar sei ein Wohnhaus getroffen worden. Dabei habe der Angriff Drei Mitglieder einer Familie getötet und vier weitere verletzt. Auch ein Geschäft und ein unbewohntes Haus in Paktika seien beschädigt worden. Eine UN-Behörde vor Ort bestätigte die Berichte über zivile Todesopfer in Afghanistan.

Den pakistanischen Luftschlägen vorausgegangen war ein schwerer Anschlag auf einen Polizeikomplex in Kohat in der pakistanischen Provinz Khyber Pakhtunkhwa am vergangenen Freitag. Ein Selbstmordattentäter sprengte ein mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug, anschließend kam es zu einem rund 20 Stunden dauernden Gefecht. Nach Angaben der pakistanischen Behörden wurden mindestens 21 Menschen getötet und mehr als 100 verletzt. Die pakistanische Regierung macht dafür mit Afghanistan verbündete militante Gruppen verantwortlich.

Zu dem Angriff bekannte sich die Gruppe Ittehad-ul-Mujahideen Pakistan. Sie wird mit der Tehreek-e-Taliban Pakistan, kurz TTP, in Verbindung gebracht. Die TTP – auch pakistanische Taliban genannt – kämpft seit Jahren gegen den pakistanischen Staat. Pakistan wirft der Taliban-Regierung vor, der TTP und anderen bewaffneten Gruppen Rückzugsräume auf afghanischem Gebiet zu ermöglichen. Kabul weist das wiederum zurück und bezeichnet die Gewalt in Pakistan als innerpakistanisches Problem.

Mit den aktuellen militärischen Auseinandersetzungen endet eine kurze Phase relativer Ruhe in der Region. Bereits im Februar war der Konflikt zwischen Afghanistan und Pakistan stark eskaliert. Pakistan bombardierte Ziele in Afghanistan, woraufhin die Taliban pakistanische Militärstellungen angriffen. Im März wurde eine vorläufige Deeskalation vereinbart. Im Juni folgten jedoch erneut pakistanische Luftangriffe.

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Wie der Konflikt entstanden ist

Pakistan und die afghanischen Taliban waren lange Zeit Verbündete. Pakistan unterstützte bereits in den 1980er Jahren islamistische Mudschahedin im Kampf gegen die sowjetischen Truppen. 1996 gehörte Pakistan zu den wenigen Staaten, die die erste Taliban-Regierung offiziell anerkannten. Auch während der US-geführten Besetzung Afghanistans ab 2001 hielt Pakistan seine Kontakte zu den Taliban aufrecht.

Pakistan verfolgte damit eigene sicherheitspolitische Interessen. Ein Bündnis mit der Regierung in Kabul sollte unter anderem verhindern, dass Afghanistan zu einem Verbündeten Indiens wird. Gleichzeitig hoffte Pakistan, über die Taliban Einfluss auf die Entwicklung im Nachbarland ausüben zu können.

Nach der Rückkehr der Taliban an die Macht 2021 verschlechterten sich jedoch die Beziehungen. Im Mittelpunkt steht die TTP. Sie führt seit 2007 einen bewaffneten Kampf gegen den pakistanischen Staat und verübt Anschläge vor allem in der mehrheitlich von Pashtunen bewohnten Region Khyber Pakhtunkhwa und anderen Grenzregionen.

Die Taliban haben gegen die TTP zwar Maßnahmen ergriffen, Pakistan fordert jedoch ein wesentlich härteres und überprüfbares Vorgehen. Zugleich verfügt die Taliban-Regierung selbst nur begrenzt über Kontrolle über die zahlreichen bewaffneten Gruppen und lokalen Machtstrukturen in Afghanistan. Neben der TTP sind dort weitere jihadistische Organisationen aktiv, darunter der Islamische Staat Khorasan (ISKP). Auch belutschische Separatisten stellen für Pakistan ein Sicherheitsproblem dar.

Hinzu kommt ein älterer Grenzkonflikt. Afghanistan erkennt die sogenannte Durand-Linie, die Ende des 19. Jahrhunderts zwischen Britisch-Indien und Afghanistan festgelegt wurde, nicht als endgültige internationale Grenze an. Auf beiden Seiten leben große paschtunische Bevölkerungsgruppen. Die Grenze ist deshalb seit Jahrzehnten politisch und militärisch umkämpft. Aus diesen Konflikten entstand ein wiederkehrender Kreislauf von Anschlägen, Militärschlägen und gegenseitigen Anschuldigungen.

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Russlands neue Rolle

Parallel dazu baut Russland seine Beziehungen zur Taliban-Regierung aus. Russland erkannte die Taliban-Regierung 2025 offiziell an und unterzeichnete im Mai 2026 ein Abkommen über militärisch-technische Zusammenarbeit mit Kabul. Die genauen Inhalte wurden bislang nicht veröffentlicht. Nach russischen Angaben strebt Moskau mit Afghanistan inzwischen eine umfassende Partnerschaft an.

Russland verfolgt dabei eigene Interessen. Moskau betrachtet insbesondere den ISKP und andere jihadistische Gruppen in Afghanistan als Gefahr für Russland und die zentralasiatischen Staaten. Gleichzeitig will Russland seinen Einfluss in Zentralasien sichern. Im September erklärte der russische Verteidigungsminister Beloussow, die Sicherung der tadschikisch-afghanischen Grenze habe für Russland Priorität. Russland unterhält in Tadschikistan einen großen Militärstützpunkt.

Auch die von Russland geführte Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (OVKS) verstärkt ihre Aktivitäten. Im September übten ihre Truppen in Kasachstan die Abwehr eines möglichen Eindringens bewaffneter Gruppen aus Afghanistan. Für die tadschikisch-afghanische Grenze wurden zudem zusätzliche Waffen und Ausrüstung angekündigt.

Russlands engere Beziehungen zu Kabul könnten damit auch für den Konflikt zwischen Afghanistan und Pakistan relevant werden. Moskau verfügt über Kontakte zu beiden Seiten und hat ein eigenes Interesse daran, dass bewaffnete Gruppen aus Afghanistan nicht in die Nachbarstaaten vordringen. Ob Russland diesen Einfluss zur Vermittlung zwischen Kabul und dem NATO-Alliierten Pakistan einsetzen wird, ist derzeit offen.

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Source: Perspektive Online