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Mordserie in Südafrika: Zehn tote Frauen und die Forderung nach Gerechtigkeit

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Rund um Johannesburg wurden in den vergangenen zwei Monaten zehn ermordete Frauen gefunden. Eine Aufklärung gibt es bisher nicht. Frauen vor Ort fordern Gerechtigkeit und ordnen die Morde in ein strukturelles Problem mit Femiziden und patriarchaler Gewalt ein.

Seit Juli, also innerhalb der letzten zwei Monate, wurden in der Metropolgemeinde Ekurhuleni, die im Osten an Südafrikas größte Stadt Johannesburg grenzt, neun Frauenleichen gefunden. Die erste Frau wurde am 15. Juli gefunden, halbnackt und mit Kabeln gefesselt. Die in den folgenden Wochen gefundenen weiteren Leichen weisen ähnliche Merkmale auf. Bei acht der neun bisher gefundenen Frauen gibt es deutliche Spuren sexualisierter Gewalt. Die Opfer sind zwischen 20 und 40 Jahre alt und fast alle konnten mittlerweile identifiziert werden.

Am vergangenen Sonntag wurde ein zehntes Leiche Mordopfer gefunden. Diesmal in Soweto, was westlich bei Johannesburg liegt. In den letzten Wochen hat die Serie an Morden in Südafrika selbst und auch international an Aufmerksamkeit gewonnen.

Unklarheit über polizeiliche Ermittlungen

Bisher scheint die südafrikanische Polizei im Dunkeln zu tappen, oder zumindest wenige Informationen nach außen weiterzugeben. Anfänglich wurde ein Mann verhaftet, der möglicherweise in Zusammenhang zu einem der ersten Opfer stand. Dieser wurde aber nach einigen Wochen wieder freigelassen, da die Frist für Untersuchungshaft abgelaufen war, ohne dass ausreichende Beweise erbracht werden konnten.

Vor kurzem wurden dann zwei Frauen inhaftiert, denen ebenfalls vorgeworfen wird mit dem Tod einer der Frauen etwas zu tun zu haben. Die Polizei sprach hierbei von einem möglichen Beziehungskonflikt als Grundlage des Mordes.

Genauere Informationen gibt es bisher aber nicht, es wird deutlich, dass die Polizei bisher keine Antworten auf die Serie an Morden zu haben scheint. Ebenfalls ist unklar, inwiefern die Morde miteinander in Verbindung stehen. Während eine Kriminologin von klaren Anzeichen für einen Serienmörder spricht, streitet die Polizei Hinweise auf eine Verbindung der Morde ab. Derweil schreiben die Ermittlungsbehörden eine Belohnung von 400.000 Rand – umgerechnet rund 20.000 Euro – für Hinweise auf mögliche Täter:innen aus.

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Südafrika: Femizide häufen sich

Südafrika gehört zu den Ländern mit den höchsten Mord- und Femizidraten. Femizide sind Morde, bei denen Frauen aufgrund ihres Geschlechts getötet werden. Meistens sind die Täter aus dem direkten Umfeld der Frauen – Ehemänner, Partner, Ex-Partner, Väter, Brüder, andere Familienmitglieder oder Freunde. Femiziden geht oft eine Spirale verschiedenster Formen der Gewalt voran, die dann in der Ermordung der Frauen gipfelt.

Laut offizieller Statistiken von der dortigen Polizei wurden in Südafrika innerhalb eines Jahres zwischen März 2023 und 2024 mindestens 5.578 Frauen ermordet. Für danach gibt es kaum offiziellen Statistiken. Das Problem ist dabei schon so lange bekannt, dass der südafrikanische Präsident Cyril Ramaphosa schon 2020 während der Coronapandemie von „einer weiteren Pandemie, die in unserem Land wütet“ sprach. 2025 wurden geschlechtsspezifische Gewalt und Femizide in Südafrika zur nationalen Katastrophe erklärt.

Patriarchale Gewalt und Femizide passieren überall auf der Welt, in allen Ländern. An manchen Orten jedoch in besonders hohem Ausmaß. Oft handelt es sich dabei um Staaten oder Regionen, wo viele Menschen in Armut leben, die Lebensbedingungen schwierig sind und patriarchale Rollenbilder stark ausgeprägt. Auch kommt dazu, dass die meisten Gewaltverbrechen gegen Frauen von der Justiz kaum verfolgt werden, also auch keine Konsequenzen für die Täter nach sich ziehen. Das führt wiederum dazu, dass Frauen kein Vertrauen in die Justiz haben und deswegen Gewalttaten auch gar nicht erst angezeigt werden.

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Proteste nach neuer Welle an Femiziden

Die Behörden forderten Frauen aufgrund der aktuellen Mordserie auf wachsam zu sein, möglichst nicht allein unterwegs zu sein, besonders abends oder nachts ihr Zuhause Discott (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Cape_Town_anti-femicide_demonstration_01.jpg), CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)am besten nicht allein zu verlassen. Dies führte zu größerer Empörung und Wut bei vielen Frauen. Wut darüber, dass die Antwort auf die Morde wieder zu sein scheint, dass Frauen sich noch mehr aus dem öffentlichen Leben zurückziehen sollen, statt patriarchale Gewalt effektiver zu bekämpfen.

In den vergangenen Tagen gab es mehrere Proteste und Trauermärsche in der betroffenen Region. Den ermordeten Frauen wurde gedacht und Gerechtigkeit für sie gefordert. Aber vor allem gingen Frauen auf die Straße um die Wut über die Bedingungen nach außen zu tragen, unter denen sie tagtäglich leben müssen. Dass man so wachsam sein kann wie nur irgendwie möglich, aber das nie effektiv davor schützen wird, selbst Opfer patriarchaler Gewalt zu werden. Gefordert werden tatsächliche Konsequenzen für Täter, Schutzeinrichtungen für Frauen, und dass allgemein der Kampf gegen patriarchale Gewalt nicht bei Lippenbekenntnissen bleibt.

Mit besonderer Wut wurde auch die Empfehlung der Behörden, dass Frauen nicht allein laufen oder joggen gehen sollten, aufgefasst. Eine der ermordeten Frauen war begeisterte Joggerin und wurde bei einem ihrer Läufe ermordet. Bei einer Protestaktion, zu der Gruppen von Läufer:innen aufgerufen hatten erklärte eine Protestierende gegenüber NPR: „Geschlechtsspezifische Gewalt, und insbesondere Femizid, ist so ein großes Problem in Südafrika. Als Frau kann man nichts allein machen. Wenn du joggst kannst du ermordet werden, wenn du zur Post gehst kannst du ermordet werden, Zuhause kannst du ermordet werden. Es macht mich wütend, dass ich mich nicht frei bewegen kann, mein ganzes Land fühlt sich wie ein Gefängnis an.“

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Source: Perspektive Online