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Germany · Perspektive Online · 1970-01-01

Mit Käse, Spraydosen und Sägen: Vandalismus gegen Flock-Kameras in den USA

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Die Kameras der Firma Flock sind in den USA flächendeckend aufgestellt und erfassen Autos und sogar Personen.

Missbrauchsskandale und die Verfolgung Unschuldiger sind an der Tagesordnung.

Während der Unmut in der Bevölkerung wächst, steigt der Vandalismus an den Kameras.

Die USA sind ein Land, das politisch äußerst gespalten ist.

Doch eine Sache gibt es, die Republikaner und Demokraten gleichermaßen auf die Palme zu bringen scheint: Es handelt sich dabei um die zunehmende Überwachung im öffentlichen Raum.

Die Firma Flock Safety stellt seit Jahren sogenannte ALPRs in den gesamten Staaten auf.

Die Abkürzung steht für Automated License Plate Readers (dt. automatisierte Nummernschild-Lesegeräte).

Damit sind Kameras gemeint, die an verschiedenen Masten über das gesamte Land verteilt sind.

In den Staaten sind laut der unvollständigen Zählung von Deflock.org 130.000 ALPRs aufgestellt, sie erfassen bis zu 20 Milliarden Fahrzeuge im Monat mit Hilfe von KI.

Dabei werden vorwiegend das Nummernschild, das Datum, der Ort und die Uhrzeit festgehalten, aber auch das Modell des Autos, die Farbe und weitere Identifikationsmerkmale wie Schäden am Auto und Sticker, nach denen dann von Polizeibeamt:innen in einer US-weiten Datenbank gesucht werden kann – das Ganze ohne größeren Aufwand und ohne richterliche Beschlüsse.

Die bereits erfassten Kennzeichen werden dann mit den Daten der Flock-Kameras abgeglichen.

Im Jahr 2017 wurde die erste Kamera der Firma Flock aufgestellt.

Seitdem ist das Unternehmen rasant gewachsen.

Im Jahr 2022 war die Firma 3,5 Milliarden US-Dollar wert, heute sind es bereits 8,4 Milliarden.

Zwar ist Flock nicht der größte Player auf dem Markt, denn Axon Enterprise hat schon einen Börsenwert von etwa 40 Milliarden.

Das Geschäft mit der Kennzeichenerfassung wächst aber kontinuierlich an und funktioniert über ein Abo-Modell.

Das Aufstellen der Kameras ist in dem Abo-Modell enthalten und wird von Flock übernommen.

Mehr Überwachung?

Sicher nicht!

Alles nur um Kriminalität zu verhindern?

Obwohl Flock alles für ein gutes Image tut und sich das Ziel setzt, Kriminalität zu beenden, sind die Flock-Kameras in der Bevölkerung in den letzten Jahren immer unbeliebter geworden.

Das liegt an verschiedenen Faktoren: Neben der Dauerüberwachung wurden immer wieder Skandale öffentlich.

So sollen mindestens 50 Polizist:innen das System missbraucht haben, um ihre (Ex-)Partnerinnen zu stalken .

Hinzu kommt, dass die Software beim Erfassen der Nummernschilder nicht fehlerfrei ist.

So ist es bereits in einem Zeitraum von nur zwei Monaten zu über 161 Fällen gekommen ist, bei denen allein das LAPD (Los Angeles Police Department) unschuldige Personen anhielt.

Eine 23-jährige Frau aus Florida z.B. verbrachte 13 Tage im Gefängnis , weil sie einen schwarzen Dodge Durango fuhr, der durch das Flock-System mit einem Unfall mit Fahrerflucht in Verbindung gebracht wurde.

Flock wird von der Firma selbst immer als reines ALPR verkauft, also als ein System, das lediglich die Nummernschilder der Autos erfasst.

Allerdings machte die Nachrichtenseite 404 Media darauf aufmerksam, dass mindestens hundert Beamte nicht einfach nach Kennzeichen suchten, sondern in die Suchleiste auch Begriffe schrieben, mit denen sie nach Personen statt Autos suchen wollten.

Bei den Begriffen spielten der Migrationshintergrund oder Merkmale einer politischen Einstellung eine besondere Rolle.

KI-Videoüberwachung am Kottbusser Tor: Der nächste Schritt in Richtung Überwachungsstaat Die Stimmung kippt Viele Amerikaner:innen haben ihre Meinung in der letzten Zeit geändert.

Laut einer YouGov-Umfrage sind 46 Prozent gegen den Einsatz der Kameras, 38 Prozent sind dafür.

Bei dem vorherigen Ergebnis waren 33 Prozent dagegen und 45 Prozent dafür, also genau umgekehrte Werte.

Gegenüber dem Spiegel sagte der leitende politische Analyst der Electronic Frontier Foundation (EFF), Matthew Guariglia: „Automatische Kennzeichenerfassungssysteme sind Einfallstore für ein Überwachungsnetzwerk.

Die Kameras werden nicht nur zur Verbrechensbekämpfung genutzt, sondern auch dafür, Menschen nachzuspüren, die sich vollkommen rechtmäßig verhalten.“ Laut der US-Bürgerrechtsorganisation American Civil Liberties Union maskieren sich deshalb manche Teilnehmer:innen von Anti-Trump-Demonstrationen oder lassen ihre Mobiltelefone daheim, um nicht identifiziert werden zu können.

Gegen die Flock-ALPRs gibt es auch handfesten Widerstand: In mindestens 36 der 50 US-Bundesstaaten wurden ALPRs direkt angegriffen.

Die Kameras wurden abmontiert und gestohlen, zerstört oder die Linse besprüht, der Mast, auf dem sie befestigt sind, wurde abgesägt oder mit dem Auto umgefahren, die Kabel wurden durchtrennt, und es wurden sogar die Solarmodule mit Käse beschmiert, damit die Stromzufuhr versiegt.

Der Kongresskandidat Adam Lee Heimerman aus Lenoir City in Tennessee soll gar mit einer Schrotflinte auf vier ALPRs geschossen haben und sammelte daraufhin 14.000 Dollar für Gerichtskosten mit einer Solidaritätskampagne ein. „Gotham“ – Überwachung und Diskriminierung auf ganz neuem Maßstab Vandalismus auf TikTok Auch auf Social Media gibt es zahlreiche Videos, in denen humorvoll erklärt wird, wie man Flock-Kameras zerstören kann.

Diese Postings werden jedoch von den Behörden mitverfolgt , und die Polizeipräsenz in der Nähe von ALPRs wird erhöht.

All der Druck aus der Bevölkerung zeigt auch Früchte.

Denn Flock kündigte kürzlich an, dass die Daten statt nach 30 Tagen künftig nach 7 Tagen gelöscht werden.

Ein Prüfsystem soll eingeführt werden, das auffällige Abfragen von Polizist:innen meldet, und Städte sollen künftig entscheiden können, zu welchem Zweck andere Behörden ihre Kameras durchsuchen dürfen.

Ob diese Änderungen, die bis zum Ende des Jahres in Kraft treten sollen, die Bevölkerung besänftigen, ist offen.

Besonders die Frage, ob und wann die Einwanderungsbehörde ICE vollen Zugriff auf die Daten haben wird, bleibt für viele ein Grund zur Sorge.

In Denver kam es in elf Monaten zu mehr als 1.400 Abfragen mit Einwanderungsbezug, woraufhin die Stadt den Service kündigte und auf Axon umstieg, da der Verdacht nahe lag, dass ICE die Infrastruktur für ihre Zwecke nutzte.

Doch ob es ausreicht, einfach nur den Anbieter zu wechseln, ist fraglich.

Dave Maass von der Electronic Frontier Foundation warnt davor.

Er sagte: Wer Flock loswerde und zu Axon oder Motorola wechsle, habe nichts gewonnen – Motorola sei womöglich sogar problematischer: Eine Konzerntochter verkauft Kennzeichendaten an Kreditgeber, Versicherer und Inkassofirmen.

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Source: Perspektive Online