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Maskierte Proteste, brennende Zelte: Rassistische Ausschreitungen in Dover und Ceuta
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In Dover blockierten am Wochenende Hunderte Vermummte den wichtigsten Fährhafen Großbritanniens, um gegen die Ankunft von Migrant:innen zu protestieren. In der spanischen Exklave Ceuta eskalierte die Situation ebenfalls: Menschen zündeten Besitztümer von Geflüchteten an und forderten deren sofortige Abschiebung. Die Ereignisse reihen sich in eine Welle von rassistischen Protesten in der Europäischen Union ein.
Am Samstagmorgen des 5. September versammelten sich mehrere hundert überwiegend schwarz gekleidete und vermummte Männer vor dem Hafen der südenglischen Stadt Dover. Sie blockierten die Zufahrtsstraßen und brachten den Fährverkehr zum Erliegen. Unter den Rufen „Stop the boats“ („Stoppt die Boote“) protestierten sie gegen die Ankunft von Migranten, die den Ärmelkanal überqueren. Die Polizei sprach von einer „spontanen“ Demonstration – einige Medien berichten hingegen von einer koordinierten und durchgeplanten Aktion.
In den sozialen Medien übernahm die Gruppe „Patriot Platform“ die Verantwortung für die Blockade. Die Organisation wird dem Umfeld des bekannten faschistischen Aktivisten Tommy Robinson zugerechnet, der bereits bei den Pogromen in Nordirland im Juni dieses Jahres eine zentrale Rolle als Agitator spielte.
Robinson und seine Mitstreiter riefen damals wie heute zu Protesten auf und verbreiteten rassistische Narrative, die in der Brandstiftung von Wohnhäusern migrantischer Familien in Belfast mündeten. Die Blockade von Dover folgt dem gleichen Muster: gezielte Mobilisierung über soziale Medien, Eskalation durch maskierte Militante und die Inszenierung der Ausschreitungen als vermeintlicher Volksprotest.
Pogrome in Nordirland: Widerstand gegen rechte Hetze und rassistische Spaltung organisieren!
Die britische Regierung verurteilte die Blockade. Der ehemalige Premier Keir Starmer warnte vor einer „Politik des Giftes“, die in die Gesellschaft eindringe. Kritik gab es jedoch auch am Polizeieinsatz, der sich während der Aktion entwickelte: Der örtliche Labour-Abgeordnete Mike Tapp will klären lassen, weshalb die Behörden angeblich nicht vorab von der Aktion wussten und der Bande zunächst freien Lauf ließ mit minimaler polizeilicher Präsenz.
Ceuta: Ein Monat der Krise schlägt in Gewalt um
Während sich der Protest in Dover auf einen Tag konzentrierte, brodelt es in der spanischen Exklave Ceuta in Nordafrika seit Wochen. Am 30. Juli hatten schätzungsweise 70.000 Menschen die Grenze von Marokko nach Ceuta überquert, schwimmend oder über die Zäune. Mehr als 80 Menschen kamen dabei ums Leben. Fünf Wochen später harren nach offiziellen Angaben noch rund 5.000 Migrant:innen in der Kleinstadt aus, darunter 1.200 Minderjährige. Sie schlafen an Stränden und in Gewerbegebieten.
Massenansturm auf Ceuta: Migration als Druckmittel zwischen Marokko und Spanien
Die angespannte Situation führte am 2. September zu massiven Protesten. In der Exklave selbst sowie in mehr als 200 anderen spanischen Städten gingen zehntausende Menschen auf die Straße. Allein in Madrid versammelten sich rund 50.000 Demonstrant:innen. Die Protestierenden skandierten Parolen wie „Ceuta ist nicht zu verkaufen, Ceuta muss verteidigt werden“ und „Invasoren – geht nach Hause!“. Sie warfen der Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez Versagen und Nachlässigkeit im Umgang mit der angeblichen Krise vor. Die konservativen Oppositionspartei PP hatte zu den Kundgebungen aufgerufen und die rechtspopulistische Vox beteiligte sich ebenfalls.
Die Stadt Ceuta selbst ist dabei ein Überbleibsel der spanischen Kolonialherrschaft über Nordafrika. Anfang des 15. Jahrhunderts rissen portugiesische Truppen die Herrschaft über die Stadt im Rahmen einer groß angelegten Militäroperation an sich, später wurde das Gebiet an Spanien abgetreten.
Die aktuellen Proteste entwickelten sich zunehmend zu gewalttätigen sowie rassistisch motivierten Auseinandersetzungen. Anwohner:innen verbrannten Besitztümer von Migranten an Stränden, zerstörten Zelte und warfen Gegenstände ins Meer. Sie blockierten auch Hilfslieferungen des Roten Kreuzes. In den Nächten zuvor waren bereits Fahrzeuge und Müllcontainer von dem rechten Aufmarsch in Brand gesetzt worden, es kam darüber hinaus zu Auseinandersetzungen mit Migrant:innen sowie zu Steinwürfen auf Polizeikräfte denen vorgeworfen wurde, zu wenig gegen die Geflüchteten zu tun. Die spanische Regierung hat 309 Millionen Euro für Ceuta bereitgestellt, um die Situation zu stabilisieren.
Die Lage der Geflüchteten selbst wird dabei mit den anhaltenden Protesten immer miserabler. Bereits jetzt leben tausende Kinder und Jugendliche ohne Wohnung auf der Straße. Im Zuge dessen mehrten sich auch Berichte von sexualisierten Übergriffen, auch gegenüber minderjährigen Mädchen.
Faschistische Kräfte unterstützen rassistische Massenmobilisierungen in der EU
Die jüngsten Proteste in Dover und Ceuta sind dabei keine isolierten Vorfälle. Derartige von faschistischen Kräften unterstützte Massenmobilisierungen haben bereits in diesem Jahr in Nordirland zu rassistischen Pogromen geführt. Im Juni 2026 nutzten Faschist:innen einen Messerangriff in Belfast, um massiv zu rassistischen Protesten und Ausschreitungen aufzurufen. Die Demonstrationen eskalierten zu Angriffen auf migrantische Familien, unter anderem wurden mehrere Dutzend Häuser in Brand gesetzt. Auch damals spielte Tommy Robinson eine zentrale Rolle als Agitator.
Die Ereignisse der letzten Monate zeigen dabei ein bestimmtes Muster: Rechte Netzwerke reagieren nicht nur spontan, sondern planen ihre Aktionen gezielt. Sie nutzen soziale Medien für die Mobilisierung, inszenieren sich als Volksvertreter und versuchen, ihre rassistischen Forderungen in den politischen Mainstream zu tragen. So war etwa die Blockade in Dover keine spontane Empörung, sondern eine organisierte Aktion einer Gruppe mit konkreten politischen Zielen. Die Proteste in Ceuta wurden nicht nur von lokalen Anwohner:innen getragen, sondern auch von konservativen und faschistischen Kräften landesweit instrumentalisiert. Mitglieder der neonazistischen Organisation Núcleo Nacional wurden dabei allerdings auch unter antifaschistischen Parolen von Anwohner:innen Ceutas aus der Stadt gedrängt.
In Nordirland offenbart sich die enge Verflechtung von loyalistischen Paramilitärs und rechten Gruppen, die gemeinsam gegen Migrant:innen mobilisieren. Als Teil des protestantischen Spektrums streben sie im Gegensatz zu den katholisch-republikanischen Kräften eine Annäherung an das Vereinigte Königreich an. In den vergangenen Monaten verbreiteten rechte Kräfte dabei gefälschte Stellungnahmen einer vermeintlichen „New Irish Republican Army (IRA)“, welche ebenfalls gegen Geflüchtete hetzen würde.
Die Kriminalisierung von Migration und Geflüchteten ist dabei nicht nur ein Mittel, um Menschen zu vertreiben, die vor Krieg und Armut fliehen. Rassistische Ausschreitungen sind ebenfalls ein extremer Ausdruck einer Spaltung innerhalb der arbeitenden Bevölkerung. Während beispielsweise die sogenannte „Cost-of-living crisis“ ganz Großbritannien erschüttert, werden für die eigentlichen Probleme und ihre Ursachen Geflüchtete verantwortlich gemacht. Auch aus dem Grund wurden zuletzt derartige faschistische Mobilisierungen immer wieder mit antifaschistischen Gegenprotest beantwortet.
Antifaschistische Protestwelle gegen rassistische Pogrome in Nordirland
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Source: Perspektive Online