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Krise im Mittelstand: Immer mehr Betriebe verlegen ihre Produktion ins Ausland

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Immer mehr Firmen des deutschen „Mittelstandes“ erwägen ihre Produktion ins Ausland auszulagern. Durch die Wirtschaftskrise nehmen Industrieabbau und der Konkurrenzkampf zwischen den Betrieben zu. – Ein Kommentar von Dalia Ali.

Die staatliche Förderbank KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) ist einer der führenden Förderbanken der Welt. Sie gibt im Auftrag der Bundes- und Länderregierung finanzielle Mittel für „wirtschaftliche, soziale und ökologische Transformationsprozesse“ frei. So wurden Investitionen in Höhe von 112,8 Milliarden Euro im Jahr 2024 getätigt. Darüber hinaus veröffentlicht die KfW jährlich einen sogenannten „Internationalisierungsbericht“ über die internationalen Aktivitäten des deutschen „Mittelstandes“, also der klein- und mittelgroßen Industriebetriebe.

Von 1700 befragten Unternehmen, davon 600 mit Auslandsgeschäft, gaben acht Prozent der im Ausland aktiven Industrieunternehmen an, innerhalb der letzten fünf Jahre ihre Produktion zumindest stückweise verschoben zu haben. Weitere 29 Prozent planen den Ausbau der Produktion im Ausland in den kommenden fünf Jahren. KfW-Chefvolkswirt Dirk Schuhmacher begründet die Tendenz mit dem wachsenden Konkurrenzdruck aus China, der US-Zollpolitik sowie dass „der Standort an Attraktivität verloren hat“.

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Chemie und Maschinenbau besonders betroffen

Levaco Chemicals, ein Unternehmen welches Spezial- und Prozesschemikalien im Chemiepark Leverkusen produziert, sieht sich beispielhaft dazu gezwungen die Produktion aus Europa auszulagern. Der Geschäftsführer Marius Mühlenberg klagt über steigende Energiekosten, rare Rohstoffmärkte und einem wachsenden bürokratischen Aufwand.

Er betont: „Das eigentliche Problem ist systemischer Natur: fehlende Planungssicherheit, überbordende Bürokratie, langwierige Genehmigungsverfahren und infrastrukturelle Herausforderungen“. Mit diesen Herausforderungen kann ein mittelständisches Unternehmen angeblich nicht mithalten. Jedenfalls nicht mit den Großkonzernen, so Mühlenberg.

Auch viele deutsche Maschinenbauer verlagern aktuell ihre Forschung ins Ausland. Eine Umfrage des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (Vdma) ergab, dass 43 Prozent der 400 Mitgliedsfirmen ihre Forschung und Entwicklung bereits außerhalb Deutschlands organisieren. Mehr als zwei Drittel derer, die bereits im Ausland forschen, wollen ihre Aktivitäten dort weiter ausbauen.

Dabei sind vor allem internationale Unternehmensstandorte wie China, Indien und die Vereinigten Staaten von Amerika Anlaufstellen. Als ein Faktor spielt die geplante Kürzung der Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF) im Bundeshaushalt 2027 eine Rolle. Die IGF verbindet Forschungsinstitute mit den Unternehmen in den jeweiligen Branchen.

Firmenpleiten auf Rekordhoch

Doch die Verlegung der Produktion ins Ausland reicht für viele Unternehmen nicht aus, um sich gegen die Krise zu stellen. Laut dem Statistischen Bundesamt meldeten 12.812 deutsche Unternehmen allein im ersten Halbjahr Insolvenz an. Damit erreichte die Zahl der jährlichen Unternehmenspleiten einen Höchststand wie seit 2013 nicht mehr. Damals waren kurz nach der Wirtschaftskrise 2011 13.253 Unternehmen in einem Jahr zahlungsunfähig.

Auch aktuell befindet sich die deutsche Wirtschaft wieder in einer Krise. Seit 2022 wächst die deutsche Wirtschaft kaum bis gar nicht mehr. Daher weist die steigende Zahl der Firmenpleiten und eine Abwanderung von Produktion aus Deutschland nicht in erster Linie auf das Versagen einzelner Unternehmen hin, sondern auf die Krisenentwicklung im kapitalistischen Imperialismus.

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Monopole gewinnen im Konkurrenzkampf

Unternehmen und ihre Sprecher:innen nennen als Grund für ihre Krisen gerne zu hohe Bürokratie, lange Genehmigungszeiten oder fehlendes Handeln der Politik. In Wahrheit werden jedoch die mittelständischen Betriebe im Konkurrenzkampf mit den Großkonzernen und der aufstrebenden ausländischen Konkurrenz zerrieben.

Großkonzerne wie etwa BASF oder Siemens verfügen über genug Mittel, um die Krisen der Wirtschaft zu überbrücken. Zu diesen Mitteln gehören etwa erfolgreiche Lobbyarbeit in der Politik für gezielte Subventionen, Verschiebung von Produktion oder die Erschließung von Absatzmärkten in anderen Ländern. Durch die Globalisierung der Monopolbetriebe und ihrer weltweiten Einflusssphäre sind sie nicht von einer nationalen Wirtschaft abhängig, sondern sind auf dem Weltmarkt in Konkurrenz mit anderen Monopolen verankert.

Dieses Ausmaß an Einfluss und Absicherung haben lokal gebundene Industriebetriebe nicht. Sie sind stärker von den wirtschaftlichen Schwankungen im Inland betroffen, wie zum Beispiel den steigenden Energiekosten infolge des Ukraine-Krieges. Im Konkurrenzkampf mit den Industriemonopolen werden sie immer verlieren und sich entweder einverleiben oder zerstören lassen. Diese Tendenz bestätigt sich in der Rekordzahl der Insolvenzanträge und gleichzeitigen Milliardengewinnen der Großbetriebe.

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Source: Perspektive Online