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Germany · Perspektive Online · 1970-01-01

Knapp ein Jahr danach: Israel greift Gaza trotz Trumps 20-Punkte-Plan weiter an

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Im Oktober 2025 einigten sich Israel und Hamas auf einen Plan, der einem Waffenstillstand gleichkommen sollte.

Keine Kämpfe mehr, freie Fahrt für Hilfsgüter, Freilassung aller Geiseln.

Doch internationale Organisationen zählen seitdem fast tägliche israelische Angriffe.

Der „Peace Plan“ für Gaza, den US-Präsident Donald Trump im September letzten Jahres anleitete, wurde kaum in die Tat umgesetzt.

Weiterhin gibt es massenhaft israelische Angriffe, und nur ein Bruchteil der versprochenen Hilfslieferungen kommt im Küstenstreifen an.

Medizinisch notwendige Geräte werden blockiert und Israel erweitert massiv die besetzten Gebiete.

Ähnlich den israelischen Vorstößen in der West Bank und den Golanhöhen macht die Besatzungsmacht keine Anstalten, sich von fremden Territorien wieder zu entfernen.

Eindeutige Zahlen zu Verstößen gegen das Abkommen sind schwer zu erhalten.

Die einzigen Quellen – abgesehen von denen der israelischen Armee – stellen das Government Media Office Gaza und das Gesundheitsministerium in Gaza dar.

Auf sie beziehen sich auch die Berichte des Menschenrechtsbüros der UN.

Die fehlende Datenlage liegt hauptsächlich daran, dass Israel keine internationalen Journalist:innen nach Gaza lässt.

Ende August lagen die Zahlen der Verletzten seit dem Abkommen laut Al Jazeera bei 4.379.

Außerdem schreiben die Berichte von 1.320 getöteten Palästinenser:innen .

Völkermord in Wort und Tat: Ben-Gvir zeigt das wahre Gesicht Israels Der ursprüngliche Plan Der Plan, der im September 2025 verhandelt wurde, war klar zum Nachteil der Bewohner:innen Gazas sowie der Hamas.

Teil des Plans war die Aufteilung Gazas in zwei Teile und die Einsetzung einer von den USA gesteuerten Übergangsregierung.

Diese soll den Prozess überwachen.

Sie ist jedoch wie die UN-Sicherheitsrats-Resolution, die den Plan billigte, insgesamt eher als Empfehlung zu verstehen.

Die Resolution ist völkerrechtlich nicht bindend.

Als Kern der Vereinbarung unterteilt sie das Gebiet des Gazastreifens: Ein „rotes“ Gebiet, das von den palästinensischen Behörden kontrolliert wird, befindet sich im Westen.

Daneben gibt es eine „grüne“ Zone im Osten, in die sich die israelische Armee zurückziehen sollte.

Dazwischen soll ein gelber Streifen als Puffer dienen.

Zu Beginn der Umsetzung des Deals umfasste der israelisch kontrollierte Bereich circa 53 Prozent von Gaza und der palästinensische entsprechend ungefähr 47 Prozent.

Dieses Verhältnis verändert sich jedoch kontinuierlich.

Satellitenbilder und Erfahrungsberichte der Palästinenser:innen zeigen: die gelben Betonsteine, welche die israelischen Besatzer:innen als Markierung für ihre inoffizielle Grenze benutzen, verschieben sich immer weiter Richtung Westen.

Wer vom Westen aus diesen gelben Streifen betritt, muss mit „Feuer“ rechnen.

Hier wird scharf geschossen.

Mittlerweile kontrolliert Israel bereits 64,9 Prozent von Gaza.

Doch Regierungschef Benjamin Natanjahu will mehr.

Ende Mai hat er seine Generäle angewiesen, den israelischen Bereich auf 70 Prozent auszuweiten.

Laut Israel sei all das mit dem ursprünglichen Deal vereinbar.

Hinter der gelben Linie zeigen sich die Absichten Israels noch deutlicher: Während nahe der „Grenze“ Erdwälle hochgezogen und Militärbasen errichtet werden, wird im Bereich dahinter alles zerstört, was an palästinensisches Leben in Gaza erinnern könnte.

Viele Häuser waren zwar schon stark beschädigt, aber seit November letzten Jahres sind in der „grünen Zone“ ganze Blocks an Häusern dem Erdboden gleichgemacht worden.

Auch die UN kritisiert die systematische Vernichtung von palästinensischem Wohnraum.

Konsequenzen für Israel gibt es bislang jedoch keine. „Es wird keine Araber mehr in Gaza geben“: Israelische Minister kündigen illegale Siedlungen in Gaza an Medizinisches Gerät und Hilfslieferungen Neben den Angriffen und Tötungen sowie der schrittweisen Annexion des palästinensischen Territoriums in Gaza gibt es noch weitere Maßnahmen Israels gegen die dortige Bevölkerung.

So beschränkt Israel die Menge an Hilfsgütern, die in das Gebiet gelangen könnten, stark.

Die geplanten 600 LKW täglich wurden auf 110 reduziert .

Auch die Zufuhr von Sprit, Wasser, Nahrungsmitteln, Medizin und Baumaterialien für Shelter hat die Besatzungsmacht teilweise monatelang stark eingeschränkt .

Israel selbst bezeichnet sie eigentlich als essentiell.

Außerdem wird die Einfuhr von Fleisch, Milchprodukten und verschiedenem Gemüse enorm eingeschränkt.

Gleichzeitig sind weniger gesunde Alternativen wie Schokolade oder andere Snacks zugelassen.

Laut dem Gaza Government Office sind nur circa 35 Prozent der eigentlich zugesagten 189.000 LKW-Lieferungen von Oktober bis August durchgelassen worden.

LKW-Fahrer:innen bestätigen außerdem außergewöhnlich lange Kontrollzeiten an den israelischen Checkpoints.

Eine weitere Taktik der israelischen Behörden besteht darin, alle möglichen Gegenstände als „ Dual-Use “ zu benennen.

Gegenständen wird also die Fähigkeit zugeschrieben, sie für Waffenproduktion einsetzen zu können.

In diese Kategorie fallen auch verschiedene medizinische Geräte, wie zum Beispiel Ultraschall- oder Dialysegeräte.

Amnesty International sieht hier eine besondere Gefahr für Frauen und Mädchen.

Viele Geräte, die zur Versorgung und Diagnose in der Schwangerschaft benötigt werden, sind nicht zugelassen.

Hamas tritt ab – Gaza leidet weiter unter Angriffen und Armut Fortschreitende Besatzung in Golanhöhen und West Bank Trotz des Abkommens vom letzten Jahr ist auch der Umgang Israels mit den Palästinernser:innen im Gazastreifen wenig überraschend.

Über die schwerwiegenden Einschränkungen im Alltag der Palästinenser:innen hinaus respektiert Israel die Grenzen und Souveränität seiner Nachbarn selten.

Auf den zu Syrien gehörenden Golanhöhen und in der West Bank wurden in den letzten Jahren die Angriffe verschärft und die Besatzung ausgebaut.

Die Golanhöhen wurden 1981 von Israel annektiert .

Seit dem Sturz Assads im Dezember 2024 hat Israel seine Besatzung dort Stück für Stück ausgebaut.

Diese Ausweitung ging einher mit der Zerstörung von Häusern und Ackerland.

Wohnten dort einst 140.000 Syrer:innen , sind mittlerweile nur noch rund 20.000 Drus:innen dort verblieben.

Israel hat stattdessen bereits 31.000 Siedler:innen dort angesiedelt.

Im April 2026 hat das israelische Parlament einen 334 Millionen Dollar-Plan abgesegnet, um den Siedlungsbau auf den Golanhöhen noch auszuweiten.

Auch im Westjordanland gibt es immer weitere systematische Vorstöße und Angriffe israelischer Siedler:innen, die dabei von der israelischen Armee geschützt werden.

Israels Regierung macht damit klar, die völkerrechtswidrige Präsenz dort auszuweiten.

Ende August hat Israel eine Ausschreibung über 1.234 Wohneinheiten im E1-Gebiet veröffentlicht, mit Stichtag kurz vor den israelischen Wahlen Ende Oktober.

Die Durchsetzung dieser neuen Bebauung würde das Westjordanland in einen nördlichen und südlichen Teil aufteilen.

Außerdem würde der Plan vor Ort 18 beduinische Familien vertreiben, so Human Rights Watch .

Im Schnitt wurden laut OCHA im Jahr 2026 pro Tag 17 Menschen in der West Bank durch Siedlerangriffe oder illegitime Bebauung vertrieben – doppelt so viele wie in den drei Jahren zuvor.

Dabei wurden 16 Kinder getötet und 187 Menschen verletzt.

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Source: Perspektive Online