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„Gerechtigkeit für Priscille“: Angehörige fordern Aufklärung nach Tod in Psychiatrie
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Kurz nach ihrer Einlieferung in eine Kölner Klinik wird eine junge schwarze Frau mit der 7-Punkt-Fixierung ruhig gestellt. Am nächsten Morgen ist sie tot. Die Initiative Justice for Priscille fordert Aufklärung und ruft für Samstag zu einer Demonstration auf.
Nachdem die 26-jährige Priscille sich am 21. Mai in einem psychischen Ausnahmezustand befand, wurde sie in die LVR Klinik in Köln Merheim eingeliefert. Nach Angaben ihrer Familie litt Priscille an Schizophrenie. Am darauf folgenden Tag war Priscille nicht mehr am Leben und ihre Familie bemüht sich seitdem darum, die Todesursache herauszufinden.
Vor ihrem Tod wurde Priscille mit Beruhigungsmedikamenten behandelt und mittels einer 7-Punkt-Fixierung an ihre Liege gebunden. Für diese Art der Fixierung gibt es klare gesetzliche Regelungen. So muss für eine langfristige Fixierung eine richterliche Genehmigung vorliegen und die Patient:in muss zudem durchgehend medizinisch überwacht werden. Neben der Betreuung muss auch eine Kontrolle der Vitalfunktionen durchgeführt werden.
Der gesundheitliche Zustand von Priscille wurde die ganze Nacht über von einer Pflegekraft als „in Ordnung“ protokolliert. Und trotzdem wurde Priscille am Morgen von einer Pflegekraft tot aufgefunden, als sie bei ihr Blut abnehmen wollte. Zu dem Zeitpunkt ist die Leiche bereits kalt. Nachdem die Familie Priscille telefonisch nicht erreichte, versuchten sie bei der Klinik zu erfahren, wie es ihr geht. Doch sie bekamen keine Informationen und wurden immer wieder vertröstet. Schlussendlich erfuhren sie erst durch einen fremden Arzt von dem Tod ihrer Angehörigen.
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Initiative fordert Aufklärung
Derzeit läuft ein Todesermittlungsverfahren, das durch die Kölner Staatsanwaltschaft eingeleitet wurde. Dadurch soll geprüft werden, ob der Tod auf Beschäftigte der Klinik zurückzuführen ist. Dazu wurde auch eine Obduktion der Leiche begonnen, über deren Ergebnisse öffentlich noch nichts bekannt ist. Die LVR-Klinik hat sich auf Instagram zu dem Fall von Priscille geäußert und angekündigt, man werde den Fall „konsequent und lückenlos aufzuklären“.
Mittlerweile hat sich eine Initiative gegründet, das Gerechtigkeit für Priscille fordert. Die Initiative bezeichnet das Statement der LVR-Klinik als „lächerlich und respektlos“. Sie haben bereits öffentlich dazu aufgerufen, sich mit den eigenen Fragen an die LVR-Klinik in Merheim zu wenden.
Zudem ist es das Ziel der Initiative, weitere Fälle bekannt zu machen. Die Initiative hat nicht nur eine Spenden-Kampagne und eine Petition gestartet, sondern veranstaltet am 26. September um 18 Uhr eine Demonstration am Vorplatz des Kölner Hauptbahnhofs. „Wir fordern Gerechtigkeit für Priscille und Aufklärung im Gesundheitssystem“, heißt es im Aufruf zur Demonstration.
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Die 7-Punkt-Fixierung sei „eines der extremsten Mittel, um jemanden ruhigzustellen“. Dabei bestehe beispielsweise auch ein hohes Risiko am eigenen Erbrochenen zu ersticken. „Personen, die sich in einer solchen Fixierung befinden, müssen gesetzlich rund um die Uhr eins zu eins von Pflegepersonal betreut und beobachtet werden. Die Fixierung darf ohne richterlichen Beschluss nicht länger als 30 Minuten angewendet werden und ist vor allem unter Medikamenteneinfluss extrem gefährlich bis lebensbedrohlich“, erklärt die Initiative.
Klinikmitarbeitende unter Druck
Gegenüber RTL äußerten zwei Beschäftigte, dass die Behandlungsqualität immer wieder unter der Personalknappheit leide. „Wir sind meistens unterbesetzt, also nur eine Person für viele Patienten zuständig“, sagte eine Mitarbeiterin. Mitunter würde sie aufgrund eines schlechten Gewissens auf ihre Pause verzichten, um sich in dieser Zeit um Patient:innen zu kümmern. Diese Aussagen standen jedoch nicht im direkten Zusammenhang mit dem Fall von Priscille.
„Laut Berichten von ehemaligen Patienten und Mitarbeitenden, herrscht eine chronische Unterbesetzung, die vor allem die Behandlungsqualität enorm verschlechtert. Wir wollen rechtliche Aufklärung für Priscille, aber auch politische Aufklärung für Alle. Wir wollen, dass sich unsere Politiker und der LVR mit der Frage auseinandersetzen, wie es überhaupt so weit kommen konnte“, fordert die Initiative.
Die Aufklärung des Falls steht aktuell im Fokus der Initiative, doch die LVR-Klinik in Köln Merheim ist nur Teil eines größeren Problems. Laut Berechnungen des Statistischen Bundesamts werden bis 2049 insgesamt zwischen 280.000 und 690.000 Pflegekräfte fehlen.
Und die Bedingungen im Gesundheitssystem werden sich auch zukünftig weiter zuspitzen. Denn die Bundesregierung hat noch vor der Sommerpause eine Gesundheitsreform verabschiedet, die auf das bereits marode System weiteren Druck ausübt. Dabei steht die geplante Deckelung der Vergütungssteigerungen für Krankenhäuser, Arztpraxen und andere Leistungserbringer im Mittelpunkt der Kritik.
Künftig sollen Erhöhungen der Vergütung grundsätzlich an die sogenannte Grundlohnrate gekoppelt werden. Steigen Personal-, Energie- oder Sachkosten stärker als die beitragspflichtigen Einkommen, bleiben die Einrichtungen auf den Mehrkosten sitzen.
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Für die Beschäftigten bedeutet das einen erheblich steigenden Druck. Wenn Kliniken steigende Personalkosten nicht mehr vollständig erstattet bekommen, wächst der Anreiz, Personal abzubauen, Stellen unbesetzt zu lassen oder notwendige Investitionen aufzuschieben. Schon heute arbeiten viele Beschäftigte in Krankenhäusern unter enormer Belastung. Die Reform droht diese Entwicklung weiter zu verschärfen.
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Source: Perspektive Online