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Gasspeicher nur zur Hälfte gefüllt: Kostenexplosion möglich

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Die Gasspeicher in Deutschland sind derzeit nur um etwas mehr als die Hälfte gefüllt und werden bis in den Winter voraussichtlich nicht viel voller. Bei besonders kalten Temperaturen droht ein unzureichender Vorrat und Kostensteigerungen für Verbraucher:innen.

Vor wenigen Tagen warnte die Initiative Energien Speichern (Ines) – ein Vertreterverband der Gasspeicherbetreiber:innen – vor unzureichenden Füllständen bei deutschen Gasspeichern. Derzeit sind die Speicher nur zu etwa 53 Prozent voll, ein historisch niedriger Wert. Im Normalfall seien die Speicher meist zu über 95 Prozent gefüllt, erklärt Ines Geschäftsführer Sebastian Heinermann dem Spiegel: „Der Füllstand lag fast immer oberhalb von 80 Prozent.“

Nun seien aber höchstens noch 77 Prozent zu erreichen, doch selbst dieses Ziel scheint unrealistisch. Mit Blick auf die Menge an Gas, die in den letzten Wochen eingespeichert wurde, sieht es eher danach aus, als würde der Füllstand der Gasspeicher zur Beginn der Heizsaison bei 63 Prozent liegen.

Droht ein Vorratsmangel?

Sollten doch noch 77 Prozent erreicht werden, würde die Menge an eingespeichertem Gas bei einem durchschnittlichen Winter ausreichen. Sollten jedoch besonders kalte Temperaturen auftreten, könnten die Gasspeicher bis Ende Januar laut Ines vollkommen leer sein.

Insgesamt ist die Gasversorgung also nicht vollkommen abgesichert. Hinzu kommen verschiedene Risiken noch vor der Heizsaison. So könnte ein Ausfall der Nordseepipeline von Norwegen nach Deutschland katastrophale Folgen haben. Doch auch diverse kleinere Risiken für die Gasversorgung gebe es noch weiterhin.

Trotzdem muss man sich wohl vorerst keine Sorgen um die Heizung des eigenen Zuhauses machen: Private Haushalte sind in einem möglichen Engpass besonders geschützt. Allerdings hätte ein Vorratsmangel herbe Folgen für die Industrie, was dann wiederum Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft mit sich bringen würde. Auch könnten die Preise aufgrund des extrem niedrigen Angebots in die Höhe schnellen.

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Wirtschaftsministerin versucht zu beschwichtigen

Derweil versucht die Bundesregierung die Lage zu beruhigen und will vermitteln, dass es keinen Grund zur Sorge gebe. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) erklärte am Dienstag, dass die Gasversorgung zu 38 Prozent aus Belgien und den Niederlanden komme, zu 36 Prozent per Pipeline aus Norwegen und 18 Prozent in Form von Flüssiggas (LNG) ankomme. Seit 2022 wurden viele neue LNG-Terminals gebaut, wodurch mehr Flüssiggas importiert werden kann.

Die Bundesregierung sei des weiteren „für jedes Szenario“ gewappnet und habe „entsprechende Instrumente vorbereitet“, erklärt Reiche. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sprach sich in der Haushaltsdebatte im Bundestag kürzlich dagegen aus nun mehr Gas anzukaufen. Dies „würde nur dazu führen, dass die Preise an den Gasmärkten so stark steigen, dass wir die Preise gar nicht mehr bezahlen können“, so Merz.

An der Darstellung, dass man sich im Notfall auf Flüssiggaslieferungen verlassen könne, kommt Kritik von zwei Seiten. Zum einen erklärt der Gasspeicherverband Ines, dass täglich nur rund 0,8 Terawattstunden Gas durch LNG-Terminals aufgenommen werden könnten. In der Spitze brauche man deutschlandweit allerdings fünf Terawattstunden pro Tag.

Andererseits warnt der Energiepolitiker der Grünen Michael Kellner davor, dass man sich damit von den USA abhängig machen würde. Mehr als 90 Prozent der Flüssiggaslieferungen an Deutschland kommen aus den USA, europaweit liegt der Durchschnitt ebenfalls bei über 50 Prozent. Somit müsse man sich auf den unzuverlässigen amerikanischen Partner verlassen und laufe Gefahr für politische Zwecke erpresst zu werden, erklärt Kellner.

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Höhere Kosten für Verbraucher:innen möglich

Hintergrund der mangelnden Gasspeichervorräte sind die Kriege in der Ukraine und dem Iran. Während ersterer dafür sorgt, dass kein billiges russisches Gas mehr importiert wird, sorgt zweiterer noch immer für die Schließung der Straße von Hormus. Diese hat neben ihrer Wichtigkeit für den Ölexport auch eine große Bedeutung für Flüssiggas, denn sie blockiert die wichtigste LNG-Exportroute aus Katar.

Zumindest teilweise ist aber wohl auch das verfehlte Kalkül von Gasspeicherbetreiber:innen für die Speicherstände verantwortlich zu machen. Normalerweise ist Gas im Sommer günstiger zu haben, wodurch die Speicherung profitabler wird. Die Hoffnung auf ein schnelles Ende des Iran-Krieges, die dies auch in diesem Jahr möglich gemacht hätte, ist aber nicht bestätigt worden.

Der Verband Ines fordert nun, dass die Bundesregierung die Netzentgelte für die Ein- und Ausspeicherung von Gas aufhebe. Dies würde es günstiger machen Gas einzuspeichern und so für vollere Speicher sorgen. Allerdings würden diese Kosten auf die Industrie und private Verbraucher:innen umgelegt werden – die Gaspreise würden also steigen.

Sollte es letztendlich doch zu Gasmangel kommen könnte die Bundesregierung selbst einschreiten und Gas kaufen. Dies geschah bereits 2022 nach dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs. Der Nachteil daran ist allerdings damals wie heute gleich: Enorme Gaspreise für Kund:innen.

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Source: Perspektive Online