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Frankreichs Schüler:innenproteste weiten sich aus – Unterarm von 15-jährigem zerrissen

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Die französischen Schüler:innenproteste werden größer und sehen sich mehr Repressionen konfrontiert. Schüler:innen, Gewerkschaften und eine Bäuer:innenvereinigung rufen für den 6. Oktober zu Streiks und Blockaden auf.

Die Schüler:innenproteste Frankreichs weiten sich über das ganze Land und über Schüler:innen hinweg aus. Während deutsche Medien vor allem die Gewalt rund um die über 900 Blockaden der Oberstufenschulen in Frankreich thematisieren, wurde für den morgigen 6. Oktober ein nationaler Aktionstag ausgerufen. Am Dienstag finden in über 35 Städten Demonstrationen statt. Dabei sind nicht nur Schüler:innen und Studierende aufgerufen nicht zur Schule oder Uni zu gehen, sondern auch Arbeiter:innen und die Bäuer:innen.

Zu den Protesten rufen verschiedene Organisationen auf. Neben den in Frankreich existierenden Schüler:innengewerkschaften, allen voran „Union syndicale lycéenne“ und der Studierendenvereinigung „Union Edutiande“, auch die links-ökologische Bäuer:innengewerkschaft „confederation paysanne“. Sie ist die drittgrößte Bäuerinnengewerkschaft und ruft dazu auf, mit den Traktoren die Blockaden der Schulen zu unterstützen. Doch auch die Lehrergewerkschaft FSU und die Allgemeine Gewerkschaftskonfödertion (CGT) rufen zu den Protesten unter dem Motto „an ihrer Seite“ auf.

Landesweite Massenbewegung

Auch die linke Sammelpartei La France Insoumise (LFI) ruft zu den Protesten auf. Schon bei dem letzten Streik am 1. Oktober waren viele LFI Abgeordnete bei den Protesten anwesend. So versuchten sie vielerorts, sich gemeinsam mit Lehrkräften zwischen die Polizei und die Schüler:innen zu stellen, um so die Lage zu deeskalieren. Auf den Blockaden wurden einzelne Abgeordnete wie Louis Boyard wie Stars gefeiert. Gerade unter den jungen Menschen erlebt die Partei LFI hohe Zustimmung.

Polizeigewalt und Tausende Festnahmen bei Schüler:innen­protesten in Frankreich

Die Protestbewegung, welche in den Vorstädten von Paris entstanden ist, wurde schnell zu einer landesweiten Massenbewegung der Schüler:innen. In ihren Augen unternimmt die Regierung zu wenig um etwas gegen den Mangel an Lehrkräften, Sanierungsstau an Schulen, zu großen Klassen oder zu langen Unterrichtstage zu unternehmen. In Frankreich ist es keine Seltenheit, dass Klassen aus über 35 Schüler:innen bestehen und teilweise von 8 bis 19 Uhr in der Schule Unterricht haben.

À bas Parcoursup!

Der Protest der Schüler:innen richtet sich aber auch gegen das 2018 reformierte Schulsystem. 2018 wurde mit „Parcoursup“ ein neues System, zur Regelung der Hochschulzulassung und Reform des BAC (dem französischen Abitur) eingeführt. Mit der Reform des BAC, baut der Unterricht vor allem auf einem Kurssystem mit Spezialfächern, statt das vorher übliche Klassensystem auf.

Dies ist unter anderem eine der Ursachen für die langen Schultage, welche durchaus auch mehrstündige Pausen beinhalten. Eine 2024 für das Institut Montaigne durchgeführte Untersuchung ergab, dass 77 Prozent der befragten Jugendlichen angaben, durch Parcoursup gestresst zu sein, während 21 Prozent seine Abschaffung wünschten.

Doch die Proteste finden nicht überall Unterstützer:innen. Gerade Anhänger:innen des faschistischen Rassemblement National, der aktuell stärksten Partei Frankreichs, äußern sich feindlich gegenüber der Mobilisierung der Jugendlichen. Dabei thematisieren diese vor allem die Gewalt an einzelnen Orten wie eine brennende Schule in Lyon oder einen verletzten Feuerwehrmann, welcher eine Blockade löschen wollte.

Dabei nutzen sie auch rassistische Argumente. Die Wut der protestierenden Schüler:innen wird dabei auf deren Wurzeln und Migrationshintergrund geschoben.  Auch Stimmen, welche es zwar legitim finden zu protestieren, jedoch für die Gewalt die Schüler:innen verantwortlich sehen, lassen sich häufig in den medialen Debatten Frankreichs finden.

Abgerissener Arm von 15-jährigem

Doch auch die Polizeigewalt gegen die Blockaden ist enorm. Besonders geht sie dabei von meist vermummten Zivilpolizist:innen aus. So warfen sie Granaten in die Masse oder fuhren mit dem Auto Pfefferspray sprühend in die Blockade. Gerade der Einsatz von Pfefferspray und Tränengas gegen friedliche Blockaden stößt auf viel Kritik. Auch Pferde wurden zur Räumung von Blockaden eingesetzt.

Den vorläufigen Höhepunkt markiert ein Fall aus Lens von Montagvormittag. Dort wurde nach ersten Medienberichten und kursierenden Videos durch eine Blendgranate der Polizei der Unterarm und Hand abgerissen.

Unter einem anderen Video kommentiert ein Nutzer, welcher besagt, dass „das Geld was für die Polizei und deren Munition in den letzten Tagen verschwendet wurde, ausreichend gewesen um die Hälfte der Oberstufenschulen ausreichend zu finanzieren.“

Stellenabbau trotz Lehrer:innenmangel geplant

Am 2. Oktober 2026 veröffentlichte die neoliberale Pariser Regierung den geplanten Haushalt für das Jahr 2027. In diesem sind weitere Kürzungen für die Bildung vorgesehen. Rund 1600 Stellen im Bildungsbereich sollen gestrichen werden und das obwohl jetzt schon häufig Aufsichtspersonal, Krankenpersonal an Schulen oder Lehrer:innen fehlen.

Frankreichs neoliberale Regierung um Präsident Emmanuel Macron besitzt im Parlament keine Mehrheit um den Haushalt allein zu beschließen. Gerade mit Blick auf Präsidentschaftswahl 2027 und den zu erwartenden massiven Mobilisierungen, ist es also unwahrscheinlich, dass es von den Oppositionsparteien Zustimmung für die Kürzungen geben wird.

Schulblockaden sind in Frankreich kein unübliches Mittel. Bereits November 1990 gab es eine ähnliche Mobilisierung, mit den gleichen Forderungen. Am 12. November 1990 demonstrierten Zehntausende Jugendliche. Damals folgten rund 4,5 Milliarden zusätzliche Ausgaben des französischen Staates sowie die Schaffung von Schüler:innenräten.

Ende 2018 unterstützten Schüler:innen mit den (Teil-)Blockaden von über 450 Schulen die damalige „Gelbwesten“ Bewegung. Auch während der Corona-Pandemie wurden Schulen blockiert. Damals kritisierten die Schüler:innen unzureichende Schutzmaßnahmen. Auch seit dem Beginn des Genozids in Gaza gab es immer wieder Proteste und Blockaden von Schulgebäuden in Solidarität mit Palästina.

Kämpfen wie die Jugend in Nepal, Indonesien und Deutschland?

Französische Gen-Z Proteste?

Eine kämpferische Jugendbewegung dürfte durchaus eine Gefahr für den französischen Staat bedeuten. Denn dass Jugendbewegungen erfolgreich darin sein können, Regierungen zu stürzen, zeigte vor kurzem die Jugend in Nepal. Nach den sogenannten „Gen-Z Protesten“ rief die Regierung Neuwahlen aus.

In diese Proteste reihen sich auch die aktuellen Proteste in Frankreich ein. Zwar können diese viele Jugendliche mobilisieren, sind jedoch laut der kommunistischen Organisation „Reconstruction Communiste“ geprägt von einer „politischen Leere, die unter der französischen Jugend herrscht.“

So finden sich auf den Streiks immer wieder Bezüge zu Kampf gegen Rassismus, gegen die schlechten Schulbedingungen oder zu internationalen Kämpfen. Jedoch meist ohne dabei die Systemfrage auch außerhalb des Bildungssystems zu stellen.

Ein weiterer kommender Protesttag ist am 17. Oktober angekündigt. Während dieser Tag zuerst vor allem in den Sozialen Netzwerken ausgerufen wurde, griffen große Gewerkschaften wie CGT dieses Datum auf und riefen zu Demonstrationen mit wohl hunderttausenden Teilnehmer:innen, auf.

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Source: Perspektive Online