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Fast vier Millionen Menschen können sich Strom und Gas nicht mehr leisten
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Knapp vier Millionen Menschen in Deutschland lebten 2025 in Haushalten mit Zahlungsrückstand bei Versorgungsrechnungen. Im Zuge der weiteren Energiepreisexplosionen dürfte die Zahl der Zahlungsrückstände in diesem Jahr deutlich steigen.
3,8 Millionen Menschen lebten 2025 in Deutschland in Haushalten die bei ihren Versorgungsbetrieben in Zahlungsverzug waren, so teilte das Statistische Bundesamt am Montag in einer Pressemitteilung mit. Die Angaben beruhen dabei auf Selbsteinschätzungen der Haushalte und wurden von der europäischen Statistikbehörde im Rahmen der „European Union Statistics on Income and Living Conditions“ (dt. EU-Statistik zu Einkommen und Lebensbedingungen) erhoben.
Damit geht aus dieser Statistik hervor, dass im letzten Jahr 4,6 Prozent der deutschen Gesamtbevölkerung Zahlungsrückstände beispielsweise bei Strom- oder Gasanbietern hatten. Im Vergleich zu 2024 ist dies zwar ein leichter Rückgang von 0,4 Prozentpunkten, aber immer noch auf einem hohen Niveau.
Ein besonderer Unterschied liegt hierbei zwischen Haushalten im Mietverhältnis und Eigentumshaushalten. Bei Mieter:innen sind mit 5,8 Prozent überdurchschnittlich viele Haushalte im Zahlungsverzug, bei Eigentümer:innen sind hingegen nur 3,3 Prozent von derartigen Zahlungsschwierigkeiten betroffen.
Wohnnebenkosten weiterhin auf hohem Niveau
Gründe für die hohe Anzahl an Haushalten, die ihre monatlichen Versorgungsrechnungen teilweise nicht mehr begleichen können, liegen sowohl in den hohen Wohnungsnebenkosten als auch in den steigenden Energiepreisen.
Die Statistik des Statistischen Bundesamtes rechnet die prozentuale Entwicklung beider Preiskurven ausgehend vom Januar 2020. Es zeigt sich, dass die Wohnungsnebenkosten seit dem Stichmonat bis zum August 2026 um mehr als 45 Prozent angestiegen sind. Der Preishöhepunkt lag im Januar 2023 sogar bei rund 57 Prozent über dem Ausgangswert.
Seitdem haben sich die Durchschnittskosten zwar stabilisiert und sind sogar leicht zurückgegangen. Trotzdem darf nicht außer Acht gelassen werden, dass die Nebenkosten im Vergleich zu 2020 um fast die Hälfte gestiegen sind. Ursachen hierfür sind steigende kommunale Gebühren und höhere Lohnkosten. Beispielsweise erhöhen sich die Gebühren für Trinkwasser und Abwasser jährlich.
Gaspreise steigen, Inflation zieht an – doch ihre Krise zahlen wir nicht!
Energiepreise steigen kontinuierlich
Hinzu kommen die seit 2020 stetig ansteigenden Energiepreise. Vor allem seit dem Energiepreisschock im Jahr 2022 infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine sind markante Preissteigerungen wahrzunehmen, da günstige Gaslieferungen aus Russland ausblieben.
Der Gaspreis ist aber nicht der einzige Parameter für die Energiekosten. Strom, Heizöl, Fernwärme oder feste Brennstoffe wie Holz und Kohle beeinflussen die Haushaltsenergiepreise ebenfalls. Im Vergleich zum Januar 2020 hat sich der Energiepreis um 22,7 Prozent erhöht.
Zwar wurde in den vergangenen mehr als sechs Jahren immer wieder versucht, dem Preisanstieg entgegenzusteuern. Doch unterschiedliche Maßnahmen – beispielsweise die Dezember-Soforthilfe für Erdgas 2022 oder eine temporäre Mehrwertsteuersenkung – sorgten nur für eine kurze Preisstabilisierung. Über die letzten fünfeinhalb Jahre stiegen die Energiepreise trotz der versuchten Maßnahmen kontinuierlich an.
Enorme Preissteigerungen wegen Iran-Krieg
Derzeit sorgt vor allem der Iran-Krieg für noch weitere Preisexplosionen. Da dieser erst Anfang diesen Jahres durch einen amerikanisch-israelischen Angriff begann, fließen die daraus resultierenden Preissteigerungen nicht auf diese Erhebung ein. Da sich die Energiepreissteigerungen im Zuge des Krieges erneut beschleunigt haben, ist mit einer noch höheren Zahl von Haushalten im Zahlungsverzug zu rechnen.
Zumal die Belastungsprobe erst bevorsteht. Vor allem im Winter sind die meisten Menschen in Deutschland auf Gas oder Heizöl angewiesen. Dementsprechend besorgniserregend ist die Meldung, dass die deutschen Gasspeichervorräte gerade einmal zu 53 Prozent gefüllt sind, was einen historischen Tiefpunkt darstellt. Auch dies ist teilweise auf den Iran-Krieg zurückzuführen: Im Normalfall pokern die Gasspeicherbetreiber:innen auf niedrige Gaspreise im Sommer, um dann im Winter zu profitieren.
Die niedrigen Speicherstände tragen wiederum zu einer Explosion der Gaspreise bei. Innerhalb der letzten drei Wochen trat eine Verteuerung um bis zu 40 Prozent ein. Diese enormen Anstiege haben auch eine weitere besorgniserregende Nebenwirkung. Die Inflationsrate erhöhte sich im diesjährigen August um 0,6 Prozentpunkte auf 2,9 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Derartig düstere Entwicklungen werden die Menschen direkt in der Haushaltskasse treffen.
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Source: Perspektive Online