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Ed Sheeran steht auf der Seite der Unterdrücker – und alleine auf der Bühne

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Aufgrund Macklemores palästinasolidarischer Haltung hat Ed Sheeran den Rapper von seiner US-Tour ausgeschlossen. Alle Voracts sowie die Band haben nun aus Solidarität den Rest der Tour abgesagt. Für sie ist klar, dass es keine Neutralität in dieser Frage gibt. – Ein Kommentar von Bruno Schüller.

In den vergangenen Wochen begann Ed Sheeran, seine groß angelegte Tour mit knapp 30 Konzerten in den USA zu spielen. Als Support wurde dafür unter anderem der Rapper Macklemore angekündigt. Dieser ist durch Hits wie „Thrift Shop“ oder „Can’t Hold Us“ Anfang der 2010er bekannt geworden und gilt als langjähriger Freund des irischen Pop-Sängers.

Macklemore ist außerdem dafür bekannt, dass er sich in den vergangenen Jahren immer wieder offen gegen den Völkermord und die Besatzung Israels in Palästina positioniert hatte. So nutzte er Anfang September zu Beginn der Tour auch die Bühne des MetLife-Stadions in New York, um seine Solidarität mit den Palästinenser:innen zu bekunden.

Mehrfach hielt er die Besucher:innen dazu an, gemeinsam ein Zeichen der Solidarität zu senden und mit ihm „Free Palestine“ zu rufen. Außerdem spielte er sein Lied „Hind’s Hall“, welches im Kontext der pro-palästinensischen Proteste an der Columbia-Universität erschienen ist. Macklemore erklärte während seines Auftritts, dass er die Einladung Ed Sheerans auch angenommen hatte, weil er so bei den Besucher:innen ein Bewusstsein für das Leid der Palästinenser:innen in Gaza und der Westbank schaffen wolle.

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Hetzkampagne gegen Macklemore

Durch seine offene Solidarisierung mit dem palästinensischen Volk geriet der Rapper schon mehrfach ins Visier der US-amerikanischen Öffentlichkeit und auch diesmal ließen öffentliche Diffamierungen nicht lange auf sich warten.

Die Organisation StopAntisemitism, die in den vergangenen drei Jahren verstärkt gegen pro-palästinensische Aktivist:innen und Privatpersonen vorgegangen ist und diese als Hamas-Unterstützer:innen anprangert, warf Macklemore in einem Instagram-Beitrag vor, anti-israelische Propaganda zu verbreiten. Auch die Sängerin Pink unterstützte den Beitrag und verbreitete diesen unter ihren Follower:innen.

Infolge der öffentlichen Auseinandersetzung eröffnete das Israeli-American Council (IAC) – eine Organisation, die sich für die enge Zusammenarbeit zwischen Israel und den USA einsetzt – eine Petition. In dieser wurde Ed Sheeran dazu aufgefordert, Macklemore von seiner Tour zu entfernen.

Veranstalter sorgen für Ausschluss des Rappers

In einem Statement gegenüber dem Rolling Stone veröffentlichte die Messina Touring Group, der Veranstalter der Ed-Sheeran-US-Tour, dass die Veranstaltungsorte der kommenden Konzerte angekündigt hatten, dass sie einen Auftritt Macklemores nicht dulden werden. In Rücksprache mit Verantwortlichen beschlossen wurde, dass der Rapper auf den kommenden Konzerten nicht auftreten wird.

Dem vorausgegangen war, laut Macklemore, eine Kampagne des US-amerikanischen Kapitalisten und Milliardärs Robert Kraft. Dieser besitzt unter anderem das Gillette Stadium in Foxborough, in dem Ende September zwei Konzerte der Tour stattfinden werden.

So soll Kraft gegenüber Ed Sheeran ein Ultimatum geäußert haben. Gemeinsam mit anderen Eigentümer:innen von Veranstaltungsorten soll der Ausschluss Macklemores gefordert worden sein. Ansonsten dürften die Konzerte nicht stattfinden.

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Ed Sheeran bricht sein Schweigen – oder doch nicht?

Am 15. September veröffentlichte Ed Sheeran ein Statement auf Instagram. In diesem weist er die Schuld für den Rauswurf Macklemores von sich und erklärt, dass die Entscheidung von den Veranstaltern und Eigentümer:innen der Veranstaltungsorte getroffen wurde.

Neben der Frage danach, wer den Ausschluss Macklemores zu verantworten habe, schaffte es Ed Sheeran gekonnt, sich aus der Verantwortung für ein eigenes Statements zu ziehen. So merkt er an, dass er seine eigene Reichweite nicht für politische Äußerungen nutzt und ruft dazu auf, verschiedenen Ansätzen Raum zu geben, die sich den Frieden als Ziel setzen.

Zum einen versucht sich der Sänger vollends aus der Verantwortung für seine eigene Tour zu ziehen. Auf der anderen Seite hat er natürlich Recht damit, dass diese Entscheidung nicht von ihm selbst getroffen wurde. Jedoch verpasste der Weltstar hier eine entscheidende Möglichkeit, seine gleichgültige Haltung zum Völkermord an den Palästinenser:innen aufzubrechen und sich solidarisch an die Seite des palästinensischen Volkes sowie seines langjährigen Kollegen zu stellen.

Heuchlerisch wird das Statement von Ed Sheeran besonders dann, wenn man sieht wie er sich in der Vergangenheit zu anderen politischen Themen verhielt. Zum Krieg in der Ukraine äußerte er sich mehrfach, rief zu Spendenkampagnen auf oder posierte auf Fotos zur Unterstützung. Seine vermeintliche Neutralität gilt also nur dann, wenn er damit in einen Widerspruch zu den Interessen des EU- oder US-Imperialismus begibt.

Musiker:innen beweisen Rückgrat

Nachdem die Entscheidung über Macklemores Ausschluss an die Öffentlichkeit gelangte, erklärten sich jedoch auch viele Musiker:innen solidarisch mit dem Rapper. So verließen auch die Musiker:innen Finneas, Lukas Graham und Aaron Rowe, die als Unterstützung für die kommenden Konzerte angekündigt waren, Ed Sheerans Tour.

Auch die Begleitband Ed Sheerans erklärte, auf den anstehenden Konzerten nicht zu spielen. Nun wird der irische Pop-Sänger wohl alleine auf der Bühne stehen müssen. In seinem Statement lenkt Lukas Graham noch einmal die Aufmerksamkeit auf die Kapitalist:innen, die ausschlaggebend für den Ausschluss Macklemores waren. So schreibt er: „Geld gibt dir nicht das Recht, den Diskurs zu bestimmen.“

Auch Aaron Rowe konzentriert sich in seinem Statement auf die Eigentümer:innen der Veranstaltungsorte. So erklärt der Künstler: „Ich kann nicht tatenlos zusehen, wie Milliardäre ihre Machtposition ausnutzen, um die berechtigten Stimmen derer zum Schweigen zu bringen, die sich gegen den israelischen Völkermord und dessen Grausamkeit aussprechen.“

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Bezeichnend für die Statements ist, dass sie sich nicht gegen Ed Sheeran als Person oder seine gleichgültige Haltung richten. Viel eher versuchen die Musiker:innen, ihre persönlichen Beziehungen mit dem irischen Pop-Sänger hervorzuheben und ihn aus der Verantwortung zu ziehen. Eine gemeinsame Absage der gesamten Tour kam für Ed Sheeran wohl nicht infrage, aller Wahrscheinlichkeit nach wird er die Tour am 19. September in Philadelphia fortsetzen.

Macklemore kündigte jedoch an, dass er all seine Einnahmen aus der Tour – also rund eine Millionen Dollar – an palästinensische Organisationen zu spenden. Zudem rief er Ed Sheeran und Robert Kraft dazu auf, es ihm gleich zu tun. Die beiden erklärten darauf, jeweils zwei Millionen Dollar an Organisationen zu spenden, die sich in der „Region“ helfen würden. Das Geld wird also vermutlich an israelische Organisationen gehen.

So großzügig die Spende von Macklemore auch scheint, an seinem riesigen Vermögen ändert das jedoch wenig. Und auch wenn er in den letzten Jahren durch seine politische Haltung – die tatsächlich sehr fortschrittlich ist und sich auch oft gegen das kapitalistische System als Ursache richtet – einige Deals verloren hat, so hilft ihm wiederum genau diese Profilierung zu seinem Erfolg und Millionen-Einkommen als Musiker.

Trotzdem bringt Macklemore auch Ed Sheerans falsche Haltung auf den Punkt und erklärt in seinem Statement: „Aber es gibt keine neutrale Position zwischen dem Unterdrücker und den Unterdrückten. Wenn eine Seite die Bomben und uneingeschränkte finanzielle und militärische Unterstützung der USA hat, bedeutet es nicht, dass man in der Mitte steht, wenn man sich weigert, Partei zu ergreifen.“

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Nicht der erste und nicht der letzte Angriff

Dass öffentliche Diffamierungen und offene Repression gegen palästinasolidarische Aktivist:innen keine Ausnahme darstellen, hatte sich in den vergangenen Jahren unzählige Male gezeigt. Ob auf Demonstrationen oder in den Medien: Die offene Positionierung gegen den Völkermord und die Unterdrückung der Palästinenser:innen wird seit Jahren öffentlich skandalisiert.

Jüngst zeigte das auch ein Vorfall in Deutschland. Bei einem Auftritt des Rappers Dahabflex auf einer Wahlkampfveranstaltung der Linkspartei in Berlin hatte sich dieser gegen die Unterdrückung der Palästinenser:innen geäußert und Parolen wie „Yallah Yallah Intifada – Westbank, Palästina, Gaza“ oder „Death, death to the IDF“ gerufen – Also Aufrufe dazu, den Völkermord und die Unterdrückung in Palästina zu beenden.

Im Zuge dessen hatte es von unzähligen Medienhäusern öffentliche Hetze gegen den kurdischen Rapper gegeben, und ihm wurde Antisemitismus sowie offener Judenhass unterstellt. Nun ermittelt sogar die Berliner Polizei gegen den Künstler.

Der öffentliche Umgang mit Israel

Konträr dazu steht der öffentliche Umgang mit dem israelischen Apartheidsstaat. Immer wieder bekommt dieser bei internationalen Veranstaltungen den Rücken gedeckt. Beispielhaft dafür ist die Teilnahme Israels am Eurovision Song Contest, einem internationalen Musikwettbewerb, der in den letzten Jahren zum Schauplatz politischer Auseinandersetzungen geworden ist.

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Nach dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine wurde das Land 2022 von der Teilnahme ausgeschlossen. Israel, das im Oktober 2023 den Völkermord am palästinensischen Volk begann, durfte auch in den vergangenen drei Jahren an dem Wettbewerb teilnehmen. Außerdem wurden öffentliche Protestaktionen skandalisiert und pro-palästinensische Aktivist:innen festgenommen. In Reaktion auf die Teilnahme Israels hatten in diesem Jahr mehrere Länder ihre Teilnahme an der Veranstaltung zurückgezogen.

Die Haltung der Herrschenden im Umgang mit palästinasolidarischen Künstler:innen zeigt immer wieder aufs Neue auf, wie Stimmen, die sich gegen imperialistische Kriege stellen, kleingehalten werden sollen. Allein die Solidarisierung mit dem palästinensischen Volk sowie die Forderung nach dem Ende der Unterdrückung und Apartheid werden zum Anlass genommen, um gegen die Bewegung zu hetzen und ihr plakativ Antisemitismus vorzuwerfen. Das jüngste Beispiel rund um Ed Sheerans Tour wird dabei wohl nicht das letzte Mal gewesen sein, dass das konsequente Einstehen gegen Völkermord zu öffentlicher Ausgrenzung und Hetze führt.

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Source: Perspektive Online