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Dänemark: Polizei attackiert Pressefotografen bei migrationsfeindlichen Protesten
Ein virales Video zeigt, wie die dänische Polizei gezielt zwei Journalisten mit Schlagstöcken attackiert. Die Pressefotografen wollten migrationsfeindliche Proteste dokumentieren, bei denen sich erneu
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Ein virales Video zeigt, wie die dänische Polizei gezielt zwei Journalisten mit Schlagstöcken attackiert. Die Pressefotografen wollten migrationsfeindliche Proteste dokumentieren, bei denen sich erneut zahlreiche Neonazis beteiligten. Führende dänische Journalisten sprechen von einem „Angriff auf die Pressefreiheit“ und fordern juristische Konsequenzen.
Auf einem in den sozialen Medien verbreiteten Video ist zu sehen, wie zwei dänische Polizisten zwei Pressefotografen mit Schlagstöcken traktieren. Einer der beiden Journalisten ging in Folge der Schläge zu Boden, das Video selbst war zuvor vom türkischen Nachrichtensender TRT World verbreitet worden.
Die Fotografen selbst berichteten vor Ort von migrationsfeindlichen Protesten. In dem Clip ist zu sehen, wie die dänische Polizei versucht, antifaschistische Demonstrierende vom Geschehen zurückzudrängen.
Migrationsfeindliche Bewegung mit großer Neonazi-Beteiligung
Die Organisator:innen der rechtsradikalen Bewegung „Det Dansk Folk“ (Das dänische Volk) mobilisierten am Samstag, den 17. Oktober in Kopenhagen zu einer Demonstration für sogenannte „Remigration“. Der Protest, der um 14 Uhr begann, wurde mit Transparenten und Schildern von Teilnehmer:innen begleitet. Slogans wie zum Beispiel „fairer und realistischer Remigration“ und „gegen den Nationalsozialismus, den Kommunismus und die Islamisierung“ waren im Demonstrationszug zu sehen.
An der Demonstration nahmen schätzungsweise 1.400 Menschen teil. Dem antifaschistischen Recherchekollektiv Redox zufolge handelte es sich bei dem Protest um die „größte rechtsextreme Demonstration in Dänemark seit dem Zweiten Weltkrieg“. Wie schon bei Protesten von „Det Dansk Folk“ im September beteiligten sich auch diesmal zahlreiche Neonazis an den Protesten. In Redebeiträgen wurde dazu aufgefordert, „Muslime auf Inseln“ zu isolieren, ein anderer Teilnehmer skandierte wohl den Hitlergruß.
Die Demonstration wurde dabei von antifaschistischen Gegenprotesten begleitet. Diese wurden unter anderem getragen von einer Nichtregierungsorganisation namens Mino Danmark, die sich für die gesellschaftliche Teilhabe und die Stimmen von dänischen Staatsbürger:innenn mit ethnischem Minderheitenhintergrund einsetzt. Die Organisation konzentriert sich besonders auf die jüngere Generation, insbesondere auf die Nachkommen von Einwanderern.
Andere Organisationen wie „Netzwerk für Vielfalt“ beteiligten sich an dem Protest und so formierte sich eine große antifaschistische Gegenantwort im Zuge des Nachmittags. Im Zuge dessen setzte die Kopenhagener Polizei Schlagstöcke und Pfefferspray ein, um Gruppen zurückzudrängen und Personen festzunehmen. Mindestens acht Menschen wurden dabei kurzzeitig verhaftet.
Körperlicher Angriff auf Journalisten – Fotograf muss ins Krankenhaus
Im Zuge dessen wurden zwei Journalisten körperlich attackiert. Ein Pressefotograf (Thomas Borberg) von der führenden Tageszeitung Politiken stand laut Augenzeugen und Videoaufnahmen abseits des Geschehens an einer Wand am Højbro Platz, um die Situation zu dokumentieren. Trotz seiner professionellen Kameraausrüstung wurde er von Beamten mehrmals heftig mit einem Schlagstock getroffen.
Seine Kamera wurde dabei komplett zertrümmert und er musste in einer Notaufnahme im Krankenhaus behandelt werden. Videoaufnahmen zeigen laut Chefredaktion von Politiken, dass Borberg bereits im Begriff war, sich zu entfernen, als der letzte Schlag erfolgte.
Reporter ohne Grenzen: Bericht zeigt zunehmende Einschränkungen der Pressefreiheit weltweit
Bei Anthon Unger, dem anderen verletzten Journalisten, handelt es sich auch um einen Pressefotografen. Er berichtet für die in Dänemark bekannte Boulevardzeitung Ekstra Bladet. Er wurde ebenfalls gezielt mit einem Schlagstock auf den Arm geschlagen. Laut dem Chefredakteur von Ekstra Bladet zeigen Videoaufnahmen deutlich, dass der angreifende Polizist die Kamera des Fotografen und seinen sichtbaren Presseausweis vor dem Schlag registriert haben muss. Bei einem Interview des Online-Nachrichtenportal NordiskPost sagte Anthon Unger: „Ich kann es nicht als etwas anderes sehen als einen Versuch der Polizei, die Presse an ihrer legitimen Arbeit zu hindern“.
Journalisten fordern juristische Folgen
Christian Jensen, Chefredakteur von Politiken, verurteilte den Vorfall als „schweren Angriff auf die Pressefreiheit“. Er betonte, dass es die demokratische Aufgabe der Medien sei, auch die Ausübung staatlicher Gewalt zu dokumentieren. Die Polizei dürfe die Presse nicht zu ihrem Gegner machen.
Beide Zeitungen reichten formelle Beschwerden ein. Die Kopenhagener Polizei wies darauf hin, wie schwierig solche unübersichtlichen Einsätze seien, übergab den Fall aufgrund des öffentlichen Drucks und vorliegender Videoaufnahmen jedoch umgehend an die unabhängige Ermittlungsbehörde (DUP). Auf der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen belegt Dänemark aktuell den vierten Platz von 180 Ländern.
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