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Wirtschaftskooperation | Mittelmächte auf der Suche nach verlässlichen Regeln
Deutschland soll weniger abhängig von China werden. Der Bundeskanzler wird bei seiner Asienreise in Japan fündig, in Südkorea vermutlich auch.
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Kanzler Friedrich Merz und Japans Premierministerin Sanae Takaichi Foto: dpa/Kay NIetfeld Als Friedrich Merz in der japanischen Hauptstadt eintraf, dauerte es nicht lange, bis die Zwillingstürme des Tokioter Rathauses in untypischen Farben leuchteten. Schwarz-rot-gold wurde das imposante Bauwerk angestrahlt – ein Willkommensgruß, der sagen sollte: In Japan steckt auch eine Menge Deutschland. Tagsüber wurde klar: Im ostasiatischen Land wünscht man sich, dass sich die »Wertepartnerschaft« zwischen Tokio und Berlin noch deutlich weiter ausbaut. Auf allen möglichen Ebenen.
Japan dürfte der Höhepunkt der Asienwoche des deutschen Kanzlers gewesen sein, die ihn nach einem eintägigen Stopp in Singapur am Mittwoch nach Japan führte, eher er tags darauf weiter nach Südkorea reiste. Jedenfalls ist die Zahl der Vereinbarungen, die in Tokio vorgelegt wurde, beeindruckend: 30 Abkommen wurden zwischen den Staaten, Unternehmen und weiteren Institutionen der zwei Länder abgeschlossen, auch eine gemeinsame Erklärung zu ökonomischer Sicherheit wurde verlesen.
Die privaten Abkommen umfassen Vereinbarungen zur Zusammenarbeit in Forschung und Entwicklung in so unterschiedlichen Bereichen wie Rüstung, Fusionsenergie, Raumfahrt und Krebsmedizin. Hinzu kommen Vorhaben, den bilateralen Austausch im Universitätssektor weiter zu stärken. Der klare Wunsch: Japan und Deutschland – zurzeit die dritt- und viertgrößte Volkswirtschaft der Welt – sollen noch deutlich enger zusammenwachsen, wie Premierministerin Sanae Takaichi betonte.
Dieser Wunsch durchzieht auch das Statement zu ökonomischer Sicherheit: »Wir sind davon überzeugt, dass Japan und Deutschland ›Premium-Partner‹ mit unverzichtbaren komplementären Stärken sind. Sie sind in einzigartiger Weise dazu positioniert, die Zusammenarbeit im Bereich wirtschaftlicher Sicherheit zu fördern – mit dem Ziel, ein freies, offenes und faires internationales Wirtschaftsumfeld zu wahren und die kollektive Resilienz und verlässliche Lieferketten unter gleichgesinnten Partnern zu sichern.« Konkret soll das bedeuten, in Sachen Förderung Seltener Erden zu kooperieren, die für alle möglichen Elektroprodukte benötigt werden. Gerade für die Autobranche – die in beiden Ländern als Schlüsselsektor gilt – soll auf dieser Ebene zusammengearbeitet werden. Und falls wirtschaftliche Abhängigkeiten von einem anderen Staat »instrumentalisiert« würden, wollen sich Deutschland und Japan hierzu künftig rasch Informationen austauschen.
In Tokio warb Merz für eine neue globale Allianz für regelgebundenen Handel. Singapur und Japan sind ebenfalls dafür.
Von welchem Staat, wird zwar nicht erwähnt, ist aber unmissverständlich klar: China. Vor allem Deutschland genoss über viele Jahre die hohen Exporte in die Volksrepublik, übersah dabei aber, dass man sich wegen Verpflichtungen zu Wissenstransfers allmählich in eine Abhängigkeit von China begeben hatte. Heutzutage sind chinesische Unternehmen in vielen Bereichen konkurrenzfähig oder gar führend geworden. In Tokio hat man hiervor schon lange gewarnt; Berlin bekam das erst kürzlich mit.
Die Reise von Friedrich Merz zeigt aber, dass ein Umdenken begonnen hat. Der sogenannte China-Schock 2.0, der durch Pekings Industriepolitik rund um Preisdumping durch Überkapazitäten angetrieben ist und in Deutschland zahlreiche Schlüsselsektoren stark belastet, lässt in der Regierung Alarmglocken läuten. Japans Regierungsvertreter versuchen seit Längerem – auch wegen chinesischer Territorialansprüche im Indopazifik –, die Haltung zu China zu überdenken.
Deshalb warb der CDU-Politiker bei seinem ersten Stopp am Dienstag im Stadtstaat Singapur mit einem Beitritt der EU zum Freihandelsabkommen CPTPP, dem zwölf Staaten und 600 Millionen Menschen angehören, darunter jene aus Australien, Chile, Großbritannien und Kanada. Singapurs Premier Lawrence Wong unterstützt den Plan. In Tokio warb Merz für eine neue globale Allianz für regelgebundenen Handel. Singapur und Japan sind ebenfalls dafür.
Ein dritter Staat, bei dem man mit solchen Ideen prinzipiell auf Zustimmung stößt, ist Südkorea. In Seoul trifft Merz zunächst den Präsidenten Lee Jae-Myung. Auch hier herrscht das Verständnis vor, dass man sich als Mittelmacht mit anderen Staaten zusammentun und verlässliche Regeln etablieren muss, die für alle gelten. Ähnlich wie Japan und Deutschland ist Südkorea Exportnation. Ein Bereich, in dem sich der bilaterale Austausch bereits intensiviert, ist die Rüstung: Hier ist das südostasiatische Land, das sich seit Jahrzehnten formal im Kriegszustand mit Nordkorea befindet, über die vergangenen Jahre zu einem der größten Exporteure der Welt aufgestiegen. Der Rüstungsgigant Hanwha plant zurzeit, eine Munitions- oder Waffenfabrik in Deutschland zu erreichen. Mehrere bilaterale Kooperationsprojekte laufen.
Ein weiteres Feld, auf dem Deutschland auf Know-how aus Südkorea angewiesen ist, ist die Künstliche Intelligenz. Die südkoreanische Regierung gab vergangenes Jahr das Ziel aus, zu einem der drei größten KI-Player der Welt aufzusteigen, insbesondere bei Industrieproduktionsprozessen. Laut der International Federation of Robotics hat Südkorea mit 1220 Industrierobotern pro 10.000 Fertigungsjobs bereits die höchste Roboterdichte der Welt. Deutsche Unternehmen suchen hier Kooperationen.
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