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Weltmarkt | Globaler Süden profitiert kaum von seiner Biodiversität
UN-Organisation fordert, Nutzung und Schutz der Artenvielfalt stärker in den Fokus der weltweiten Handelspolitik zu rücken
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Jute wird vor allem in Südasien hergestellt. Die Einfuhrländer im globalen Norden begrenzen den Handel mit hohen Importzöllen. Foto: IMAGO/Pacific Press Agency Produkte auf der Grundlage der biologischen Vielfalt machen einen erheblichen Anteil des weltweiten Handels aus. So beliefen sich solche Exporte im Jahr 2024 auf fast 3,8 Billionen US-Dollar, wie aus einem aktuelle Bericht der UN-Konferenz für Handel und Entwicklung (Unctad) hervorgeht. Dabei trage der Handel »nicht immer zum Schutz und zur nachhaltigen Nutzung der biologischen Vielfalt bei«.
Bei »biodiversitäts-basierten Exporten« geht es insbesondere um Lebensmittel, Medizinprodukte, Kosmetika, bestimmte Rohstoffe und Baumaterialien. Die Genfer UN-Organisation kritisiert, dass die Vorteile beim Handel mit solchen Produkten sehr ungleich verteilt sind. So entfiel auf die Entwicklungsländer zuletzt nur ein Anteil von etwa 35 Prozent, bei Afrika sind es sogar nur drei Prozent. Dagegen ist Europa mit 49 Prozent der größte Block. »Diese Kluft ist auffällig, zumal in Afrika sowie in Lateinamerika und der Karibik rund zwei Drittel der globalen Biodiversität beheimatet sind«, schreibt die Unctad.
Zölle, Standards und der Zugang zu Finanzmitteln haben laut dem vor Beginn der Weltnaturkonferenz vorgestellten Bericht einen starken Einfluss darauf, wer vom Handel auf der Grundlage der biologischen Vielfalt profitiert. Vor allem Hersteller, die in höherwertige Tätigkeitsbereiche vorstoßen wollten, sähen sich oft mit erheblichen Hindernissen konfrontiert. Als Beispiel nennen die Autoren natürliche Alternativen zu Kunststoffen. Bei Baumwolle, Jute, Hanf und Papier beliefen sich die durchschnittlichen Einfuhrzölle weltweit auf bis zu 16 Prozent.
Handelspolitik kann die globalen Biodiversitätsziele unterstützen.
Der Bereich des nachhaltigen, zertifizierten »Bio-Trades« fristet zwar nach wie vor eher ein Schattendasein auf dem Weltmarkt für biodiversitäts-basierte Exporte, wo zuletzt 3,8 Billionen Dollar jährlich umgesetzt wurden. Allerdings gab es in den vergangenen zwei Jahrzehnten laut den UN-Angaben einen rasanten Anstieg: von 40 Millionen auf zuletzt knapp 50,5 Milliarden US-Dollar. Als positives Beispiel führt der Bericht die Umwandlung landwirtschaftlicher Abfälle in handelbare Produkte an. Im Rahmen eines Projekts in Kenia werden mehr als 3300 Tonnen Ananasblätter in mehr als 100 Tonnen Fasern in Textilqualität und rund 800 Tonnen Kompost umgewandelt.
Handelspolitik kann, so die Unctad-Botschaft, die globalen Biodiversitätsziele unterstützen, indem sie die »nachhaltige Nutzung und Entwicklung der biologischen Vielfalt« fördert. Laut der UN-Organisation, in der anders als in der konkurrierenden Welthandelsorganisation (WTO) die Staaten des globalen Südens dominieren, könne dies nicht ohne staatliche Eingriffe gelingen: Nötig seien eine Steigerung der Produktionskapazitäten, besserer Marktzugang, höhere Wertschöpfung sowie eine faire und gerechte Aufteilung der Vorteile, zudem erschwinglichere Finanzmittel, eine verbesserte Rückverfolgbarkeit und Zertifizierung sowie eine verstärkte Kreislaufwirtschaft. »Zusammen könnten diese Maßnahmen den Entwicklungsländern helfen, mehr Wert aus dem auf Biodiversität basierenden Handel zu schöpfen und gleichzeitig die natürlichen Ressourcen zu schützen, von denen dieser abhängt.«
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