Germany · nd · · 2h
Wahlen | Strausberg ist nicht New York
Deutsch (original) · Read in English ⇄
Auf Wahlplakaten und in Person: Knut Steinkopf (Linke) ist sehr präsent in der Stadt, deren Bürgermeister er werden möchte. Foto: nd/Andreas Fritsche Im Schatten der Berliner Abgeordnetenhauswahl am 20. September wird am selben Tag vor den Toren der Hauptstadt im brandenburgischen Strausberg ebenfalls abgestimmt. Während die Berliner je nach ihrer politischen Einstellung zittern oder hoffen, dass Elif Eralp (Linke) Regierende Bürgermeisterin wird, hat in Strausberg Knut Steinkopf (Linke) die Möglichkeit, neuer Bürgermeister seiner alten Heimat zu werden.
Steinkopf, der in Strausberg aufgewachsen ist, schickt sich so oder so an, mit seiner Familie aus Berlin dorthin zu ziehen, wo seine Eltern immer noch leben. Der Kandidat ist 55 Jahre alt und bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi beschäftigt. Er hat bei der Strausberger Bürgermeisterwahl im Februar die Stichwahl nur knapp verpasst. Es fehlten ihm lediglich 1,3 Prozentpunkte beziehungsweise läppische 147 Stimmen.
Doch wegen einer ungewöhnlich niedrigen Rücklaufquote bei den Briefwahlunterlagen entstand der Verdacht der Manipulation, und deswegen wird die Abstimmung nun wiederholt. Außer Annette Binder (parteilos), die im Frühjahr so dicht vor Steinkopf lag, und ihm selbst verzichten Dennis Panser (AfD) und zwei anderen Kandidaten auf einen zweiten Versuch. Stattdessen haben sich mit dem FDP-Mitglied Robert Krause und dem früheren CDU-Stadtverordneten Stephan Blumenthal zwei neue Einzelbewerber gemeldet. Die Karten werden also neu gemischt und niemand vermag vorherzusagen, wie das Rennen diesmal ausgeht.
Für Steinkopf und seine Unterstützer ist es ein langer Weg. Bereits seit September vergangenen Jahres befinden sie sich im Wahlkampfmodus. 180 Menschen haben sich an der Kampagne beteiligt, davon 104 am Haustürwahlkampf.
Wo sich die Berliner Linke vom New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani inspirieren lässt, beispielsweise bei ihrem Konzept von Kiezkantinen, die Mahlzeiten für drei Euro anbieten sollen, da stellt sich die Frage, ob Steinkopf nicht so etwas wie der Zohran Mamdani von Strausberg werden könnte. Er selbst wehrt schmunzelnd ab: »Den Vergleich finde ich ein bisschen gewagt. Strausberg ist nicht New York.«
Fakt ist: Steinkopf steht für die Idee einer sozialen Stadt. »Ich bin ein Kandidat mit Programm«, versichert der 55-Jährige. Es ist lange überlegt und beraten. Bei den zwei Kandidaten Krause und Blumenthal, die erst kurzentschlossen Bürgermeister werden möchten, kann davon keine Rede sein. »Man muss wissen, woher man kommt und wohin man will«, sagt Steinkopf bei jeder Gelegenheit.
»1500 Euro Miete für drei Zimmer sind zu viel.«
Aus Gesprächen mit Bürgern wisse er, wo der Schuh drückt. »1500 Euro Miete für drei Zimmer sind zu viel.« Mit der städtischen Wohnungsgesellschaft, den Wohnungsgenossenschaften und Mieterinitiativen will er bezahlbare Neuvermietung und Wohnungstausch vereinbaren. Schulen, Kitas und Turnhallen möchte Steinkopf stärker für Sport, Kultur und Begegnung öffnen.
»Ein Bürgermeister muss zuhören, verlässlich handeln und Entscheidungen gemeinsam mit Menschen treffen statt über ihre Köpfe hinweg. Dazu bin ich bereit und bringe das nötige Handwerkszeug mit«, sagt der Kandidat. »In Strausberg darf niemand zurückgelassen werden, wenn wir die Herausforderungen der Zukunft gemeinsam anpacken.«
Zur in Strausberg allgegenwärtigen Bundeswehr positioniert sich Steinkopf klar anders als seine Mitbewerber, die für Aufrüstung sind oder in dieser Frage lavieren. Die 300 Jahre alte Garnisonsstadt sollte »friedenspolitisch ein Level höher kommen«, findet Steinkopf. Das BSW vermeidet es dennoch sorgfältig, eine Wahlempfehlung für ihn abzugeben. Die Anhänger der Wagenknecht-Partei können und müssen für sich selbst entscheiden, wie wichtig ihnen der Frieden ist und ein Bürgermeister mit klarer Haltung dazu.
Die »nd.Genossenschaft« gehört ihren Leser*innen und Autor*innen. Sie sind es, die durch ihren Beitrag unseren Journalismus für alle zugänglich machen: Hinter uns steht kein Medienkonzern, kein großer Anzeigenkunde und auch kein Milliardär.
Dank der Unterstützung unserer Community können wir:
→ unabhängig und kritisch berichten → Themen ins Licht rücken, die sonst im Schatten bleiben → Stimmen Raum geben, die oft zum Schweigen gebracht werden → Desinformation mit Fakten begegnen → linke Perspektiven stärken und vertiefen
Mit »Freiwillig zahlen« tragen Sie solidarisch zur Finanzierung unserer Zeitung bei. Damit nd.bleibt.
Read the full story at the source
Source: nd