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Verkehr | Zug abgefahren für Berliner Taxis am Airport BER

Flughafenexpress der Bahn billiger und schneller als jedes Auto. Landkreis Dahme-Spreewald kündigt Vereinbarung mit dem Land Berlin.

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Ende 2020 demonstrierten Berliner Taxifahrer mit einem Autokorso zum Flughafen BER. Foto: dpa/Soeren Stache Seit Ende 2020 der Berliner Flughafen Tegel geschlossen und der neue Hauptstadtflughafen BER im brandenburgischen Schönefeld eröffnet wurde, dürfen 550 per Losverfahren bestimmte Berliner Taxis an den Taxiständen am BER Fahrgäste aufnehmen. Ihre Erlaubnis gilt jeweils für ein Jahr. Insgesamt sind in Berlin aktuell 6934 Taxis unterwegs.

Die Linke hatte in ihrem Wahlprogramm zur Berliner Abgeordnetenhauswahl am 20. September geschrieben: »Wir werden uns in Verhandlungen mit dem Landkreis Dahme-Spreewald für ein Laderecht aller Berliner Taxen am Flughafen BER einsetzen.« Doch bevor die Partei eine Koalition mit Grünen und SPD aushandeln und ihr Versprechen wahr machen kann, hat der Landkreis Dahme-Spreewald seine 2020 geschlossene Vereinbarung mit dem Land Berlin gekündigt.

Das bedeutet, es dürfen sich ab 1. Januar 2027 überhaupt keine Berliner Taxis mehr in die Schlange am Taxistand des Airports einreihen. Das Recht dazu haben dann nur noch Taxis mit Betriebssitz in der brandenburgischen Gemeinde Schönefeld. Das teilte der Landkreis am Montag mit.

»Die aktuellen Marktbedingungen machen eine Anpassung der bestehenden Regelungen erforderlich«, argumentierte Landrat Sven Herzberger (parteilos). »Mit der Kündigung der Vereinbarung schaffen wir die Voraussetzungen, um die wirtschaftliche Situation der Taxiunternehmen im Landkreis Dahme-Spreewald nachhaltig zu verbessern.«

Bis jetzt können Fahrgäste am BER in bis zu 1100 verschiedene Taxis aus Berlin und Dahme-Spreewald einsteigen. Doch seit Dezember 2025 verkehrt der Flughafenexpress der Deutschen Bahn alle 15 Minuten und benötigt bis Berlin-Hauptbahnhof lediglich 23 Minuten. Er macht dabei noch Station an den Bahnhöfen Südkreuz und Potsdamer Platz.

Das schafft so schnell weder ein Taxi noch irgendein anderer Pkw. Denn für die Autofahrt sind selbst ohne Stau oder zähflüssigen Verkehr bis zu 40 Minuten erforderlich. Ganz zu schweigen vom Preis. Der Fahrschein kostet 5,20 Euro, die Taxifahrt zum Hauptbahnhof 57,50 Euro. Durch die extrem gestiegenen Benzinpreise ist es günstiger kaum noch zu machen.

»Auch wenn wir uns sehr über den Erfolg des Flughafenexpresses freuen, bedauern wir diese Entwicklung sehr.«

Entsprechend niedrig ist die Nachfrage nach Taxifahrten vom BER nach Berlin geworden. Zusätzlich macht dem Taxigewerbe noch die Billigkonkurrenz von Uber-Fahrern zu schaffen und darüber hinaus die Möglichkeit von ankommenden Passagieren, sich am BER einen schnell und unkompliziert verfügbaren Mietwagen beispielsweise von Bolt oder Miles zu schnappen und diesen selbst zu fahren.

Da ist es für die Taxis aus Schönefeld eine Erleichterung, wenn sie sich die Fahrgäste nicht mehr mit den Taxifahrern aus Berlin teilen müssen. Sie alle müssen im Moment am BER zeitweise mehr als drei Stunden warten, bis jemand einsteigt. Die den Taxis aus Dahme-Spreewald durch die bisherige Vereinbarung eingeräumte Möglichkeit, sich in Berlin an einen Taxistand zu stellen und dort jemanden mit zurückzunehmen, haben sie wenig genutzt und sind meistens leer nach Schönefeld zurückgekehrt.

»Auch wenn wir uns sehr über den Erfolg des Flughafenexpresses freuen, bedauern wir diese Entwicklung sehr, da die aktuellen Marktbedingungen auch für das Berliner Taxigewerbe herausfordernd sind«, reagierte Berlins Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) auf die Kündigung der Vereinbarung. Sie erklärte, dass nun bekannter gemacht werden solle, dass Berliner Taxis per telefonischer Funkvermittlung oder App zur Abholung am BER bestellt werden können. Dies solle »durch einen gesicherten Festpreis attraktiv« gemacht werden, so Bonde.

Die Senatsverwaltung will zugleich weitere Gespräche mit dem Landkreis Dahme-Spreewald führen. Dabei soll es auch um die Frage gehen, wie bei Nachfragespitzen zum Beispiel durch Störungen im Bahnverkehr die Verfügbarkeit von Taxis bestmöglich gewährleistet werden könne.

An zu wenig Fluggästen liegt es nicht, dass die Taxis so lange auf Fahrgäste warten müssen. In den Monaten Juli, August und September sind am Airport BER jeweils rund 2,5 Millionen Passagiere gestartet und gelandet. Es waren sogar etwas mehr als im Vorjahreszeitraum, wie aus den Verkehrsberichten der Flughafengesellschaft hervorgeht. Mit großem Andrang ist am 1. November zu rechnen. Denn am 2. November enden in Berlin und Brandenburg die Herbstferien.

Der Taxistreit bewegt den BER seit seiner Eröffnung. Im Oktober 2020 demonstrierten Berliner Taxifahrer mit einem Autokorso vom Flughafen Tegel nach Schönefeld gegen Beschränkungen für die Mitnahme von Fahrgästen. Im März 2026 berichtete der Sender RBB von Berliner Taxifahrern, die keine Lizenz für die Ladezone haben und Passagiere vom Terminal zu ihrem weiter weg geparkten Fahrzeug lockten – teils mit der Behauptung, am Taxistand werde ein höherer Fahrpreis verlangt.

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Originally published bynd
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