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USA/Iran | Die Angst vor der Wahl
Angeblich plant die US-Regierung neue Angriffe gegen den Iran – allerdings erst nach den Zwischenwahlen. In der Golfregion macht man sich große Sorgen.
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Die US-Regierung hat zahlreiche Kriegsschiffe in der Region um den Persischen Golf zusammengezogen. Hier bereitet sich ein Kampfflugzeug des Typus F-35C Lightning II auf einem Flugzeugträger auf den Start vor. Foto: AFP/Navcent Public Affairs/US Navy Während in Europa viele darauf hoffen, dass die Midterms Donald Trumps Macht einschränken und ihn damit milder stimmen könnten, wächst im Nahen Osten die Angst vor genau diesem Wahlausgang.
Eine Schlappe von Trumps Republikanern könnte der Startschuss für einen erneuten Angriff auf den Iran sein, diskutieren TV-Kommentatoren und Experten in arabischen TV-Sendern.
Die Pläne für einen erneuten amerikanisch-israelischen Schlag sind offenbar so gut wie abgeschlossen. Ein möglicherweise oppositioneller Kongress würde erst im Januar tagen und gegen einen Iran-Krieg stimmen können. Zwar hat Trump auch bisher ohne Rücksicht auf die Parlamentarier entschieden, dennoch scheint der Moment für eine Vernichtung des verbliebenen Atomprogramms günstig. Zumindest aus Sicht von Benjamin Netanjahu, der laut Insidern fast täglich im Weißen Haus anrufen soll und öffentlich immer wieder zur Fortsetzung des Krieges gegen das Regime in Teheran aufruft.
Mehr als 20 Kriegsschiffe der US-Navy wurden in den letzten Wochen in der Region zusammengezogen, darunter die Flugzeugträger USS Theodore Roosevelt und USS George H.W. Bush. Zu den Landungseinheiten des amphibischen Angriffsschiffs USS Makin Island gehört ein weiterer Flugzeugträger.
9000 Marines könnten nach einem Angriff auf iranische Energieinfrastruktur und israelische Bombardierungen der Machtzentren des Regimes die Insel Qeschm in der Straße von Hormus und die für den Erdölexport wichtige Insel Kharg angreifen. Schon im Frühjahr wurden auf beiden strategischen Knotenpunkten Bunker der Revolutionsgarden von Langstreckenraketen zerstört. Die Pipelines und Verlade-Infrastruktur für Öltanker blieb hingegen unangetastet.
Denn ein Totalausfall des iranischen Ölexports würde nicht nur die Preise an den Zapfsäulen in der ganzen Welt noch weiter in die Höhe schießen lassen. Die iranische Führung hat bereits für den Fall einer erneuten Attacke die Schließung der Straße von Hormus und eine Ausweitung der Ziele der eigenen Langstreckenraketen angekündigt.
Ein unbegrenzter Krieg mit Beteiligung der Golfstaaten, des Iran, des Jemen und weiter entfernter Länder wäre für die asiatischen Volkswirtschaften ein Horrorszenario. Auf dem afrikanischen Kontinent fürchtet man eine noch größere Knappheit an Düngemittel, die zurzeit in großem Umfang durch die Straße von Hormus importiert werden.
»Ein neuer Iran-Krieg würde das iranisch-arabische Verhältnis zurück in die 80er-Jahre katapultieren.«
»Ein neuer Iran-Krieg würde das iranisch-arabische Verhältnis zurück in die 80er-Jahre katapultieren: eine politische Eiszeit und wirtschaftliche Regression wie während des iranisch-irakischen Krieges«, sagt ein regierungskritischer Journalist aus Teheran dem »nd« am Telefon.
»Netanjahu hat wieder ganz offen den Sturz der iranischen Führung gefordert, Trump spekulierte in seinem Wahlkampf über den Einsatz neuer Waffen auf das angereicherte Uran in den ›Pickaxe‹-Bergen. Teheran hat sich auf diesen Überlebenskampf mit chinesischer und russischer Technik vorbereitet und wird die Königshäuser in Jordanien, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten mit der Ausschaltung von Entsalzungsanlagen und Raffinerien in ernste Probleme bringen.«
Schleichend hat die neue Runde eines regionalen Krieges bereits begonnen. Von fünf großen Explosionen auf der Insel Qeschm berichteten iranische Augenzeugen und US-Offizielle am Dienstagabend auf sozialen Medien. Nur Stunden vor Beginn der Kongresswahlen hat Trump damit seinen Wählern klargemacht, dass die über Katar laufenden Verhandlungen mit dem Iran kein Zeichen von Schwäche sind.
Offiziell schweigen das Weiße Haus und die iranische Führung über die Raketen auf Radaranlagen und Raketenstellungen der Revolutionsgarden. Angeblich waren von Qeschm, der größten Insel im Persischen Golf, zuvor amerikanische Ziele ins Visier genommen worden. Am Montag hatten die Revolutionsgarden in der Straße von Hormus das Frachtschiff MSV Al-Jusufi beschossen. Bei dem vierten Beschuss auf Handelsschiffe in der Meerenge innerhalb von sieben Tagen starb ein indisches Besatzungsmitglied.
Der Chef von Saudi Aramco, dem staatlichen Öl- und Gasriesen aus Saudi-Arabien, hat aufgegeben, auf eine Besserung des amerikanisch-iranischen Verhältnisses zu hoffen. CEO Amin Nasser kündigte den Bau neuer Pipelines an, die die Exportkapazität von Häfen am Roten Meer steigern sollen. In Riad brachten viele Gesprächspartner des »nd« in der letzten Woche viel Wut und Enttäuschung über Trumps Kriegstaktik zum Ausdruck. Kultur- und Sportveranstaltungen und Messen sind auf absehbare Zeit abgesagt.
Vor heimischen Wahlkampfpublikum kontert der US-Präsident Kritik an den gestiegenen Dieselpreisen und der Destabilisierung einer ganzen Region mit lapidaren Kommentaren. Es handle sich um einen »weichen Krieg«, so Trump im Bundesstaat Iowa. »Irans Wirtschaft kollabiert wegen uns.«
Doch weil immer mehr republikanische Wähler auf eine Strategie gegen die steigenden Lebenshaltungskosten und nicht auf einen Krieg gegen den Iran warten, wiegeln auch andere Republikaner wie Außenminister Marco Rubio im Wahlkampf ab: »Nichts ist entschieden«, so Rubio am Sonntag, »Trump bevorzugt eine diplomatische Lösung.«
Doch die nach Doha gereiste iranische Delegation gibt sich offenbar nur wenig kompromissbereit. Offenbar spielt Teheran auf Zeit, auf die Schwächung Trumps durch einen neuen Kongress im Januar. In Saudi-Arabien, Dubai oder Jordanien decken sich viele bereits mit Lebensmittelvorräten ein. Sie fürchten, Trump wird eher Krieg als Schwäche wählen.
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