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USA | Hinters Licht geführt

Bei den Zwischenwahlen erhält US-Präsident Donald Trump die Abrechnung für nicht eingehaltene Wahlversprechen. Seine Anhänger fühlen sich hintergangen.

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So sehen Verlierer aus: Anhänger der Republikaner reagieren bei der Wahlparty des republikanischen Kandidaten Ken Paxton in Dallas geschockt auf die Ergebnisse der Wahl zum US-Senat. Foto: AFP/Ricardo Arduengo »Wütende Wähler leiten das Ende der Ära Trump ein«, fasste die »New York Times« in einer ersten Analyse die »blaue Welle« zusammen, die über Trump und die Republikaner-Partei bei den Midterm-Wahlen am Dienstag hinweggebrochen war. Die Demokraten, denen im politischen Farbenspiel der USA traditionell blau zugedacht wird, eroberten beide Kammern des US-Kongresses zurück. Sie verfügen nach Auszählung der meisten Stimmen über bequeme Mehrheiten von mindestens 228 von 435 Sitzen im Repräsentantenhaus beziehungsweise 54 von 100 Mandaten im Senat.

Zu Recht gelten die Ergebnisse als historische Erdrutschsiege, die jene der Republikaner von 1994 und 2010 noch »deutlich übertreffen«, so die »New York Times«. Damals hatten die Demokraten unter den Präsidenten Bill Clinton beziehungsweise Barack Obama ihre Mehrheiten im Kongress und damit die Kontrolle über ihre innenpolitische Agenda verloren. Für die Rechten waren sie der Startschuss für die »Republican Revolution« und später der Tea-Party-Welle, die schließlich zur Maga-Bewegung wurde: Make America Great Again.

Prognosen hatten schon Wochen vor den Midterms eine »blaue Welle« vorausgesagt. Laut einer Umfrage des Pew Research Center vom Oktober 2026 hatte »die Wirtschaft« für beide politische Lager bei der Kandidatenwahl Priorität: 88 Prozent der demokratischen und 82 Prozent der republikanischen Wähler stuften sie als sehr wichtig ein. In weiteren Umfragen erklärten viele Wähler*innen parteiübergreifend, sie fühlten sich von Trump hinters Licht geführt. Erwartet hätten sie die Erfüllung seiner Wahlversprechen von vor zwei Jahren, etwa dass er die Preise senken und keine neuen Kriege beginnen würde.

Republikaner stimmen zwar der Schließung der Grenzen gegen einen weiteren Zuzug von Migrant*innen zu, kritisieren aber die Razzien und Abschiebungen von Menschen, die großenteils schon seit Jahren in den USA leben und arbeiten. Zudem nannten viele Befragte die Zollpolitik der Trump-Regierung, die die Lebenshaltungskosten spürbar in die Höhe trieben. Sie seien zudem »extrem unzufrieden« mit der Krankenversorgung und dem viel zu teuren Versicherungssystem. Aktuell äußern sich zwei Drittel der registrierten Wähler so, darunter acht von zehn Demokraten und auch jeder zweite Republikaner.  

Eine zwischen dem 22. Oktober und dem Wahltag durchgeführte landesweite Wählerbefragung der Nachrichtenagentur Associated Press unter rund 80.000 Wahlberechtigten zeigt deutliche Verschiebungen in der sozialstrukturellen Zusammensetzung der Wählerschaft. Demnach erklärten rund 70 Prozent der unter 30-Jährigen, sie hätten demokratische Kongresskandidaten gewählt, während diese Altersgruppe 2024 bei der Präsidentschaftswahl gespalten gewesen war. Auch bei den Latinos verloren Trump und die Republikaner an Rückhalt: Während 2024 noch knapp 40 Prozent für Trump votiert hatten, unterstützten nun etwa 69 Prozent demokratische Kandidaten.

»Demokraten holen bei den Wählern aus der Arbeiterklasse auf.«

Selbst in ländlichen Regionen und unter weißen Wählern ohne Hochschulabschluss registrierte die »Washington Post« in einer Wahlauswertung Verschiebungen von teilweise mehr als 15 Prozentpunkten zugunsten der Demokraten in traditionell republikanischen Wählermilieus. In ländlichen Regionen verloren die Republikaner an Rückhalt, weil viele Wähler mit Trumps Wirtschaftspolitik und dem Iran-Krieg unzufrieden waren; die Verschiebung bedeutete jedoch nicht überall, dass die Demokraten dort Mehrheiten errangen.

Hatten Wähler ohne Hochschulabschluss Trump 2024 noch mit mehr als zwölf Prozentpunkten Vorsprung unterstützt, stimmten sie nun knapp für die demokratischen Kongresskandidaten (49 zu 47 Prozent). Bei weißen Wählern ohne Hochschulabschluss blieb zwar eine republikanische Mehrheit bestehen (55 zu 42 Prozent), doch der Vorsprung der Republikaner schrumpfte auf weniger als die Hälfte des Wertes von 2024 – die »Washington Post« fasste diese Entwicklung unter der Überschrift zusammen: »Demokraten holen bei den Wählern aus der Arbeiterklasse auf«.

Eine verstärkte Mobilisierung Schwarzer Wähler, insbesondere in den Südstaaten, war ebenfalls zu beobachten. Sie trug beispielsweise zum Erfolg der Demokratin Annie Andrews bei der Senatswahl in South Carolina bei.

Belastbare Daten zur Wahlbeteiligung, die Aufschlüsse über konkrete Wählerbewegungen von Republikanern zu Demokraten geben, werden in den kommenden Tagen erwartet. Nach Schätzungen der University of Florida beteiligten sich an den Midterms rund 49,4 Prozent der Wahlberechtigten, was knapp unter dem Rekordwert von 2018 (50,05 Prozent) liegt. Eine offene Frage lautet angesichts der »blauen Welle«, ob es sich um eine vorübergehende Protestbewegung gegen Trump handelt, oder ob die Demokraten, einschließlich der Linken unter ihnen, die zurückgewonnenen Latino-, Arbeiter- und Jungwähler dauerhaft an sich binden können.

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Originally published bynd
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