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Transfusionsmedizin | Blutspenden von Älteren willkommen

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Wacken-Fan Victoria spendet auf einem gemeinsamen Termin der Wacken Foundation und des Universitätsklinikums Hamburg Blut. Foto: dpa/Markus Scholz Der Blutspende haftet ein Hauch Heldenhaftigkeit an: Blut wird im Notfall gespendet, um Leben zu retten, so die Vorstellung. Nicht immer handelt es sich aber um akute Notfälle. Insgesamt werden die meisten Blutkonserven in Deutschland im Rahmen von Krebsbehandlungen benötigt. Etliche Krebserkrankungen wie Leukämie, aber auch Chemotherapien schädigen das Knochenmark und unterdrücken die Blutbildung bei diesen Patienten. Auf Platz zwei kommen große Eingriffe bei Herzerkrankungen. Es folgen Magen- und Darmerkrankungen, darunter akute Blutungen im Verdauungstrakt. Erst dann sind Verletzungen und Unfälle mit hohem Blutverlust an der Reihe, für die etwa zwölf Prozent der Blutkonserven gebraucht werden.

In Deutschland werden täglich rund 15.000 Blutspenden benötigt. Einige der daraus abgeleiteten Produkte sind nur begrenzt haltbar, darunter Konzentrate von Blutplättchen (Thrombozyten). Diese können helfen, schwere Blutungen zu stoppen – aber sie müssen innerhalb von wenigen Tagen verbraucht werden. Auch deshalb ist es nicht einfach so, dass auf einen Schlag besonders viele Menschen Blut spenden sollen, sondern »dass die gesamte Versorgungskette flexibel, redundant und krisenfest« gestaltet wird, wie es Tamam Bakchoul formuliert. Der Facharzt für Transfusionsmedizin ist Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie (DGTI), die in der kommenden Woche ihre Jahrestagung abhält. Bakchoul ist am Universitätsklinikum Tübingen tätig.

»Wir brauchen alle Blutgruppen.«

Die Schwierigkeit besteht laut dem Mediziner darin, dass der Bedarf unter anderem an den Krankenhäusern der Maximalversorgung (etwa Universitätskliniken) nicht exakt geplant werden kann. Schon jetzt, im Alltag, gebe es immer wieder Mangelsituationen, sagt Bakchoul. Eng werde es in Phasen von Infektionswellen oder in der Ferienzeit. »Wir brauchen alle Blutgruppen.« Besonders gefragt sind Bakchoul zufolge die Spenden von Menschen mit den Blutgruppen Null Rhesus negativ, den sogenannten Universalspendern. Da den roten Blutkörperchen (Erythrozyten) dieser Menschen bestimmte Antigene fehlen, werden sie vom Immunsystem der Empfänger mit anderen Blutgruppen nicht angegriffen. Günstig ist ebenfalls die Blutgruppe Null Rhesus positiv – diese Spenden werden von allen anderen Rhesus-positiven Empfängern vertragen, wobei das nur für die Erythrozyten gilt.

Die Sicherheit der Blutprodukte wie auch des gesamten Spende- und Verarbeitungsprozesses ist laut Ruth Offergeld vom Robert-Koch-Institut in Deutschland außerordentlich hoch. Dafür sorgt eine Reihe sich ergänzender Maßnahmen. Zu diesen gehört unter anderem, dass die freiwilligen Spender schon vorab ihre Eignung feststellen können und damit nicht umsonst zu einer Spende anreisen. Seien es bestimmte Medikamente, chronische Vorerkrankungen oder nicht lange zurückliegende Reisen in einige Länder und Regionen: Informationen zu möglichen Einschränkungen gibt es bei den regionalen Blutspendeeinrichtungen, häufig online, oder aber, wenn zu viele Details und Konstellationen zu berücksichtigen sind, auch per Telefon.

Im Jahr 2023 ist in Deutschland die Altersgrenze von 65 Jahren für eine Vollblutspende gefallen, nun dürfen auch Ältere spenden. Das ist durchaus auch notwendig, wie Kristina Hölig erläutert. Die DGTI-Präsidentin arbeitet als Bereichsleiterin der Transfusionsmedizin am Universitätsklinikum der TU Dresden und für den DRK-Blutspendedienst Nord-Ost gGmbH.

Durch den größeren Anteil an älteren Menschen an der Gesamtbevölkerung werden auch mehr Blutprodukte zu deren Versorgung gebraucht. Zurzeit spenden aber nur drei Prozent der Bevölkerung regelmäßig. Zwar hat es fast jeder Zweite schon einmal getan, was aber nicht zu wiederholten Spenden geführt hat. Hölig berichtet, dass die Nebenwirkungen einer Spende im Alter eher abnähmen. Nur die Wiederangleichung des Hämoglobin-Wertes dauert etwas länger, das heißt, es kann nicht so oft gespendet werden. Nun werden aber auch viele Ältere wegen ihrer Dauermedikation von einer Spende zurückgestellt.

Andererseits haben offenbar gerade die Jüngsten – ab 18 Jahren – noch viel mehr Rückstellungsgründe, unter anderem zurückliegende Reisen außerhalb Europas, Tätowierungen oder – vor allem bei jungen Frauen – ein zu geringes Körpergewicht. Kreislaufreaktionen nach der Blutspende treten auch eher bei jungen Menschen auf – umso mehr sind die Älteren zur Teilnahme aufgefordert. Wichtig wäre außerdem, vermehrt Dauerspender zu gewinnen, um die Versorgung permanent und auch in Krisenfällen stabil zu halten.

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Source: nd