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War & Militarism nd

Theaterstück in München | »Battle tested« bringt den Rüstungsstandort Bayern auf die Bühne

Ein neues Theaterstück in München zeigt Aufstieg und Abgründe von Firmen wie Rheinmetall und Helsing und kritisiert die neue Goldgräberstimmung.

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»Battle tested« wirft auch die Frage auf, wer eigentlich die Verantwortung übernimmt, wenn Künstliche Intelligenz in Entscheidungsprozesse über Krieg und Frieden, Leben und Tod eingreift. Foto: Verena Kathrein Für die Rüstungsindustrie ist »battle tested« ein Verkaufsargument: Waffen und Ausrüstung sind demnach im Krieg »kampferprobt«. Genauso heißt nun auch ein Theaterstück, das an diesem Samstag im Munich Center of Community Arts (MUCCA) in der bayerischen Landeshauptstadt Premiere hat – sozusagen im Epizentrum des neuesten deutschen Aufrüstungsbooms. Von diesen Booms gab es schon zwei, die einst der Vorbereitung von Weltkriegen dienten, erinnert das Stück der deutschen Regisseurin, Autorin, Journalistin und Schauspielerin Christiane Mudra. Es nennt die Profiteure von damals und heute beim Namen.

»Battle tested« wirft auch die Frage auf, wer eigentlich die Verantwortung übernimmt, wenn Künstliche Intelligenz in Entscheidungsprozesse über Krieg und Frieden, Leben und Tod eingreift. Im Großraum München investieren Rüstungsunternehmen dazu Milliarden: Im nordwestlichen Stadtteil Allach will der Panzerbauer KNDS seinen Standort erweitern, auf einem gut 16,5 Hektar großen Gelände sollen Produktionsflächen und Bürogebäude sowie Räume für Forschung und Entwicklung entstehen. Die Aufstellung des Bebauungsplans hat der Münchner Stadtrat im Juli beschlossen. Während einige Anwohner Angst haben, im Kriegsfall selbst zur Zielscheibe zu werden – oder vorher schon wertvolle Biotope zu verlieren –, hat der grüne Oberbürgermeister Dominik Krause das Vorhaben gegen Kritik auch aus seiner Partei verteidigt.

In Hallbergmoos im oberbayerischen Landkreis Freising will außerdem die Helsing GmbH einen »Technologiecampus« für militärische KI und Drohnensysteme errichten. Kritische Stimmen konnten sich hiergegen nicht durchsetzen: 59 Prozent stimmten bei einem Bürgerentscheid im Juli für die Ansiedlung. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) persönlich hatte für das 2021 gegründete Unternehmen die Werbetrommel gerührt und war hellauf begeistert, als es 2025 in Tussenhausen das autonome Kampfflugzeug »CA-1 Europa« von Helsing vorstellen konnte.

Die Goldgräberstimmung der Branche und ihrer politischen Förderer, aber auch Leid und Entsetzen über die Folgen des Geschäftsmodells Krieg spiegeln vier Schauspielerinnen und eine Tänzerin in »Battle tested«. Maskulin und militaristisch gestylt treten sie mal kraftstrotzend als Gewinner der »Zeitenwende« auf, mal als gebrochene »Kriegszitterer« und als Sterbende.

Stahlgewitter-Avantgarde-Musik und Originalzitate von Frauen aus der Zivilbevölkerung verschiedener Kriegsgebiete ertönen aus dem Off – die Regisseurin hat sie bewusst nicht nach Herkunftsland kenntlich gemacht. So kann spontane Empathie nicht davon abhängen, ob die Opfer weiß und christlich sozialisiert sind – und ob es der geopolitische Freund oder Feind des Westens ist, der sie gerade angegriffen hat.

Das Publikum weiß nicht genau, wo das kleine Mädchen lebt, dem gesagt wurde, es sei nur ein Spiel, in den Bunker zu rennen, damit es nicht traumatisiert wird. Kiew? Cherson? Teheran? Oder doch Tel Aviv? Mudra jedenfalls hat Frauen aus der Ukraine, dem Iran, Gaza und Israel interviewt, um deren Perspektive abzubilden. In Gaza gibt es allerdings keine Bunker für Zivilpersonen.

»Ich möchte den Mythos des ethisch lupenreinen Westens infrage stellen«, so die Regisseurin nach der Generalprobe am Freitagabend. »Wir brauchen eine internationale Rechtsordnung, die für alle gilt, sonst gilt nur noch das Recht das Stärkeren«, sagt Mudra »nd«.

Mehrfach geht es in ihrem Stück auch darum, dass Geld für westliche Rüstungskonzerne nicht stinkt und mehrere Kriegsparteien beliefert wurden oder werden – und dass die Empfänger zum Teil später fallen gelassen, dämonisiert und militärisch gestürzt werden: »Saddam, wir kommen!« – »Bitte nicht, ihr habt mich doch alle gemeinsam aufgerüstet!«, heißt es mit Blick auf den 2003 durch US-Truppen gestürzten irakischen Präsidenten Saddam Hussein.

Die Firma Rheinmetall wollte sogar 130 Millionen Euro Schadenersatz von der Bundesregierung, als diese 2014 ihren Deal mit der russischen Armee über ein hochmodernes Gefechtsübungszentrum stoppte. Das Verfahren zog sich über Jahre hin. Erst 2023 – im Jahr nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine – zeigte sich Rheinmetall-Vorstandschef Armin Papperger »kompromissbereit« für eine außergerichtliche Einigung, wie es in einem NDR-Bericht hieß. Über den weiteren Verlauf wurde bisher nichts mehr bekannt.

»Geh nicht zu weit, die Bundesregierung ist unser größter Kunde«, heißt es dazu in »Battle tested« realitätsnah auf der Bühne. »Dann sagen wir eben jetzt Slava Ukraini!« Und: »Daten und Bilder aus einer echten Kriegsregion sind Gold wert.« Jede Illusion, dass moderne Schlachtfelder etwas anderes sind als Showrooms der Rüstungsindustrie, wird hier zerstört.

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Originally published bynd
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