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Serie »War« | Krieg der Sternchen

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Wie »Promis unter Palmen« nur ästhetischer und anspruchsvoller, aber eigentlich schaut man auch nur den Reichen und Schönen bei der Blamage zu. Foto: Sky Wie hoch ist eigentlich der Marktwert einer Ehe in der Welt der Reichen und Mächtigen mit Celebrity-Faktor? Und was bedeutet das für das riesige Vermögen inklusive der wirtschaftlichen Verflechtungen in solch einer Ehe, wenn es zur Trennung kommt? Mit welchen Mechanismen wird so eine Ehe aufgelöst? Diesen Fragen geht die von Sky und HBO koproduzierte Serie »War« nach. Der Achtteiler erzählt von der Scheidung des Londoner Tech-Moguls Morgan Henderson (Dominic West) und seiner Ehefrau Clara Duval (Sienna Miller), einer Hollywood-Schauspielerin. Und wie der programmatische Titel schon andeutet, nimmt der Scheidungskrieg, der hier verhandelt wird, durchaus Züge eines Feldzuges an.

Mit »War« wird das in die Jahre gekommene Genre der Anwalts-Serie auf ein neues Niveau gehoben. Die aufwendig gemachte Serie mit britischer Starbesetzung setzt die City of London als Schauplatz dieser Auseinandersetzung ästhetisch anspruchsvoll in Szene. Während der selbstgefällige Tech-Mogul von der 200 Jahre alten Kanzlei Cathcarts vertreten wird, setzt Clara Duval auf die Newcomer Taylor and Byrne, ein junges überambitioniertes Paar, das gerade das erste Kind erwartet. Während Cathcarts in holzvertäfelten, dunklen Räumen tagt, sitzt man bei Taylor und Byrne mit dem jungen Team in lichtdurchfluteten Büros mit Blick auf die Londoner Skyline.

Mit »War« wird das in die Jahre gekommene Genre der Anwalts-Serie auf ein neues Niveau gehoben.

Mit wie harten Bandagen gekämpft wird, stellt sich erst im Lauf der Serie heraus, die diese Eskalation in einen ungemein spannenden Erzählbogen packt. »War« ist sehr dialoglastig und zeigt dabei gut, wie wichtig rhetorische Fähigkeiten für den Anwaltsberuf sind oder im günstigsten Fall sein können. Dabei dreht sich die Auseinandersetzung um die Frage, wer eigentlich wie viel ökonomischen Anteil am Multimillionen-Pfund-Unternehmen des Mannes hat. Denn der lernte den Schauspielstar kennen, als er selbst noch ein erfolgloser Unternehmer war. Wie sehr hat seine Frau ihm den Erfolg seines Unternehmens ermöglicht? Wobei sich Morgan Henderson unangreifbar fühlt.

Sein Tech-Unternehmen Zephyr ist eine europäische Social-Media-Plattform, die gegründet wurde, um den rechten, hasserfüllten, rassistischen, sexistischen und polarisierenden Posts der amerikanischen Plattformen etwas entgegenzusetzen. Hat er die Firma eigentlich auch deshalb gegründet, weil er damit seine Frau vor verbal gewalttätigen Posts schützen wollte? Wie eng war ihre Ehe? Welche Rolle spielte das berufliche Engagement der beiden? Und was ist mit dem von Carla in die Ehe gebrachten Sohn, der mittlerweile als reicher verwöhnter Teenager wilde Partys feiert?

»War« ist keine Beziehungsserie. Die Ehegeschichte der beiden Kontrahenten wird nicht wirklich aufgeschlüsselt, sondern erlebt in Gesprächen und Sitzungen eine schlaglichtartige Bearbeitung. Die langjährige Ehe ist somit eher der Rohstoff, aus dem die beiden Anwaltskanzleien ihre Strategien stricken. Dabei wird natürlich auch getrickst, wie es nur geht. Eine Kanzlei platziert sogar einen Spitzel im Team der gegnerischen Anwälte und ist damit immer einen Schritt voraus. Dann werden auch die Medien eingeschaltet, der Auftritt in einem Podcast wird zum Schlüsselmoment in der Strategie einer Kanzlei, bis die andere Seite das wieder wettmacht mit einem neuen Winkelzug. Wieder werden die Karten neu gemischt. Dabei spielen auch die ökonomischen Verhältnisse der jeweiligen Kanzlei eine wichtige Rolle.

Nicht nur die Eheleute, auch die Anwälte spielen mit hohen Einsätzen. Von der Boulevardpresse wird der Fall irgendwann sogar als die »Scheidung des Jahrzehnts« gefeiert. Dabei dekliniert die Serie die einzelnen Schritte von der versuchten außergerichtlichen Einigung über ein Vorverfahren bis zum eigentlichen Prozess durch.

Ganze Trupps von Kanzlei-Angestellten werden auf den Fall angesetzt, schleppen kistenweise Akten durch die Gegend und arbeiten im Schichtbetrieb auch mal ganze Nächte durch. »War« inszeniert dieses Spektakel ganz standesgemäß mit aggressiv geführten Sitzungen in Kanzleien, mit Abendessen in sündhaft teuren Restaurants, mit dem arroganten Gehabe der beiden Ehepartner, mit frechen Paparazzi, reichlich sexuellem Begehren, mit List, Betrug und Niedertracht. Der vermeintlich intime Blick hinein in die Welt der Superreichen hat dabei auch immer voyeuristischen Charakter.

Zu wissen, dass diejenigen, die alles haben, auch fehlbare Stümper sind, ist ein Grund, warum sich die Kulturindustrie so gerne mit dieser Klasse beschäftigt. Aber es fasziniert auch das Wissen um die moralischen Abgründe, wenn etwa Tech-Mogul Henderson einem Berater eine Million Pfund verspricht, wenn der sich sofort nackt auszieht – einfach nur so zum Spaß. Vor Gericht wird dann knallhart Bilanz gezogen. Das scheint Zuschauern ungemein zu gefallen, vor allem wenn es um reiche Leute geht. Wenn das dann handwerklich auch noch gut gemacht ist wie in dieser Serie, hat das hohen Unterhaltungswert. Eine zweite Staffel ist schon fest geplant.

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Source: nd