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Serie »Breitscheidplatz« | Ein Stück Holz ermittelt
Die ARD-Fiction-Serie »Breitscheidplatz 19/12« erzählt vom Trauma des Terror-Anschlags auf den Berliner Weihnachtsmarkt vor zehn Jahren.
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Weil so vieles zum Anschlag auf dem Breitscheidplatz noch immer unklar ist, blieb den Machern nur Fiktion statt Dokumentation. Foto: ARD Degeto Film/HR/NDR/RBB/NEUESUPER GmbH »Je mehr man hinschaut, desto mehr Ungereimtheiten fallen einem auf«, sagt Frank Laudin (Albrecht Schuch) vom Staatsschutz des nordrhein-westfälischen LKA zu seiner Kollegin Isra Al-Husseini (Bayan Layla). Er meint damit die Umstände des Anschlags auf den Berliner Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz im Dezember 2016. Diese Szene steht ganz am Ende der ARD-Serie »Breitscheidplatz 19/12«, die in sechs Episoden eine fiktive Geschichte rund um diesen schrecklichen Terroranschlag vor zehn Jahren erzählt.
Im Zentrum dieser fast schon als klassischer deutscher Krimi erzählten Story mit einem Ermittler-Duo stehen die beiden LKA-Beamten aus NRW, die als fiktive Mitglieder der damals real existierenden »Ermittlungskommission Ventum« Islamisten im Großraum Hildesheim observieren, infiltrieren und im Zuge dessen zeitweise auch den Breitscheidplatz-Attentäter Anis Amri überwachen. Dabei fokussiert sich der Sechsteiler in der finalen Auflösung auf die Widersprüche rund um die plötzlich beendete Überwachung von Anis Amri, womit sich auch ein Untersuchungsausschuss des Bundestages beschäftigte. Der auf Berliner Landesebene damals ebenfalls skandalisierte und von der Polizei als haltlos dargestellte Vorwurf, die Räumung des linken Friedrichshainer Kneipen-Kollektivs »Kadterschmiede« habe zum Ende der Überwachung Amris geführt, kommt in der Serie gar nicht vor.
Problematisch und brandaktuell werden die Widersprüche noch einmal vor dem Hintergrund des islamistischen Anschlags auf den CSD.
Problematisch und brandaktuell werden die Widersprüche noch einmal vor dem Hintergrund des islamistischen Anschlags auf den CSD vor einigen Monaten und der viel diskutierten Frage, welche Rolle hier das plötzliche Ende der polizeilichen Überwachung des Täters spielte.
In der Serie »Breitscheidplatz 19/12« wird die in Krimis gängige Kritik an zu viel behördlichem Wirrwarr und unterschiedlichen Zuständigkeiten von Ländern und Bund alle naselang bemüht. Laudin und Al-Husseini kämpfen von ihrem Büro in NRW aus gegen jede Menge behördliche Bürokratie und nicht selten gegen eine Politik, die nach bestimmten Ereignissen wie dem Anschlag auf das »Bataclan« in Paris oder in Nizza medial präsentierbare Erfolge haben will und spektakuläre Razzien anordnet, die nicht selten langwierige Polizeiarbeit zunichtemachen. Die beiden sind Teil eines größeren Teams. Er ist der typische verkopfte Deutsche, der das Gefühlsleben eines Stückes Holz zu haben scheint, wenn er nicht gerade einen Wutausbruch hat. Nebenbei setzt er auch noch seine Ehe in den Sand. Seine aus Syrien stammende Kollegin Isra war als Geflüchtete selbst Opfer des IS. Sie wird großartig gespielt von Bayan Layla, die dieser Tage auch im Kinofilm »Drei Kameradinnen«, der Adaption eines Romans der diesjährigen Trägerin des deutschen Buchpreises Shida Bazyar, zu sehen ist.
Die Serienmacher bemühen sich durchaus, ein differenziertes Bild der muslimischen Community in Deutschland zu zeichnen und zu zeigen, dass es vor allem muslimische Menschen sind, die unter dem IS oder Daesh, wie alle nicht-deutschen Betroffenen die islamfaschistische Terrororganisation hier nennen, zu leiden haben. So auch die Familie Isras, die durch ihre Erinnerungen an Syrien schwer traumatisiert ist. Die islamistischen Kreise sind hier männerbündische, gewaltbereite Organisationen, die sich konspirativ absprechen und religiöse Vereine zur Tarnung nutzen. Das wird dann nicht selten mit entsprechender Musik unterlegt, ein finsteres Bedrohungspotenzial in Szene gesetzt.
Ob der Versuch, das differenziert darzustellen, auch jenen breiten Mainstream erreicht, für den diese Serie konzipiert ist, bleibt die große Frage. Als sechsteilige Krimi-Serie ist »Breitscheidplatz 19/12« handwerklich durchaus gut gemacht und fokussiert sich stark auf den Frust des Staatsschutz-Beamten, der von seinen BKA-Kollegen immer wieder ausgebremst wird. Ob das auch damit zu tun hat, dass hier internationale Geheimdienste involviert waren und sich die deutschen Ermittlungen auch an einer US-Militäroperation in Nordafrika orientieren mussten, was die Serie ganz am Ende andeutet, lässt sich nicht abschließend klären.
»Breitscheidplatz 19/12« mag als politisch aufgeladene Krimi-Geschichte spannend gemacht sein, versucht auch gegenüber Behörden einen kritischen Ton anzuschlagen, macht das aber mitunter halbherzig. Getreu dem Motto: Wenn die Polizei mehr dürfte und nicht so kleinteilig arbeiten müsste, würde das die Gefahr minimieren. Dass die Behörden dabei auch nicht immer regelkonform vorgehen, zeigt die Verhaftung eines Daesh-Mitglieds, das vor seinen kleinen Kindern von Beamten brutal zusammengeschlagen wird.
Wobei sich die Macher ganz offensichtlich durch die umfassenden Aktenberge des Falles gearbeitet haben. Mittendrin steht dann noch ein Informant, der für den Staatsschutz ermittelt, Teil der islamistischen Gruppe wird und Kontakt zu Anis Amri hat. Wie viel von dem in der Serie Gezeigten wirklich der Realität entspricht, lässt sich nur schwer sagen. Aber eines wird klar: Abgeschlossen ist das Kapitel des Anschlags auf den Breitscheidplatz und seine Aufarbeitung auch zehn Jahre später nicht wirklich.
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