Rüstungsindustrie | Gepanzert gegen Kritik an Aufrüstung
In Kremmen will die Firma K9 Robotics eine Drohnenfabrik errichten. Dass es dabei wirklich nur um zivile Nutzanwendungen geht, wird bezweifelt.
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Ein Laufroboter der Firma Security Robotics bei einer Sicherheitsmesse in Essen vor einem gepanzerten Auto der Firma Stoof Foto: dpa/Bernd Thissen Die Würth-Gruppe ist Fernsehzuschauern, die sich für Wintersport begeistern, als Sponsor von Skispringern und Biathleten ein Begriff geworden. Heimwerker wissen die hochwertigen Schrauben zu schätzen, die dieses Unternehmen herstellt. Wer damit ein Regal befestigt, darf sich ziemlich sicher sein, dass es nicht aus der Wand reißt. Auch in Flugzeugen wird verschraubt und befestigt: Um den besonderen Anforderungen der Branche gerecht zu werden, ließ sich die Würth Aerospace GmbH vor sechs Jahren nach der Norm DIN EN 9120:2018 zertifizieren. Das ist eine Norm für Händler und Lagerhalter der Luft- und Raumfahrt-, aber auch der Verteidigungsindustrie.
Würth gehört zu den mehr als 400 Mitgliedern im Bundesverband der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie (BDSV) und ist nicht der einzige dort organisierte Hersteller von Schrauben und anderen Befestigungssystemen. »Die Mitgliedsunternehmen des BDSV verstehen sich in erster Linie als hochqualifizierte Ausrüster und Partner der Bundeswehr sowie der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben der Bundesrepublik«, erklärt der BDSV. Klassische Rüstungsfirmen wie der Panzerproduzent KNDS gehören dazu. Ansonsten enthält die Mitgliederliste aber etliche Firmen, die man hier nicht unbedingt erwarten würde, etwa auch Rechtsanwaltskanzleien und Wirtschaftsprüfgesellschaften, die der Rüstungsindustrie ihre Dienste anbieten.
Am Mittwoch empfängt Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) die BDSV-Hauptgeschäftsführerin Elisabeth Hauschild in der Potsdamer Staatskanzlei. Die BDSV-Mitgliedsfirmen sind überwiegend im Westen Deutschlands ansässig, zum Teil auch in Berlin, ganz selten in den ostdeutschen Flächenländern. So gibt es in Schönebeck/Elbe in Sachsen-Anhalt, wo bereits in der DDR Munition und Sprengstoff produziert wurde, die Niederlassung eines Rüstungskonzerns mit Hauptsitz in Norwegen. Aus Brandenburg ist einzig die in Borkheide beheimatete Stoof International GmbH im BDSV vertreten. Sie panzert Autos so, dass sie Schusswaffen standhalten. Das ist wichtig für Geldtransporter genauso wie für Limousinen, mit denen sich Staatschefs chauffieren lassen oder mit denen Hilfsorganisationen in Krisengebiete fahren.
Als Ministerpräsident Woidke im Dezember 2025 den Fliegerhorst Holzdorf besuchte, wünschte er sich, dass Rüstungsindustrie nicht immer nur im Westen Deutschlands angesiedelt wird. Da regierte er noch mit dem BSW. Aber es kriselte bereits zwischen der SPD und der Wagenknecht-Partei. Anfang Januar kündigte Woidke die Koalition mit dem BSW auf und handelte eine neue mit der CDU aus. Mit dieser ist sich Woidke nun einig, dass Brandenburg aktiv um die Ansiedlung von Rüstungsbetrieben werben will.
An ihrem Standort in Brandenburg/Havel startete die Heidelberger Druckmaschinen AG im April ein Joint Venture mit dem Unternehmen Ondas Autonomous Systems. Es bietet Systeme zur automatisierten Drohnenabwehr an, die im zivilen Sektor und vom Militär verwendet werden können. Die Systeme sollen künftig in Brandenburg/Havel entwickelt und von hier aus zunächst in Deutschland und in der Ukraine vermarktet und perspektivisch auch in andere europäische Staaten geliefert werden. »Die Entscheidung für Brandenburg an der Havel als Zentrum dieser Zukunftstechnologie ist ein starkes Bekenntnis zur Innovationskraft unseres Landes«, schwärmte Ministerpräsident Woidke bei dieser Gelegenheit.
Nun will die Firma K9 Robotics eine Drohnenfabrik bauen und dazu ein 6000 Quadratmeter großes Grundstück in Kremmen im Landkreis Oberhavel kaufen. Ein Werbevideo, das mit seiner Grafik an ein Computerspiel erinnert, führt vor, wie Drohnen starten, während ein Soldat im Vordergrund ein Sprechfunkgerät bedient. Ein Objekt wird identifiziert und eliminiert.
Die Drohnen, die in Kremmen gefertigt werden sollen, werden allerdings nicht mit Munition bestückt sein und dürfen damit auch nicht bestückt werden, weil ihnen die entsprechende Zulassung fehlt. So berichteten es die »Märkische Allgemeine« (MAZ) und die »Märkische Oderzeitung« (MOZ) nach einem Termin, bei dem K9 Robotics Kommunalpolitiker über Investitionspläne informierte und Drohnen vorführte, die für Kontrollflüge über Autobahnen und die Luftaufklärung bei Waldbränden geeignet sein sollen. Dass es Drohnen ohne Munition sein werden, sei ihm wichtig, zitierten die beiden Tageszeitungen den örtlichen Bürgermeister Sebastian Busse (CDU).
Doch Astrid Braun, parteilose Ortsvorsteherin im Ortsteil Groß Ziethen, hat Fragen zu dem Vorhaben. »Dass eine Drohne keine Munition abwirft, macht sie nicht rein automatisch zu einem rein zivilen Produkt«, merkt Braun an. Drohnen würden schließlich auch zur Zielerfassung genutzt. Die perspektivisch versprochenen 80 bis 120 Arbeitsplätze seien »zweifellos attraktiv«. Braun befürchtet aber durch Probeflüge der Drohnen Störungen für Kraniche und Wildgänse, die jeden Herbst unterwegs in südlichere Gefilde in der Gegend rasten.
Am 12. November soll sich der Bauausschuss der Stadtverordnetenversammlung mit dem Thema befassen. MAZ und MOZ zitieren neben Bürgermeister Busse und Ortsvorsteherin Braun auch den Stadtverordneten Malte Voigts, der in Drohnen eine Zukunftstechnologie sieht. Der Landwirt setzt demnach selbst ein solches ferngesteuertes Flugobjekt ein, um Stare und andere Vögel von seinen reifen Heidelbeeren zu verjagen.
»Deshalb fordern wir die Lokalpolitiker auf, solche Ansiedlungen von potenziellen Rüstungsfirmen sehr kritisch zu prüfen.«
Die BSW-Kreisvorsitzende Andrea Skandera will keine Ängste schüren, wie sie versichert. Aber die Kriegsrhetorik einiger Politiker führe immer weiter in eine Eskalation und dann werde die Gefahr, dass der Ernstfall eintrete, leider immer größer. »Deshalb fordern wir die Lokalpolitiker auf, solche Ansiedlungen von potenziellen Rüstungsfirmen sehr kritisch zu prüfen und vor allem die Bevölkerung transparent zu informieren und am Entscheidungsprozess zu beteiligen«, sagt Skandera.
Man solle nicht vorbehaltlos darauf vertrauen, dass in Kremmen Drohnen produziert werden, mit denen sich die Feuerwehr schon mal schnell vor dem Einsatz einen Überblick verschaffen könne, warnt der BSW-Kreisverband in einer Pressemitteilung. K9 Robotics nenne den israelischen Drohnenhersteller Copter Pix im Internet als Technologiepartner. Copter Pix wiederum nennt als seine Kunden auch Israels Verteidigungsministerium und dessen Streitkräfte. Beteuerungen, dass die Drohnen keine Zulassung für Munition haben, hält das BSW für wenig überzeugend. »Denn sollte die deutsche Industrie auf Kriegswirtschaft umgeschaltet werden – was ja leider nicht unrealistisch ist –, dann gelten diese Beschränkungen natürlich nicht mehr.«
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