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Radsport | Evenepoel sichert sich WM-Rekord: Vier Finger für die Ewigkeit
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Remco Evenepoel holte im Einzelzeitfahren am Sonntag in Montreal seinen vierten WM-Titel in Folge. Foto: imago/Jasper Jacobs Zwei Rennen, zwei historische Ergebnisse: Die Straßenrad-WM im kanadischen Montreal lieferte gleich an ihrem ersten Tag große Schlagzeilen. Am frühen Sonntagabend mitteleuropäischer Zeit krönte sich Remco Evenepoel zum vierten Mal hintereinander zum Titelträger im Einzelzeitfahren. Damit hängte der Belgier selbst die ganz großen Spezialisten der Vergangenheit ab. Der Schweizer Fabian Cancellara und der Thüringer Tony Martin gewannen zwar auch insgesamt viermal in ihrer Karriere das Regenbogentrikot, aber nicht ohne Unterbrechungen.
Wenige Stunden zuvor schaffte auch die Rheinländerin Franziska Koch mit ihrer Bronzemedaille etwas, das es schon lange nicht mehr gegeben hatte. Elf Jahre lag eine Einzelmedaille bei den deutschen Frauen zurück. Die letzte, ebenfalls Bronze, errang 2015 in den USA Lisa Brennauer. Zehn Jahre immerhin liegt der letzte große Erfolg von Tony Martin zurück – eine lange Durststrecke für den deutschen Radsport.
Koch beendete diese mit einem von Beginn an sehr mutigen Rennen. Früh gestartet, setzte sie an allen drei Messpunkten wie auch im Ziel zunächst die jeweils schnellste Zeit. »Natürlich habe ich gehofft, dass was Gutes rumkommt, aber dass es dann für Bronze gereicht hat, ist schon sehr, sehr schön und freut mich«, sagte sie später im Ziel zum Branchendienst »Radsport-News«.
Koch hatte sich den wechselhaften Kurs mit ein paar engen Kurven zu Beginn, danach langen, der Konzentration nicht unbedingt förderlichen Geraden im Mittelteil und ein paar Wellen im Finale gut eingeprägt. Gleich zweimal schaute sie sich das komplette Streckenvideo an, das der deutsche Radsportverband German Cycling gedreht hatte. Und am Abend vorher hielt sie es wie einst in der Schule: »Jeder hat ja in der Schulzeit, bevor man schlafen gegangen ist, noch mal Vokabeln angeschaut. Im Prinzip ist es dasselbe, man muss den Kurs in- und auswendig kennen.«
Das Kurven büffeln statt Vokabeln half also. Dank ihrer guten Streckenkenntnis hatte Koch auch am Ende noch Energie in den Beinen. In den Pedalen stehend, wuchtete sie ihr Rad weit nach links und rechts ausschwenkend den letzten Anstieg hinauf ins Ziel. Die 26-Jährige ist damit endgültig die Aufsteigerin der Saison.
Schon im Frühjahr gewann sie den Pflastersteinklassiker Paris–Roubaix. Mit Platz drei bei den Strade Bianche und Platz zehn bei der Flandernrundfahrt schloss sie eine bemerkenswerte Klassikerphase ab. Ende Juni holte sie sich die Landesmeistertitel im Straßenrennen und im Zeitfahren. Und einen Monat später half sie ihrer niederländischen Teamgefährtin beim Rennstall FDJ Suez, Demi Vollering, bei deren Sieg bei der Tour de France Femmes.
Jetzt in Kanada schlug Koch mit Platz drei hinter der erfolgreichen Titelverteidigerin Marlen Reusser aus der Schweiz und der Britin Zoe Backstedt auf dem Silberrang wieder selbst zu. In dieser Verfassung gehört sie auch im Straßenrennen der Frauen am kommenden Samstag zum erweiterten Favoritinnenkreis. Und für das Teamzeitfahren an diesem Dienstag dürfte sie der ziemlich starke Motor des deutschen Teams sein.
Während Koch noch aus dem Sattel gehen musste, um ihre Medaille zu sichern, fuhr Remco Evenepoel seinen historischen Sieg im Männerrennen fast schon entspannt ein. Wie angegossen saß der 26-Jährige in bester aerodynamischer Position bis zur Ziellinie auf seinem Rad. Erst dann erhob er sich und streckte vier Finger aus, um auf seine Rekordbilanz zu verweisen. Danach stieg er so munter von seinem Arbeitsgerät und stiefelte derart kraftvoll in Richtung Podium, als würde er gerne noch einmal die knapp 40 Kilometer lange Strecke fahren wollen.
Schnell hakte er auch die Interviewpflichten ab. »Es war eine wunderschöne Erfahrung hier. Es war sehr schnell und ich war sehr zufrieden mit dem Gefühl, vor allem in den Kurven«, gab er über sein Rennen Auskunft. Er bekannte: »Es war natürlich das Ziel, hierherzukommen und das vierte Mal in Folge zu gewinnen.« Mit der gleichen Entschlossenheit peilt er jetzt das Straßenrennen am Sonntag an.
Wie so ein Doppeltriumph geht, weiß der Belgier seit seinem goldenen Olympiaerlebnis beim Zeitfahren und Straßenrennen von Paris vor zwei Jahren ja bestens. Und in Abwesenheit des slowenischen Überfliegers Tadej Pogačar ist Evenepoel der Top-Favorit. Das Staffelrennen am Dienstag lässt er übrigens wie das komplette belgische Team aus. Priorität haben offenbar die Einzeldisziplinen. Da neben dem belgischen Team auch die traditionell starken Niederländer ihren Rückzug erklärt haben, steigen die deutschen Chancen nach Kochs Triumph, in der Staffel gleich die nächste Medaille zu gewinnen.
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Source: nd