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Radsport | Der Patron von der Urlaubsinsel: Enric Mas ist Chef der Vuelta

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Ohne Angst in die Abfahrt: Enric Mas (v.) führt die Vuelta an. Foto: imago/Sirotti Chancen muss man auch packen wollen. Enric Mas greift gerade richtig zu. Nach dem Ausscheiden des slowenischen Superstars Tadej Pogačar bei der Vuelta kristallisiert sich der Mann von der Urlaubsinsel Mallorca immer mehr als der Patron der Spanien-Rundfahrt heraus. Er wirkt physisch und mental als der Stärkste. Er setzt seine Helfer äußerst clever ein: Bei Bergetappen schickt er sie in Fluchtgruppen, damit sie ihm auch im Finale noch helfen können. Diesen Extrasupport setzt er dann, wenn es richtig steil wird, in weitere Beschleunigung um. Und so fährt Mas mal 25, mal 27 oder mal auch nur 12 Sekunden auf seine ärgsten Rivalen heraus. In der Summe aber reicht es, um das Klassement inzwischen recht deutlich anzuführen – mit 2:06 Minuten auf den Österreicher Felix Gall und 2:10 auf den Slowenen Primož Roglič.

»Ich freue mich über das Rote Trikot, das ich jetzt schon so viele Tage tragen kann. Jeder Tag davon ist besonders«, sagte Mas am Ende der 15. Etappe am Sonntagabend in Cordoba. Da waren es bereits acht Tage in Rot, die meisten davon erstaunlich ungefährdet. »Die Vuelta ist mein Rennen, das, das mir am besten gefällt, und auf das ich mich das ganze Jahr über auch freue«, ergänzte er.

Die Spanien-Rundfahrt fällt praktischerweise auch in jene Jahreszeit, in der Mas traditionell am besten performt. Im Spätsommer kommt sein Körper regelmäßig in Top-Form. Viermal stand er im September schon auf dem Podium der Vuelta, dreimal als Zweiter (2018, 2021 und 2022), einmal als Dritter (2024). Und die recht wenigen anderen Höhepunkte fallen mit Rundfahrtsiegen in China und Erfolgen bei Eintagesrennen in Italien in den Oktober. Im Frühjahr hingegen oder auch im Hochsommer, wenn alle auf die Tour de France schauen, fehlen ihm nicht nur die Ergebnisse, auch die Leistungen von Mas erreichen nicht die Werte vom Spätsommer und Herbst. »Es gibt Leute, die sind vor allem im Frühjahr richtig gut, andere im Sommer. Und bei mir fällt es dann immer in diese Zeit des Jahres«, erklärt Mas.

Und jetzt gehen ihm auch noch die Gegner aus. Vierfachsieger Roglič ist nicht mehr auf der Höhe seines früheren Leistungsvermögens. Andere sind nicht mehr da – der Belgier Remco Evenepoel beispielsweisee, Sieger 2022, lässt die Vuelta planmäßig aus. Und die beiden größten Rundfahrtstars, der Däne Jonas Vingegaard und der Slowene Tadej Pogačar, sind aufgrund von Stürzen nicht dabei. Vingegaard stürzte bei der Tour de France, Pogačar jetzt bei der Vuelta.

Mas ist sich bewusst, dass es sich um die Chance schlechthin in seiner Karriere handelt. Vor einem Jahr meinte er noch ziemlich geknickt in Bezug auf Pogačar und Vingegaard: »Wir müssen uns an die Unglaublichen irgendwie anpassen.« Nun aber eröffnete ihm das Schicksal eine riesengroße Tür zum Triumph. Und er prägt das Rennen auch, weil er zum Leader gereift ist. Das haben jedenfalls langjährige Wegbegleiter beobachtet. »Er glaubt jetzt viel mehr an sich selbst und an seine Möglichkeiten. Er ist an den Schwierigkeiten, die er früher zu überwinden hatte, gewachsen«, meinte Carlos Canal, im Movistaraufgebot seit Langem ein treuer Helfer von Mas.

Zu diesen Schwierigkeiten gehörte neben Krankheiten und Verletzungen vor allem die Angst bei Abfahrten. Mas bändigte diese Furcht dank eines Extraprogramms mit Psychologen. Er machte auch seinen Frieden mit der Öffentlichkeit. »Weil er so wenig Siege holte, war er in Spanien der meistkritisierte Fahrer überhaupt. Zu Unrecht, meiner Meinung nach«, findet der seit 30 Jahren als Sprecher der Vuelta arbeitende Juan Mari Guajardo.

Um all das schert sich Mas derzeit nicht, sondern arbeitet Schritt für Schritt, Tag für Tag am großen Ziel. Dabei helfen ihm auch kleine Details. Sein Rad ist um 120 Gramm leichter, weil auf eine Schicht Farbe verzichtet wurde, erklärte sein Mechaniker. Um vieles erleichtert, seien es Farbschichten oder Abfahrtsangst, übermächtige Gegner oder das Hadern mit dem Druck der Öffentlichkeit, strebt der 31-Jährige seinem absoluten Karrierehöhepunkt entgegen. Nach der Pause am Montag geht es am Dienstag mit der leicht hügeligen 16. Etappe weiter.

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Source: nd