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Germany · nd · · 2h

Queercore | Team Dresch: Die Schönheit der Gleichwertigkeit

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Für einen queeren Jugendlichen auf dem Land kann der richtige Song im richtigen Moment einen Unterschied ums Ganze machen: Team Dresch. Foto: Facebook/Team Dresch Eine viel zu selten besungene Qualität von Punk ist sein lebensrettendes Potenzial. Vor allem in der Adoleszenz: Kaum einem jungen Menschen gelingt es, insofern er wach und empathisch ist, aufzuwachsen, ohne zumindest vorübergehend an der Verzweiflung entlangzuschrammen oder in sie hineinzustürzen. Das gilt noch mal mehr, wenn die vorgefertigten Bahnen der Mehrheit für einen nicht passen und man in einem Landstrich aufwächst, wo Abweichungen nicht vorgesehen sind. Für einen queeren Jugendlichen auf dem Land kann der richtige Song im richtigen Moment einen Unterschied ums Ganze machen.

Die Queercore-Band Team Dresch weiß offenbar um das Geschenk, das Punk für schief in die Welt gestellte Außenseiter*innen bedeuten kann. Der erste Song auf ihrem neuen Album »Furthermore«, dem ersten seit 30 Jahren, wendet sich direkt an die Hörer*in: »Some people say you only write one song/ And that feels true/ And I do it for you/ The lonely young one/ That was me«. Das klingt heute genauso empowernd wie Mitte der 90er. Und ist auch 2026 stimmig, weil Team Dresch in der zweiten Strophe das eigene Ältergewordensein mitdenken: »We got old/ And all this shit happened/ And there was grief/ And we lost who we were/ The wild young ones that were broken/ who were open/ who were fеral«.

Es ist wichtig, den eigenen Kindern die Schönheit der Welt zu zeigen. Weswegen sollte man sonst kämpfen?

Jetzt ist alles wieder da, und Team Dresch ist die, soweit ich sehe, einzige Punk-Reunion gelungen, die so gar nichts Nostalgisches hat und klingt, als wäre die Band gerade jetzt die genau richtige, passende Musik für diese Zeit. Vielleicht, weil hier niemand so tut, als wäre er noch jung.

Die Songs auf »Furthermore« transportieren ein Wissen um politische Kämpfe, Selbstermächtigung, die Geschichte der queeren Community in den USA und Geschlechterpolitik generell. Queercore entstand Ende der 80er. Bands wie Pansy Division, Tribe 8 und eben Team Dresch. Queercore-Songs über sexuelle Identität, schwules und lesbisches Begehren und Homophobie wirkten nach außen wie nach innen: als Support in der Auseinandersetzung mit Eltern und Schulbullies und als Gegenmittel gegen die zwangsheterosexuelle Dominanz in der eigenen Subkultur.

Zwei Alben haben Team Dresch während ihres ersten Laufs veröffentlicht, 1995 und 1996. Beide sind unerschöpfliche Quellen an euphorischem Noise Pop, aggressiven Dresch-Gitarren und wunderschönen Melodien. Auf den Konzerten, die Team Dresch im September in Deutschland gespielt haben, konnte man hören und sehen, was diese Songs unkaputtbar werden lässt.

Die Gitarren riffen nicht nur was weg, sondern fabrizieren verschiedene Texturen, der Bass ist – Mike-Watt-Schule – nicht nur Rhythmus- und Brumminstrument, sondern spielt immer eine Melodie mehr dazu. Und die inzwischen zwei Schlagzeuger*innen halten alles mit Präzision zusammen. Der musikalische Erfinderinnengeist der Band erinnert an die SST-Bands der 80er Jahre – die Durchschlagskraft von Hüsker Dü, die Spielfreude der Minutemen.

Das alles ergibt dann eine überschießende Energie. Das lebensrettende Moment von Team Dresch ist nicht nur in den Texten, sondern auch in der Musik enthalten. Die Lebensfreude, die hier mitschwingt, bei allem Wissen um die gesellschaftliche und politische Gesamtscheiße, ist enorm. Team-Dresch-Bassistin/Gitarristin/Sängerin Jody Bleyle erinnerte dann auch die beim Konzert im Bremer Tower anwesenden Eltern daran, wie wichtig es ist, den eigenen Kindern die Schönheit der Welt zu zeigen. Denn weswegen sollte man sonst kämpfen? Oder auch nur Kinder in die Welt setzen?

Die Schönheit dieser Band liegt auch in ihrem Bestehen auf Gleichwertigkeit. Live wird deutlich, dass Team Dresch vom ersten Album an über die Limitierungen von simplen Punksongs hinausgegangen sind. Auch in dem Sinne, dass der Community-Gedanke nicht nur für die eigene Szene galt, sondern auch für die eigene Band. Die Instrumente wandern zwischen Bleyle und Kaia Wilson und Donna Dresch, auch beim Gesang wechselt man sich ab. Und weil auf dem ersten Team-Dresch-Album 1995 Marcéo Martinez und auf dem zweiten 1996 Melissa York getrommelt haben, spielen auf »Furthermore« einfach beide und kommen dann auch mit auf Tour.

Die Songs erzählen von den Erfahrungen lesbischer Frauen, sie räsonieren aber auch darüber hinaus. Team Dresch haben einige der schönsten Songs über Adoleszenz, Verzweiflung und Weltentfremdung geschrieben. Sie erwischten einen damals unabhängig von der sexuellen Präferenz. »My mom says she loves me/ But I don’t think it’s love/ Cause she only loves me/ When I act just like she does«, singt Jody Bleyle in »Uncle Phranc«. Und bei der Schlusszeile – »And that’s emotional blackmail!« – geht die Stimme in einer Weise wehrhaft und kämpferisch in die Höhe, dass man weiß, man wird auch die eigene Familie überstehen und irgendwann glücklich werden.

Auch die Rock-Bottom-Songs können Team Dresch so spielen, dass Hoffnung und Weltvertrauen sich im Konzertsaal ausbreiten. »My girlfriend cuddles me/ And holds me when I cry/ I tell her that I’m scared/ Ask if she thinks I’ll die«. Dann geht die Stimme wieder in die Höhe und nimmt Hörerinnen und Hörer mit: »She tells me I’m okay/ I don’t believe her/ but it makes me feel better anyway«.

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Source: nd