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Personalie | Ein Islamversteher in der AfD
Thomas K. Gugler, Islamexperte und Südasienkenner, war Autor der »junge World« - und flog nun durch die geleakten E-Mails als AfD-Mitglied auf.
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Foto: Thomas K. Gugler Was treibt einen Islamwissenschaftler zur islamfeindlichen AfD, einer Partei, die in ihrem Grundsatzprogramm einen unmissverständlichen Glaubenssatz stehen hat: »Der Islam gehört nicht zu Deutschland«? Diese Frage muss sich Thomas K. Gugler wohl zunächst selbst stellen. Der an den Universitäten München (Magister) und Erfurt (Promotion) ausgebildete Südasienexperte wurde als AfD-Mitglied »enttarnt« durch die Auswertung der geleakten internen E-Mails von AfD-Vertretern. Die Wochenzeitung »Jungle World« musste dieser Tage leicht erstaunt feststellen, dass Gugler zu ihren Autoren gehörte, seit 2019 über 20 Beiträge für das sich als links verstehende Blatt veröffentlicht hat, vornehmlich über Pakistan.
Gugler war zu Beginn seiner Zusammenarbeit mit der »Jungle World« bereits knapp zwei Jahre AfD-Mitglied, sein Aufnahmeantrag an die Partei wurde nach den geleakten internen Unterlagen im November 2017 angenommen. Die »Jungle World« reagierte mit einer formalen Stellungnahme: »Grundsätzlich gilt: Stellt sich heraus, dass ein Autor oder eine Autorin AfD-Mitglied ist oder der Partei nahesteht, beenden wir die Zusammenarbeit.«
Der 1981 in Garmisch-Partenkirchen geborene Gugler war auch mehr als eine reine Karteileiche und hegte mutmaßlich politische Ambitionen innerhalb der Partei, die als rechtsextremistischer Verdachtsfall eingestuft wird. So ist aus den geleakten E-Mails erkenntlich geworden, dass Gugler sich gleich zweimal auf eine Referentenstelle bei der AfD beworben hat: 2018 und 2022. »Mit den politischen Zielen der AfD identifiziere ich mich; seit mehr als fünf Jahren bin ich Parteimitglied«, heißt es in einem Bewerbungsschreiben.
In seiner beachtlichen akademischen Karriere, die Kugler durch das Berliner Leibniz-Zentrum Moderner Orient, die Universitäten Wien, Münster und Frankfurt geführt hat, hat er sich viel mit islamistischen Strömungen und Gruppierungen auseinandergesetzt, vor allem in Südasien, also Indien, Pakistan und Afghanistan. Auf seinem Karriereweg trifft er auch auf Hamed Abdel-Samad, einen ägyptisch-deutschen Politologen, der wegen seiner scharfen und polemischen Islamkritik, die er in mehreren Büchern niederlegte, äußerst umstritten ist und auch schon bei AfD-Veranstaltungen auftrat. Er gehört zu der Gruppe von akademisch geschulten Alarmstimmen, die permanent vor der angeblich drohenden Islamisierung des Abendlandes warnen und von der AfD umworben werden. Gugler arbeitete Abdel-Samad 2006 als Wissenschaftliche Hilfskraft beim Projekt »Radikalisierung von Muslimen in der Diaspora« an der Universität Erfurt zu.
Ein weiterer beruflicher Meilenstein in Guglers Karriere war eine Postdoc-Stelle am Frankfurter Forschungszentrum Globaler Islam der Goethe-Universität in Frankfurt am Main, das zum 1. Oktober 2025 geschlossen wurde. Deren Gründerin und Leiterin Susanne Schröter verstand und versteht sich wie Hamed Abdel-Samad als warnende Stimme vor den Gefahren des politischen Islams, veranstaltete eine hoch umstrittene Konferenz zum Kopftuch und sah sich des Rassismus-Vorwurfs ausgesetzt. Schröter hat sich im September nun mit einem Privatinstitut selbstständig gemacht, der Name »Institut für Demokratie und Islam« deutet schon die Ausrichtung an. Vielleicht zieht es ja Gugler auch dorthin.
Auf Anfrage des »nd« zu seiner AfD-Mitgliedschaft wollte Thomas Gugler keine Stellungnahme abgeben, weil sich diese auf »auf illegal beschaffte Datensätze« beziehe. »Dazu äußere ich mich nicht«, war seine lapidare Reaktion. Für die Echtheit der geleakten Daten gibt es inzwischen aber verschiedene Hinweise: Sowohl die »Taz« als auch der »Spiegel« gehen tendenziell davon aus, dass es sich bei den Leaks um echte E-Mails der AfD handelt. Dafür spricht auch, dass ein Mitarbeiter des »nd« mit einer offiziellen Presseanfrage an die AfD Bochum im Datensatz zu finden ist.
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