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War & Militarism nd

Militarisierung der Gesundheit | Linkes Gesundheitsforum: »Plötzlich waren Panzer auf den Ärzteblättern«

Auch in Krankenhäusern und Arztpraxen ist die Militarisierung sichtbar. Beschäftigte erinnern an ihre antimilitaristischen Kämpfe in den 80er Jahren.

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Wehrmedizinische Fortbildungen nehmen zu und medizinische Hochschulen kooperieren mit der Bundeswehr. Die Militarisierung der Medizin schreitet voran. Foto: imago/Florian Gaertner »Die Aufgabe von uns soll es sein, die Drehscheibe zu bilden, die Leute wieder an die Front schickt«, beschreibt Kinderarzt Julius Poppel die Funktion von Ärzt*innen im Kriegsfall. Poppel ist Ko-Vorsitzender des Vereins demokratischer Ärzt*innen (VDÄÄ) und spricht auf dem »Gesundheitspolitischen Forum« über Militarisierung. »Wollt ihr das?«, fragt er seine Kolleg*innen.

Der VDÄÄ organisierte das Forum dieses Jahr bereits zum 40. Mal. Er versteht sich als kritische Alternative zu standespolitischen Ärzteverbänden. Von Freitag bis Sonntag haben sich in Berlin die Mitglieder sowie weitere gesundheitspolitische Akteure vernetzt. Diesjähriger Schwerpunkt waren Strategien linker Gesundheitspolitik.

Der Verein habe früh begonnen, sich mit der Militarisierung des Gesundheitswesens zu beschäftigen, berichtet VDÄÄ-Geschäftsführerin und Medizinsoziologin Nadja Rakowitz. »Weil wir gemerkt haben, dass die organisierte Ärzteschaft auf ihren Ärzteblättern plötzlich Panzer hatte.« Beispiele dieser Entwicklung gibt es zahlreiche – die Medizinische Hochschule Hannover hat eine Kooperation mit der Bundeswehr vereinbart, die Zahl wehrmedizinischer Fortbildungen nimmt zu und ein Rahmenplan des Berliner Senats fokussiert die Gesundheitsversorgung in Krisenzeiten. Krisen- und Kriegsmedizin werden dabei oft vermischt.

»Egal, wie wir versorgen, es wird nicht ausreichend sein.«

Aus der organisierten Ärzteschaft gebe es zwar teilweise Kritik an dieser Entwicklung, insgesamt aber viel Zustimmung, meint Poppel. Darum sei es wichtig, über die Fachwelt, wie durch Artikel in wissenschaftlichen Zeitschriften, Einfluss zu nehmen. Der VDÄÄ organisiert Veranstaltungen und schreibt Broschüren und Zeitschriften. Gleichzeitig sollten Ärzt*innen über den eigenen Berufsstand hinaus aktiv sein.

»So absurd und vielleicht rückständig es auch ist, hat die Ärzt*innenschaft doch eine gesellschaftliche Stimme, die respektiert wird«, meint Poppel zu »nd«. »Wenn eine Ärzteschaft sich hinstellt und sagt, wir werden keinen Krieg unterstützen, dann hat es wahrscheinlich eine gesellschaftliche Wucht. Und wenn man klarstellt: Egal, wie wir versorgen, es wird nicht ausreichend sein.«

Derzeit plant der VDÄÄ eine Kampagne, die sich zugleich gegen Militarisierung und Sozialstaatsabbau richtet. Idee ist, den Sozialabbau zum Ausgangspunkt zu machen – über diesen beklagten sich viel mehr Leute, meint Rakowitz. Der VDÄÄ will das in einen Zusammenhang mit der Militarisierung bringen. Rakowitz kritisiert: »Man kann einen Panzer kaufen, aber keine Grundschule bauen.«

Bereits in den 80er Jahren organisierten sich Ärzt*innen in der anti-atomaren Friedensbewegung in Westdeutschland und der DDR. Beim 4. Medizinischen Kongress in Tübingen 1984 versammelten sich tausende Besucher*innen unter dem Motto »Unser Eid auf Leben verpflichtet zum Widerstand«.

Die Apothekerin Ulrike Faber aus dem Verein demokratischer Pharmazeutinnen und Pharmazeuten war damals selbst aktiv und berichtet: »Es gab an jeder Ecke eine Friedensbewegung. Ob das Buchhändler oder Apotheker oder die Kirchen waren, alle haben ausgehend von ihrer Situation und Profession auf das Thema gesetzt.« Das habe einen großen Einfluss gehabt. Allerdings sei die gesellschaftliche Stimmung damals positiver gegenüber der Bewegung gewesen.

Ein anderer Teilnehmer des Workshops berichtet, dass er mit dutzenden Ärzt*innen in weißen Kitteln vor der Ärztekammer demonstrierte, als sie aufgefordert wurde, im Kriegsfall Listen ihrer Mitglieder weiterzugeben. Als Teil eines Gesundheitsgesetzes für den Verteidigungsfall war dies 1981 in der Bundesrepublik vorgesehen. Durch Proteste konnte das Gesetz letztlich verhindert werden – die schwarz-rote Koalition plant zurzeit eine Neuauflage.

Für Kinderarzt Poppel ist klar: »Die Lösung muss Austausch, Diplomatie und Abrüstung sein, so wie das auch in den 80er Jahren der Fall war. Da sehe ich die Rolle der Ärzteschaft.«

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Originally published bynd
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