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Midterms 2026 | Die neue Nüchternheit

Junge Wähler bereuen ihr längst enttäuschtes Vertrauen in Donald Trump. Das Schreckgespenst Sozialismus zieht bei ihnen nicht mehr.

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Wahlkampfveranstaltung der Demokraten in Cleveland (Ohio) am 24. Oktober: Umfragen deuten darauf hin, dass die Demokraten unter jüngeren Menschen an Zuspruch gewinnen. Foto: JEFF SWENSEN/Getty Images via AFP [M] Wenn es eine Gruppe gibt, deren Stimmverhalten vor Wahlen in den USA nicht einmal halbwegs genau vorauszusagen ist, dann sind das junge Menschen. Wie die Generation Z in den US-Midterms wählen wird, weiß auch diesmal niemand. Dennoch gibt es Hinweise darauf, dass die Jungwähler nicht nur in Europa, sondern auch in den USA politisches Neuland betreten. Und Donald Trump scheint deswegen besonders besorgt. Da der Wahlausgang vielerorts als sehr knapp vorhergesagt wird, könnte die Gen Z, die potenziell 50 Millionen Wähler umfasst, durchaus ausschlaggebend sein.

Umfragen deuten darauf hin, dass die oppositionellen Demokraten wieder häufiger von Wählern unter 30 bevorzugt werden als noch vor zwei Jahren. Damals hatten mit 47 Prozent ungewöhnlich viele von ihnen für Trump gestimmt – bei jungen Männern sogar eine deutliche Mehrheit. Das Umfrageinstitut der Yale-Universität erwartet bei den Kongresswahlen am kommenden Dienstag eine hohe Wahlbeteiligung der Gen Z, was die Demokraten hoffen lässt.

Doch es gibt auch warnende Stimmen wie jene von Rachel Janfaza, Gründerin des Gen-Z-Forschungsinstituts The Up and Up. Sie meint, junge Menschen, die ohnehin eher selten wählten, würden wegen stressiger Lebensbedingungen und Orientierungslosigkeit noch weniger als sonst zur Urne schreiten. Und von Trump enttäuscht zu sein, bedeute speziell bei jungen Republikanern nicht automatisch eine Stimmabgabe für die Demokraten.

Eine neue drakonische Rhetorik von Trump, der die Jugendaufstände in Europa als »apokalyptisch« beschreibt, mahnt die eigene Wählerbasis, europäische Verhältnisse unbedingt zu vermeiden. Doch Umfragen und Interviews zeigen, dass junge Menschen in den USA ebenso um die Zukunft bangen, wenn auch eher still. Bei Weitem nicht nur die Ärmsten unter ihnen leben zwischen Hoffen und Bangen, jemals in der Mittelklasse Fuß zu fassen. Wählern an der Schwelle zu 30 Jahren erscheinen Jobs, Wohnungen und Familiengründung immer unsicherer. Folglich schwindet das Vertrauen in die Institutionen.

Junge Männer aller Ethnien haben vor zwei Jahren mit 15 Punkten Vorsprung Trump gewählt, vor allem weil sie – vermittelt durch Influencer der »Manosphere« wie Joe Rogan – dachten, dass er ihnen ein besseres ökonomisches Feld bereiten würde. Die »Washington Post« zitiert nun den 21-jährigen Michael Fusella aus Florida: Trotz Hochschulausbildung glaubt er nicht mehr daran, jemals den Lebensstandard seiner Eltern zu erreichen. Trotzdem bleibt der Aktivist den Republikanern treu, erwartet aber von seiner Partei, dass sie sich stärker dem Thema Bezahlbarkeit widmet.

»Verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin genauso gegen Sozialisten wie jeder andere«, meint er. »Aber man kann nicht den ganzen Wahlkampf danach ausrichten, den Sozialismus zu besiegen.« Die blinde Loyalität zu alten Ideologien weicht anscheinend einer neuen Nüchternheit. Die US-amerikanische Gen Z geht vielleicht nicht auf die Barrikaden und wirkt eher nachdenklich – mit vielen Fragen, wie die Verhältnisse zurzeit sind und wie sie sein sollten.

Auf der anderen Seite des politischen Spektrums gibt es tatsächlich eine wachsende Schar, die Wahlkampf für die Demokratischen Sozialisten betreibt. Der Sieg von Zohran Mamdani in New York vor einem Jahr wirkte wie eine Initialzündung. Trump, die ICE-Behörde, Kriege und Inflation sind Wasser auf ihre Mühlen. Der Aufstieg der Democratic Socialists of America wurde aber gezielt um die Themen Mieten und Lebenskosten organisiert; Themen, die in Großstädten wie New York und San Francisco mittlerweile sogar Paare beschäftigen, die 350.000 Dollar im Jahr verdienen.

»Junge Menschen bejahen heute – noch deutlicher als vor wenigen Jahren – den Sozialismus und lehnen den Kapitalismus ab.«

Bei anderen wird das Selbstbild, der Mittelschicht anzugehören, immer brüchiger. Wenn man kaum seinen Lebensunterhalt bezahlen kann und mit 30 noch immer bei den Eltern wohnt, obwohl man in Vollzeit arbeitet. Wenn man mit dem elterlichen Auto zur Arbeit fährt, aber das Benzin zu teuer ist. Es ist ein täglicher Kampf mit Defiziten. Das Einzige, was tröstet: Mit den Problemen steht man nicht allein da.

Schließlich informiert sich die Gen Z vorwiegend über soziale Medien. Mamdani war in diesen Sphären ein meisterlicher Wahlkämpfer, die Republikaner versuchen mitzuhalten. So wie der 40-jährige Gabe Evans, der zurzeit nördlich von Denver Wahlkampf für das Repräsentantenhaus führt. »Meine Kampagne besteht im Grunde aus der Generation Z. Mein Kampagnenleiter und fast sein gesamtes Team gehören ihr an. Mein Kommunikationsleiter ebenfalls.« Doch reicht das? Sein demokratischer Gegenkandidat Manny Rutinel ist schließlich 32 Jahre alt und kann mit seiner Generation direkt reden, ohne sich anzubiedern. Als Sohn einer alleinerziehenden Mutter hat der Latino Rutinel als Jugendlicher bei McDonald’s gejobbt und Blut gegen Bezahlung gespendet, um über die Runden zu kommen.

Aaron Zitner, Reporter des »Wall Street Journal«, berichtet von einer wachsenden Zustimmung für populistische Politik. Maßnahmen, bei denen die Regierung eingreift, um den »normalen« Menschen zu helfen, auf Kosten der Elite, von Investoren oder Großkonzernen, seien sehr populär. »Junge Menschen bejahen heute – noch deutlicher als vor wenigen Jahren – den Sozialismus und lehnen den Kapitalismus ab.« Trump ging nach dem Aufstieg von Occupy Wall Street in die Politik, um genau dies zu verhindern. Sein zwischenzeitlicher Erfolg steht jetzt mehr denn je infrage.

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