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Kongresswahlen USA | Rückkehr der Enttäuschten
Latinos setzten zuletzt vermehrt Hoffnung in Donald Trump, nun wenden sie sich von ihm ab. Jedoch nicht wegen seiner harten Einwanderungspolitik
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Zuhörer bei einer Kundgebung der Wählerrechtsorganisation Voto Latino in Texas: Unter Latinos schwindet die Zustimmung für Trump. Foto: Sarah Rice/Getty Images via AFP [M] Es ist eine Sache, wenn Träume nicht in Erfüllung gehen. Wenn aus ihnen sogar Albträume werden, aber eine ganz andere. Als Barack Obama US-Präsident war, plante seine Partei der Demokraten, lange an der Macht zu bleiben und diese sogar auszubauen. Die Arbeiterschichten im Norden des Landes sorgten verlässlich für Wahlerfolge, während die Zahl der Latinos, also Menschen mit lateinamerikanischen Wurzeln, in den Südstaaten stieg. Da diese treu demokratisch wählten, sollten auch Texas, Florida, Arizona und Nevada bald dauerhaft zum Demokratenland werden. Daraus wurde bekanntlich nichts.
Zuerst sagten sich 2016 die weißen Arbeiter im Norden los, 2024 folgten große Teile der Latinos im Süden. Die Demokraten hatten insbesondere Minderheiten als einheitlichen und treuen Wählerblock behandelt und gleichzeitig ignoriert, indem sie nie eine Politik betrieben, die Latinos wirklich half voranzukommen. Also verloren sie dramatisch an Unterstützung: Gewann Obama 2012 noch mehr als 70 Prozent aller Latino-Stimmen, schaffte Kamala Harris 2024 nur noch 56 Prozent. In Texas errang Donald Trump sogar eine Mehrheit bei der dort konservativeren Latino-Community.
Nur zwei Jahre später steht offenbar die nächste Gegenbewegung an. Die Zustimmungswerte des Präsidenten liegen unter Latino-Wählern nur noch bei 27 Prozent. Wer annimmt, dass dies mit der brutalen Jagd der Einwanderungsbehörde ICE auf migrantisch gelesene Menschen zu erklären ist, macht aber den gleichen Fehler wie die Führungsriege der Demokraten im vergangenen Jahrzehnt. Tatsächlich sind 39 Prozent Zustimmung für Trumps Grenzsicherungspolitik selbst in dieser Gruppe noch sein bester Wert. Nein, auch für Latinos ist die wirtschaftliche Lage bei Wahlentscheidungen am wichtigsten.
2024 gaben sie Trump in Wirtschaftsfragen einen Vorsprung von vier Prozentpunkten. Einer NBC-Umfrage von Anfang Oktober zufolge meinen nun zwei Drittel, seine Politik habe ihre Situation verschlechtert. Jetzt sehen sie die Demokraten in derselben Frage mit 21 Punkten vorn. Zuletzt stellten Latinos etwa ein Zehntel der Gesamtwählerschaft. Derlei Veränderungen können also in engen Wahlkreisen entscheidend sein. »Es war eine große Sache, als wir für die Republikaner gestimmt haben, und jetzt haben wir das Gefühl, es war ein totaler Fehler«, sagte die 59-jährige Luisa Santiago aus Florida jüngst in einem NBC-Interview. »Ich schäme mich, weil ich auch noch meine Freunde dazu überredet hatte, für ihn zu stimmen.«
Mehr als acht von zehn Latinos – überdurchschnittlich viele von ihnen sind Kleinunternehmer – geben an, dass Inflation und Lebenshaltungskosten für ihre Stimmabgabe von großer Bedeutung seien. Danach folgen die Gesundheitsversorgung und das Bildungswesen. Die Einwanderungspolitik ist in der Rangfolge erst auf Platz fünf zu finden.
Natürlich äußern Latino-Wähler Frustration über Trumps harte Abschiebepolitik. Zwei Drittel meinen, die Maßnahmen gingen zu weit. Bobby Pulido, selbst Latino, landesweit bekannter Sänger und Kandidat der Demokraten im 15. Kongressbezirk von Texas zwischen San Antonio und der Grenze zu Mexiko, berichtete jüngst in einem Podcast: »Die Leute hier leben in ständiger Angst vor ICE. Klar, die Grenze ist jetzt gesichert. Es gibt dort kein Chaos mehr, dafür gibt es jetzt Chaos auf unseren Straßen.«
Pulido werden Chancen eingeräumt, den Republikanern den sicher geglaubten Sitz im Repräsentantenhaus abzujagen. Doch auch er setzt dafür lieber auf ökonomische Argumente: »Die Leute mögen es nicht, angelogen zu werden. Es hieß, die Preise würden sinken, jetzt kostet Diesel sechs Dollar pro Gallone. Viele Leute haben die Republikaner gewählt, weil sie weniger Steuern zahlen wollten. Jetzt merken sie, dass diese Politik schlecht für ihre Geschäfte ist.«
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