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Kolumne | Berlin löst den Nahost-Konflikt

Was lehrt uns die Regierungsbildung für den Frieden in Israel und Palästina, fragt sich unser Kolumnist.

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Foto: dpa/Sebastian Gollnow Als guter Deutscher sollte man eine grundsätzliche Meinung zum Nahost-Konflikt haben. Dies beinhaltet, dass man sich für eine der beiden Konfliktparteien entschieden hat und diese bedingungslos supportet. Im Grunde ist das nichts anderes als im Fußball: Dortmunder verachten Schalke, Unioner den BFC und Kariespatienten hassen Jürgen Klopps Gebiss.

Im Fußball wie im Nahost-Konflikt gibt es nur Schwarz und Weiß. Wer vernünftig ist, der versteht das. Als erwachsener deutscher Mann ist es mir daher ein bisschen peinlich, dass ich mir – anders als im Fußball: Eisern! – noch kein abschließendes Urteil über den Nahost-Konflikt gebildet habe. Ein latentes Unbehagen gegenüber der Tatsache, dass sich dort Menschen gegenseitig töten, habe ich durchaus, aber das zählt längst nicht als akzeptable politische Position.

Andreas Koristka ist Redakteur der Satirezeitschrift »Eulenspiegel«. Für »nd.DieWoche« schreibt er alle zwei Wochen die Kolumne »Betreutes Lesen«. Alle Texte unter dasnd.de/koristka.

Dabei war ich schon in Israel und habe sogar das Westjordanland besucht. Spätestens bei dieser Reise hätte ich mich von einer Seite indoktrinieren lassen müssen! Leider bin ich damals sowohl freundlichen Palästinensern als auch freundlichen jüdischen Israelis begegnet. Ich wurde in Bethlehem und in Neve Zohar zum Frühstück eingeladen. Wenn das Tahini irgendwo nicht geschmeckt hätte, wäre mir eine Entscheidung leichter gefallen. Mein palästinensischer Gastgeber präsentierte mir damals den Schlüssel zu dem Haus, in das seine Eltern nicht mehr zurückkehren konnten. Mein jüdischer Zimmervermieter machte mich mit seiner behinderten Frau bekannt, neben der sich ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt hatte.

Zum Glück sind vielen Menschen meine Probleme fremd. Gerade unter Deutschen kursieren Millionen guter Ideen, wie man den Krieg zwischen Israelis und Palästinensern endgültig beenden könnte. Leider wurde keiner dieser großartigen Vorschläge bislang umgesetzt. Das Spektrum reicht von Trumps Riviera im Nahen Osten bis hin zu einem fröhlichen Staat vom Fluss bis zum Meer, in dem die Herrscher der Hamas ganz bewusst auf das Vergewaltigen und Erschießen jüdischer Raverinnen verzichten und alle Einwohner schöne LGBTQIA+-Kufiyas in den Farben des Regenbogens tragen.

Im Grunde muss man sich nur für einen der vielen guten Vorschläge entscheiden. Und trotzdem können sich die da unten auf nichts einigen. Man muss sich fragen, ob sie der Sache eigentlich gewachsen sind. Wäre es nicht besser, wenn meinungsstarke Deutsche (also nicht ich) ihnen den Konflikt komplett abnähmen? Ein erster Schritt in diese Richtung ist bereits getan: In Berlin wird der Nahe Osten über die nächste Bürgermeisterin entscheiden. Ob in der Hauptstadt künftig Wohnungen vergesellschaftet werden und ein bisschen mehr Sperrmüll weggeräumt wird, hängt also hauptsächlich von Israel ab.

Das ist gut so, denn in der Hauptstadt liegt die komplizierte Streiterei in erfahrenen Händen. Berlin hat über viele Jahre sowohl mit einer Zweistaaten- als auch mit einer Einstaatenlösung gute Erfahrungen gemacht. Wenn der künftige Berliner Senat keinen Friedensfahrplan für Palästina und/oder Israel vorlegt, wäre das schon eine herbe Enttäuschung und ein politisches Totalversagen.

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Originally published bynd
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