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Kolonialismus | Riskante königliche Karibikreise
Die Visite von Charles III. in drei karibischen Staaten erfolgt vor dem Hintergrund einer hitzigen Debatte rund um Sklavenhandel und Reparationen.
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Auf den Bahamas kam König Charles um peinliche Szenen herum. Seine Reise in ehemalige Karibik-Kolonien birgt dennoch viel Sprengstoff. Foto: dpa/AP/Tim Aylen Die letzte Staatsvisite von König Charles III. war für die britische Diplomatie ein durchschlagender Erfolg. Auf seinem dreitägigen Besuch in den USA im April entzückte er den Gastgeber Donald Trump, und seine Rede vor dem Kongress bescherte ihm stehende Ovationen. Aber wenn er sich erneut für eine Reise über den Atlantik ins Flugzeug setzt, erwartet ihn ein deutlich weniger begeistertes Publikum. Seine Visite in der Karibik wird begleitet von einer hitzigen Debatte rund um Sklavenhandel und die Rolle, die die Monarchie dabei spielte, sowie um Forderungen nach britischen Reparationszahlungen.
Die neuntägige Tour durch die Region beginnt auf den Bahamas, danach geht es weiter nach Guyana und schließlich nach Antigua und Barbuda. Alle drei Staaten sind Teil des Commonwealth of Nations, der Nachfolgeorganisation des britischen Empire; die Bahamas sowie Antigua und Barbuda haben den Monarchen in London als Staatsoberhaupt.
Im Verhältnis zwischen London und den ehemaligen britischen Kolonien in der Karibik sind in den vergangenen Jahren zunehmend Spannungen aufgekommen. In mehreren Nationen wächst die Bewegung für eine Abschaffung der Monarchie, unter anderem in Jamaika und Antigua and Barbuda. Barbados wurde bereits 2021 zu einer Republik. Zugleich hat die Kampagne für eine Entschädigung für den Sklavenhandel größere Aufmerksamkeit erhalten. Großbritannien, so lautet die Forderung, soll den Opfern des Menschenhandels Reparationen zahlen.
Was Großbritannien riesige Reichtümer bescherte, hinterließ in den Sklavenkolonien tiefe ökonomische und gesellschaftliche Schäden, die bis heute nachwirken.
Zwischen dem 16. und dem frühen 19. Jahrhundert transportierten europäische Kolonialmächte schätzungsweise zehn Millionen Afrikanerinnen und Afrikaner über den Atlantik. Wer die Überfahrt überlebte, schuftete das Leben lang auf den Zuckerrohr- und Baumwollplantagen in den karibischen und amerikanischen Kolonien. Großbritannien war zuvorderst mit dabei: Allein im 18. Jahrhundert verschleppten britische Schiffe 2,85 Millionen Menschen von Afrika nach Amerika.
Was Großbritannien riesige Reichtümer bescherte, hinterließ in den Sklavenkolonien tiefe ökonomische und gesellschaftliche Schäden, die bis heute nachwirken – so argumentieren die Befürworter von Reparationen. Im vergangenen März stimmte eine große Mehrheit von 123 Nationen für eine von Ghana eingebrachte Uno-Resolution, die Sklaverei als schweres Verbrechen gegen die Menschlichkeit bezeichnete; Reparationen seien »ein konkreter Schritt zu einer Wiedergutmachung einer historischen Ungerechtigkeit«, heißt es in der Resolution. Großbritannien enthielt sich der Stimme. Derzeit sind die karibischen Nationen dabei, einen Aktionsplan auszuarbeiten, wie sie Großbritannien zu einem Reparations-Deal zwingen könnten. Andy Burnham bekräftigte vor einigen Wochen die bisherige britische Position: Großbritannien wird keine Reparationen zahlen.
Die Monarchie spielt in der Sklaverei-Debatte eine wichtige Rolle. Wie mehrere Studien in den vergangenen Jahren gezeigt haben, waren viele britische Königinnen und Könige aktiv beteiligt am Sklavenhandel. Im September publizierte ein Kollektiv von Akademikern eine Recherche, die die engen Verstrickungen zwischen der britischen Krone und dem Menschenhandel aufzeigt. Charles selbst hat sich offen gezeigt für eine historische Aufarbeitung solcher Verbindungen.
Dennoch dürfte ihm in der Karibik viel Kritik entgegenschlagen. Das Reparationskomitee der Bahamas redete vor der Visite schon mal Klartext: »Kinder werden in der Sonne stehen, um einer Krone zuzuwinken, die ihren Vorfahren alles weggenommen hat.« Alle drei Länder, die Charles besucht, haben sich für Reparationen ausgesprochen. Buckingham Palace ließ vor der Visite verlauten, dass Charles von den »dunkelsten Tagen« der Kolonialherrschaft reden werde – aber auf Raten der britischen Regierung werde er keine formelle Entschuldigung für den Sklavenhandel abgeben.
Im Buckingham Palace erinnert man sich mit Schaudern an den letzten königlichen Trip in die Region. 2022 gingen Bilder um die Welt, auf denen Prinz William und Prinzessin Kate zu sehen sind, wie sie jamaikanischen Schulkindern durch einen Maschendrahtzaun die Hände reichen. Es komme einem vor wie ein Rückschritt in koloniale Zeiten, urteilten lokale Kommentatoren.
Aber auch wenn solche peinlichen Szenen diesmal wohl vermieden werden, begibt sich der König auf ein schwieriges diplomatisches Terrain. »Dies ist das größte Risiko in seiner bisherigen Regentschaft, weil so viel außerhalb seiner Kontrolle liegt«, urteilt der Historiker Anthony Seldon gegenüber der BBC. Weil es um Sklaverei und Reparationen gehe, stehe »die moralische Integrität des Monarchen« zur Debatte.
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