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Künstliche Intelligenz | Die Katastrophe, die wir wollen
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Verkauft eine Technologie, vor der er gleichzeitig warnt: Sam Altman, CEO von OpenAI, während einer Pressekonferenz. Foto: Rodrigo Reyes Marin/ZUMA Press Wire/dpa Mit der KI ist es wie mit dem Faschismus: Die Menschen wissen eigentlich, was ihnen damit Unheilvolles bevorsteht, und doch wollen sie es nicht anders. Am vergangenen Wochenende wurde in Sachsen-Anhalt mit großer Mehrheit eine rechtsextreme Partei gewählt – gegen alle Warnungen vor einem neuen »’33«, dem Ende der Demokratie und wirtschaftlichen Ruin. Zeitgleich präsentierte die Firma OpenAI das neueste Modell GPT-6 »Astra«. Vor dem optimierten Chatbot warnte sogar die Entwicklerfirma selbst. OpenAIs Chief Scientist Jakub Pachoki schrieb in einem Blogpost, dass wir bald die Kontrolle über die Künstliche Intelligenz verlieren würden. »Ich befürchte, dass niemand auf die Folgen eines anhaltenden raschen Anstiegs der maschinellen Intelligenz vorbereitet ist«.
Die Warnungen vor einer KI-Apokalypse machen regelmäßig die Runde; nicht unberechtigt. Das dringendste Problem wird wohl sein, dass künstliche Intelligenzen jede Sicherheitsarchitektur kriminell überwinden können. So kürzlich geschehen im sogenannten Hugging-Face-Incident, bei dem ein Kollektiv organisierter Bots gemeinsam die Kontrolle der Firma Hugging Face und sogar OpenAI selbst übernahm. Potenziell, so die Lektion, könne dies mit jeder Infrastruktur passieren.
Ironischerweise wirken solche dystopischen Szenarien aber nicht als Abschreckung, sondern eher als Werbung: Seht her, wie mächtig diese Technologie ist! Ohne derlei megalomanischen Superlative würde der ganze Quatsch nicht funktionieren. Denn mit KI muss letztlich Geld verdient werden, das momentan ausschließlich aus spekulativem Wagniskapital kommt und auf genau diese mystische Überlegenheit der Maschine setzt. Den tatsächlichen Nutzen für die Menschen, die ehrfürchtig an dieser unvorstellbaren Macht teilhaben können, schätzt etwa OpenAI für ihren »Astra« allerdings denkbar gering ein: »Es kann mühsame Aufgaben wie das Ausfüllen von Online-Formularen (…) und die Organisation Ihres Kalenders übernehmen. Es kann Online-Recherchen durchführen und Zusammenfassungen in Ihrer E-Mail oder in Ihrem Textverarbeitungsprogramm erstellen.«
Vergleichbar lebt eben auch der Faschismus von der Projektion. Je bedrohlicher und unaufhaltsamer das Erstarken der Rechten, je perfider und manipulativer ihre Strategien vorgestellt werden, desto mächtiger erscheint das Ganze. So wie die stagnierende Wirtschaft dazu führt, dass auf einen wachstumsgenerierenden Entwicklungssprung spekuliert wird, so setzen die Menschen in Zeiten der Ohnmacht ihre Wette auf Stärke und Macht. Dabei ist es letztlich egal, ob es ihnen konkret etwas nützt. Das Versprechen besteht in der gewaltsamen Überwindung des festgefahrenen Status quo, wie das »Es beginnt hier« der AfD in Sachsen-Anhalt als Hintergrundrauschen suggeriert. Hier liegt zugleich das Verhängnis: Um die Suggestion von Macht so lange wie möglich aufrechtzuerhalten, muss die angekündigte Katastrophe dann auch tatsächlich herbeigeführt werden.
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Source: nd