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Klimawandel | Reiche werden mit fossilen Energien immer reicher

Oxfam-Studie zeigt soziale Ungleichheit beim Ausstoß von Treibhausgasen auf

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Die Präsentation des neuen Dassault Falcon 7X lockte wieder Geschäftsleute aus aller Welt an. Foto: afp/DERRICK CEYRAC Auf der Weltklimakonferenz werben Spanien und Frankreich für eine zusätzliche Abgabe auf Business-Class-Tickets und Reisen mit Privatjets, Deutschland unterstützt das Vorhaben. Diese Nachricht ist leider ein Jahr alt. Initiativen für Luxussteuern im Luftverkehr sind für den anstehenden Klimagipfel Nummer 31 in der Türkei nicht bekannt. Im Gegenteil – zurzeit beschwören gerade in Deutschland Airlines und Flughäfen den teilweisen Untergang der Branche und fordern eine Senkung der Luftverkehrssteuer sowie von Gebühren.

Ungeachtet dessen stellt das Flugzeug weiter die klimaschädlichste Form der Mobilität dar. Insbesondere Reisen per Privatjet bedeuten dabei nicht nur extrem hohe Emissionen, sondern sind zugleich die ungerechteste Form der Mobilität, wie eine am Dienstag veröffentlichte Analyse der Entwicklungsorganisation Oxfam zeigt. Jeder Flug mit dem Privatjet verursachte demnach im Schnitt 3,7 Tonnen CO2. Das liegt nah an den weltweiten Pro-Kopf-Emissionen für das gesamte Jahr 2025 von etwa 4,6 Tonnen.

Laut den Angaben nutzen überhaupt nur die reichsten 0,003 Prozent der Weltbevölkerung Privatjets. Absolut gesehen sind das laut der Analyse etwa 250.000 Menschen, und diese sollen – wenig erstaunlich – überwiegend Männer sein. An deutschen Flughäfen starteten vergangenes Jahr laut der Analyse über 55.000 Privatjets. Deren Flüge verursachten in weniger als einer halben Stunde mehr CO2 als ein Bundesbürger im gesamten Jahr, rechnet Oxfam vor.

Privatjets, ist hinzuzufügen, sind auch verkehrspolitisch ein Anachronismus. Ein Großteil der Flüge bewegt sich laut einer Analyse von Greenpeace Österreich auf kurzen Strecken wie Paris-Genf, London-Paris oder Wien-Salzburg. In Europa sind demnach mehr als die Hälfte der geflogenen Distanzen Kurzstrecken unter 750 Kilometern, darunter knapp 40 Ultrakurzstrecken unter 500 Kilometern.

Die ökologische Ungerechtigkeit der Luxusjets liegt auf der Hand. Der von Oxfam gewählte Pro-Kopf-Maßstab überdeckt aber ein wenig, dass die Privatfliegerei der Reichenklasse am Ende nur einen kleinen Teil der Emissionen des Flugverkehrs verursacht. So gibt Oxfam für Deutschland jährliche Emissionen von 180.000 Tonnen CO2 aus dem Privatjetverkehr an. Dem stehen laut dem Umweltbundesamt Gesamtemissionen des deutschen Luftverkehrs von 9,1 Millionen Tonnen für 2025 gegenüber. Darin sind, anders als bei Oxfam, auch die sogenannten Nicht-CO2-Emissionen des Flugverkehrs enthalten, die etwa zwei Drittel der gesamten Treibhausgasemissionen der Jets ausmachen.

Die scharfe Kritik an der Privatjet-Klasse ist für Manuel Schmitt von Oxfam einfach eine Frage der Gerechtigkeit. Für die langfristige Akzeptanz und Unterstützung von Klimaschutzmaßnahmen in der breiten Bevölkerung sei es wichtig, solche Ungerechtigkeiten öffentlich zu machen. Für Oxfam sei entscheidend, dass Klimapolitik zuerst bei denen ansetze, die eine überproportional große Verantwortung fürs Klima trügen, erklärt der Referent für soziale Ungleichheit auf Nachfrage. Eine kleine Minderheit von Menschen verantworte mit ihrem Luxuskonsum und ihren Investitionen unverhältnismäßig viele Emissionen – und das auf Kosten der Mehrheit.

Es sind nicht nur die Villen oder Schlösser, die Super-Autos, Mega-Yachten und luxuriösen Privatjets, mit denen Reiche die Ressourcen weit über Gebühr belasten. Vor einigen Jahren war Oxfam mit dem Bericht »Carbon Billionaires« über die Betrachtung der Konsum-Emissionen hinausgegangen, um noch weitaus Gravierenderes fürs Klima herauszufinden: die CO2-Belastung durch die Investitionen der Reichen oder durch die Konzerne, die sie besitzen und maßgeblich kontrollieren.

»Wir glauben, dass in einem ersten Schritt Privatjets konsequent und hoch besteuert werden müssen. Damit wäre aus Gerechtigkeitsperspektive schon viel gewonnen.«

Die damalige Studie untersuchte die Investitionsemissionen von 125 der reichsten Menschen der Welt. Auf Grundlage einer erweiterten Datenbank konnte Oxfam nun sogar Daten von 1000 Milliardären aus 59 Ländern ermitteln. Die gesamten Emissionen aus deren Aktivitäten summierten sich 2025 laut diesem Bericht auf 486 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent. Im Schnitt verursachten die Investitionen eines Superreichen damit in einer Minute mehr Klimaemissionen als ein Mensch aus der ärmeren Hälfte der Menschheit im gesamten Jahr, prangert Oxfam an. Weit über dem internationalen Schnitt liegen dabei mit rund 700 000 Tonnen CO2-Äquivalent die Investitionsemissionen eines deutschen Milliardärs.

Als besonders schädlich für die künftige Klimaentwicklung erwies sich dabei, dass laut Oxfam 71 Prozent der Investitionen der 1000 Milliardäre in sehr klimaschädliche Sektoren wie Öl, Gas oder Chemie fließen. In Deutschland soll dieser fossile Anteil bei 63 Prozent liegen. Anders gesagt: Die Reichen werden mit fossilen Energien immer reicher.

Die Ungerechtigkeit betrifft auch hier nicht nur die Seite der Emissionen. Oxfam weist darauf hin, dass Reichtum es ermögliche, an relativ sicheren Orten zu leben, Vermögen gegen klimabedingte Schäden zu versichern und Rücklagen zu bilden, um Krisen besser zu überstehen. Menschen, die in Armut lebten, hätten all diese Möglichkeiten nicht, stellt die Organisation fest. Zudem könne ein Verlust des Wenigen, das sie besitzen, für Arme weitaus schwerer wiegen als bei Reichen. Studien zeigten zudem, dass eine zunehmende Anfälligkeit gegenüber den Folgen der Klimakrise mit steigender Einkommensungleichheit einhergeht.

Für Oxfam ist damit klar: Gerade Überreiche und Konzerne müssten zum einen ihre CO2-Emissionen massiv reduzieren und zum anderen einen finanziellen Beitrag zur Bewältigung der Klimakrise leisten.

Dazu fordert die Organisation insbesondere eine gerechte Besteuerung hoher Vermögen. Ein erster Schritt wäre dabei, die im Rahmen der G20-Staatengruppe diskutierte Mindeststeuer von zwei Prozent auf das Vermögen von Multimillionären und Milliardären durchzusetzen. In Deutschland würde diese Steuer nach den Angaben bis zu 28 Milliarden Euro jährlich einbringen und, je nach Ausgestaltung, etwa 250 bis 5000 Haushalte betreffen.

Für Konzerne verlangt Oxfam eine dauerhafte Übergewinnsteuer von mindestens 50 Prozent auf Gewinne, die über einer Rendite von zehn Prozent liegen. Gewinne von Unternehmen aus dem fossilen Sektor sollten dabei schon ab einer niedrigen Rendite von beispielsweise drei Prozent mit mindestens 50 Prozent besteuert werden. Indem sie Anreize für Investitionen in fossile Brennstoffe wie Öl, Gas und Kohle verringert und stattdessen Investitionen in erneuerbare Energien fördert, würde die Steuer eine starke Lenkungswirkung entfalten.

Und was das Fliegen mit Privatjets betrifft: Hier schlägt Oxfam vor, steuerliche Begünstigungen zu streichen und die bestehende Kerosinsteuer deutlich zu erhöhen. Für Luxus- oder Premium-Flugtickets in First und Business Class sollte eine Abgabe eingeführt werden.

Auch einem Verbot von Privatjets stehe Oxfam offen gegenüber, erklärt Manuel Schmitt. »Wir glauben, dass in einem ersten Schritt Privatjets konsequent und hoch besteuert werden müssen. Damit wäre aus Gerechtigkeitsperspektive schon viel gewonnen«, sagt er. Die gesetzlichen Grundlagen seien vorhanden und müssten nur konsequent angewandt werden. Es sei skandalös, dass das nicht schon längst passiert sei.

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Originally published bynd
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