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Jugendkultur | Jugendzentrum Potse muss weiter kämpfen

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So sah es in den alten Räumlichkeiten der Potse aus. Seit 2021 hat das Kollektiv kein festes Zuhause Foto: Potse »Die letzten Tage der Potse!«, so ist der tiefrote Flyer überschrieben, der zurzeit auf Demos und Veranstaltungen herumgereicht wird. Nachdem das selbstverwaltete Jugendzentrum 2021 aus seinen Räumlichkeiten in der Potsdamer Straße in Schöneberg hatte ausziehen müssen, konnte es übergangsweise in ein Gebäude des ehemaligen Flughafens Tempelhof einziehen – in die sogenannte Zollgarage. Doch der Ort ist kein sicheres Zuhause. Am 16. September endet der Mietvertrag, bisher ohne Aussicht auf Verlängerung. In einem offenen Brief fordern benachbarte Mieter*innen und das Jugendzentrum, dass die Potse »in der Zollgarage verbleiben« kann, bis Ersatzräume gefunden sind.

Paul war 18 Jahre alt, als er das Jugendzentrum entdeckte und begann, dort mit anderen jungen Leuten Musik zu machen. Zurzeit ist er weiterhin Teil des Kollektivs. »Wir haben von Leuten aus der Verwaltung zwar schon Signale bekommen, dass der Raum nicht direkt verplant ist danach«, sagt Paul »nd«. »Aber das Problem ist: Wir wissen nicht genau, wer da die Entscheidungen trifft.« Allein könne man mit der Projekt Tempelhof GmbH zudem nicht verhandeln, da die Potse finanziell von den Zusagen des Bezirksamts abhängig sei. Was man wisse: Die Projekt Tempelhof GmbH mache grundsätzlich keine langfristige Vermietung, weil Sanierungsarbeiten im Gebäude anstünden. »Diese Sanierungsarbeiten sind aber noch lange nicht in unserem Gebäudeteil«, kritisiert Paul.

Die Projekt Tempelhof GmbH erklärte auf nd-Anfrage hingegen, dass es zunächst nur eine mündliche Anfrage auf Verlängerung gegeben habe. Die schriftliche Anfrage zur Vertragsverlängerung »seitens der Potse liegt uns erst seit letzten Freitag vor«. Ein »unmittelbarer Auszug der Potse ist derzeit nicht erforderlich«, so eine Sprecherin.

»Die Potse ist ein Ort, wo Jugendliche hinkönnen, die wegen Queerness, oder weil sie anecken, keinen anderen Ort finden«

Ist alles also nur ein Missverständnis? Der Sprecher der Potse sieht das nicht so. Der Bezirk habe vor Monaten zugesichert, sich um eine Vertragsverlängerung zu kümmern, und das dann nicht getan. »Das Jugendamt hat zwar auch gesagt: ›Ihr müsst da am 16. nicht raus.‹ Wir können da aber nicht drauf zählen«, sagt er. Beim Einzug in die Zollgarage habe die Potse eine Räumungsunterwerfungserklärung unterschreiben müssen. Das bedeutet: Würde das Kollektiv nun über den Vertrag hinaus einfach in dem Raum bleiben – eine Nutzungsfortsetzung also –, dann müsste eine Räumung nicht mehr gerichtlich beschlossen werden, sondern könnte sofort passieren. Zudem würde der Vorstand des Trägervereins persönlich haften – die hohen Kosten und eine spontane Räumung könnten das Ende des Projekts bedeuten.

Die Potse ist ein selbstverwaltetes Jugendzentrum. Es gibt keine angestellten Erzieher*innen oder Sozialarbeiter*innen. Die Organisation übernehmen ehrenamtlich die Jugendlichen und jungen Erwachsenen selbst. »Das reicht von der Veranstaltungsorganisierung bis hin zur Steuererklärung«, sagt Paul. »Die Potse ist in den letzten sieben, acht Jahren noch mal verstärkt ein Ort geworden, wo Jugendliche hinkommen, die wegen Queerness, oder weil sie anecken, keinen anderen Ort finden«. In der Potse könnten sie kreativ sein, sich sicher fühlen. Da in der Zollgarage keine Konzerte abgehalten werden dürften, habe sich das Jugendzentrum in den vergangenen Jahren mehr auf Theater- und Zirkusvorführungen oder politische Info-Veranstaltungen fokussiert.

Ein Sprecher der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen sagte »nd«, dass die Senatsverwaltung über den Sachverhalt keine Kenntnisse habe, und verwies an das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg. Dort wiederum war der Zuständige bis Redaktionsschluss nicht erreichbar.

Tatsache ist, dass die Potse zumindest konservativen Politiker*innen ein Dorn im Auge ist. »Gartenstadt statt Punkrock«, so lautet etwa die Plakat-Aufschrift im Wahlkampf des CDU-Abgeordneten Frank Luhmann in Tempelhof. Und in der Unterzeile: »Kein Potse- und Drugstore-Standort am Werner-Voß-Damm«. An dieser Adresse wird zurzeit ein Neubau aufgezogen, in dem 2030 auch die beiden Jugendzentren Potse und Drugstore fest einziehen sollen. »Dazu sind alle Verfahren gelaufen«, sagt Paul. »Das Haus wird gebaut.«

Im derzeitigen Kampf geht es also nur um die kommenden vier bis fünf Jahre. Doch das neue Zuhause wird die Potse nur bewohnen können, wenn es sich bis dahin auch erhalten kann. »Es ist schon ein Skandal, dass es so kurz vor dem Ende des Mietvertrags nur halbgare Versprechen gibt, während die Jugendlichen um ihre Existenz ihres Jugendzentrums fürchten müssen«, sagt Paul.

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Source: nd