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Jemen | Jedes vierte Kind im Jemen akut mangelernährt
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Ein Junge spielt in einer Notunterkunft im Gebiet Bani Omar im Süden von Taizz an einem Wasserhahn. Foto: Imago/Anadolu Agency Die humanitäre Lage im Jemen ist katastrophal, eine direkte Folge des Kriegs zwischen der Militärkoalition, die mit saudischer Unterstützung an der Seite der Regierung steht, und der Huthi-Miliz, die den Südwesten des Landes kontrolliert. Vergangene Woche hatten Vertreter des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) vor den Entwicklungen gewarnt. Demnach sind seit Anfang September mindestens 130.000 Jemenitinnen und Jemeniten aus ihren Häusern vertrieben worden. Das »Epizentrum der Krise« bleibe die drittgrößte jemenitische Stadt Taizz, auf deren Konto mehr als 60 Prozent aller Vertriebenen gehen soll. Betroffen seien aber auch die Regierungsbezirke Al-Dschauf, Marib und Al-Hodeidah.
Die Kämpfe im Jemen stören empfindlich den Zugang zu Gesundheits- und Behandlungszentren und verursachen einen Anstieg der akuten Unterernährung bei Kindern, erklärte das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (Unicef).
Der jemenitische Unicef-Vertreter Akhil Ijer sagte vergangenen Freitag in Genf, dass Hunger und Unterernährung immer mehr Kinder treffe, da die Gewalt im Land eskaliere. Laut Ijer seien von den 130.000 Vertrieben immerhin 71.000 Kinder (55 Prozent), die meisten aus oder innerhalb des südwestlichen Gouvernements von Taizz. »Konflikt treibt den Hunger an, und Hunger macht Kinder anfälliger für Konflikte«, sagte Ijer laut dem TV-Nachrichtenkanal »Al-Jazeera«. Unicef sei »sehr besorgt über eine sehr sichtbare Zunahme von akuter Unterernährung bei Kindern«.
Mobile Unicef-Teams hätten in den vergangenen Wochen fast 2900 Kinder in zugänglichen Gebieten untersucht. Mehr als ein Viertel davon war akut unterernährt, sagte Ijer, wobei 200 von ihnen der gravierendsten Kategorie zugeordnet werden. Unicef zufolge werden in diesem Jahr voraussichtlich 2,2 Millionen Kinder unter fünf Jahren akut unterernährt sein und mehr als eine halbe Million an schwerer akuter Unterernährung leiden.
Wie ernst die Lage ist, beschreibt der Geschäftsführer von Save the Children Deutschland, Florian Westphal: Der Plan für die humanitäre Hilfe sei bislang nur zu 20 Prozent finanziert. Zusätzliche finanzielle Mittel seien nötig, um neu vertriebene Kinder und Familien zu versorgen und bestehende Hilfsangebote aufrechtzuerhalten. »Jedes Kind im Jemen sollte sicheren Zugang zu Gesundheitsversorgung, Nahrung, Wasser, Bildung, einer Unterkunft und Schutz haben«, sagte Westphal. Infektionskrankheiten wie Masern, akuter wässriger Durchfall und Cholera würden zunehmen, starke Regenfälle und Sturzfluten belasteten die humanitäre Lage zusätzlich.
»Bereits vor der jüngsten Eskalation waren im Jemen mehr als 5,2 Millionen Menschen Binnenvertriebene.«
Dabei war das jemenitische Gesundheitssystem schon vorher alles andere als robust. Nach UN-Angaben waren im Januar nur 60 Prozent der Gesundheitseinrichtungen vollständig funktionsfähig; mindestens 450 Einrichtungen wurden geschlossen. Millionen mangelernährter Kinder und schwangerer Frauen hätten dadurch keinen Zugang zu lebensrettender medizinischer Versorgung und zu Impfungen gegen vermeidbare Krankheiten wie Masern, Diphtherie, Cholera und Polio.
UNHCR schreibt: »Bereits vor der jüngsten Eskalation waren im Jemen mehr als 5,2 Millionen Menschen Binnenvertriebene; die aktuellen Kämpfe verschärfen die ohnehin schon verheerende humanitäre Krise im Land weiter. Schätzungen zufolge benötigen mehr als 22 Millionen Menschen Hilfe, darunter Binnenvertriebene sowie rund 65.000 Flüchtlinge und Asylsuchende, vorwiegend aus Somalia und Äthiopien.«
Doch diese katastrophale humanitäre Lage interessiert die Kriegsparteien wenig. Im Gegenteil: Aus Saudi-Arabien kommen wenig konziliante Töne. Kronprinz Mohammad Bin Salman hat versprochen, angesichts der Huthi-Angriffe keine Kompromisse bei der Sicherheit des Königreichs einzugehen, und sagte, die Rebellen im Jemen wählten »Chaos und Zerstörungen und bedrohten das jemenitische Volk und die Region«. Sein Land werde »nicht zögern, auf eine Bedrohung oder einen Angriff zu reagieren, der darauf abzielt, seine Sicherheit zu untergraben«, sagte er am Mittwoch in einer Rede.
Der saudische Kronprinz und Premierminister Mohammad Bin Salman Bin Abdulaziz Al-Saud will hart gegen die jemenitische Huthi-Miliz vorgehen. Foto: Imago/ABACAPRESS Am Donnerstagabend rief auch der ranghöchste Geistliche Saudi-Arabiens, Großmufti Scheikh Saleh Bin Fauzan Al-Fauzan, die eigenen Truppen im Jemen dazu auf, zur Opferung ihres Lebens bereit zu sein; den Krieg erhob er zu einer religiösen Pflicht und schürte damit die Befürchtung einer weiteren Eskalation, berichtete die »New York Times«. Der Großmufti erklärte demnach, Soldaten könnten ihr Leben aus Hingabe zu Gott opfern, indem sie Angriffe abwehrten und »jeden bestraften«, der das Königreich bedrohe. Die Wiedereinsetzung der international anerkannten jemenitischen Regierung sei eine der dringlichsten Pflichten.
Die G7-Staaten hatten sich zuletzt hinter die Militärkoalition der Regierung gestellt und die Huthi-Miliz aufgefordert, die Angriffe auf Saudi-Arabien und die internationale Schifffahrt einzustellen.
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Source: nd