Faultline Faultline Kommando 161

Germany · nd · · 2h

Jazz und Energie | Danke, John Coltrane!

Deutsch (original) · Read in English ⇄

Foto: IMAGO/Philippe Gras Diese Woche sind 100 Jahre John Coltrane zu feiern. Der spirituelle Saxofonist ist einer der ganz großen Beeinflusser des Jazz, den auch viele Rockmusiker lieben und verehren wie sonst nur Jimi Hendrix. »Was er auf dem Saxofon zu sagen hatte, von sanften Balladen bis zu den spirituellen Ekstasen seiner späten Jahre, ist bis heute nicht ausgeschöpft, nicht ausgehört und ausgedeutet«, schreibt Christian Staas in der »Zeit«. Nachdem Coltrane mit dem Heroin aufgehört hatte, sprang er in nur knapp zehn Jahren, bis zu seinem frühen Tod 1967 kurz vor seinem 41. Geburtstag, vom Bebop über den modalen Jazz von Miles Davis (in dessen erstem Quinett er spielte) bis zum Free Jazz. Auf der Suche nach dem »reinen Sound« (Peter Kemper) konnte er mehrere Töne gleichzeitig spielen und wollte »eine Kraft des Guten« sein, wie er sagte. Dafür hatte er genug Energie, um ein Raumschiff zu starten, bemerkte der Jazzhistoriker Ira Gitler.

Das merkte sogar ich als kleines Teenager-Licht, als ich mit 16 in den 80ern im Zimmer meines Freundes Markus saß, der eine kleine Privatparty feierte, weil die Eltern weg waren. Ich hatte auf einem dieser damals noch beliebten Sitzwürfel aus Leder Platz genommen, um zufällig (oder war es kosmisch vorherbestimmt?) zwei spirituelle Erfahrungen zu machen. Erst bewegten wir uns beseelt zu Coltranes Album »A Love Supreme« – bis jemand feststellte, dass die Platte auf 45 und nicht auf 33 lief. Sie war viel langsamer gemeint! Und dann tätigte ich aus Versehen einen Lungenzug aus einer blauen, filterlosen Gauloise, was mich fast vom Sitzwürfel warf. Bis dahin hatte ich nur aus Showgründen so getan, als ob ich rauchte, ohne es zu wissen. Danke John Coltrane! Mit dem Rauchen hab’ ich schon länger aufgehört. Und kann »A Love Supreme« langsam auch in langsam bewundern.

Die »nd.Genossenschaft« gehört ihren Leser*innen und Autor*innen. Sie sind es, die durch ihren Beitrag unseren Journalismus für alle zugänglich machen: Hinter uns steht kein Medienkonzern, kein großer Anzeigenkunde und auch kein Milliardär.

Dank der Unterstützung unserer Community können wir:

→ unabhängig und kritisch berichten → Themen ins Licht rücken, die sonst im Schatten bleiben → Stimmen Raum geben, die oft zum Schweigen gebracht werden → Desinformation mit Fakten begegnen → linke Perspektiven stärken und vertiefen

Mit »Freiwillig zahlen« tragen Sie solidarisch zur Finanzierung unserer Zeitung bei. Damit nd.bleibt.

Read the full story at the source

Source: nd