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Italien | Mountainbiken auf Elba: Zwischen alten Minen und blauem Meer

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Mit dem E-Bike geht es leichter, die Anstiege sind teilweise steil und anspruchsvoll. Foto: Christian Schreiber Der kleine Bus ist voll. Die Fahrgäste blicken erstaunt durch die milchigen Fenster. Sie sehen etwas, womit sie nicht gerechnet haben: Mountainbiker, die über den schwarzen Schotter hoppeln. Und die Radfahrer? Wundern sich über das Gefährt, dessen Passagiere allesamt Helme tragen. Die einen wollen rein in den Berg, die anderen rauf auf den Monte Calamita im Südosten der Insel Elba. Bike trifft Bergbau.

Früher schufteten hier Bergleute, um Eisenerz abzubauen. Die Spuren ihrer Arbeit sind noch überall zu sehen. Im Laufe der Jahrzehnte wurden aus Berghängen Terrassen und Plateaus. Die Männer und ihre Maschinen gruben Löcher und Tunnel, hinterließen Rampen und Stufen. Heutzutage ergibt es ein abwechslungsreiches Gelände für Mountainbiker. Blaues Meer, schwarze Küste, orangefarbener Sand, rostige Bagger, schmale Pfade. Von einfach bis schwer ist alles dabei, sogar eine Weltcup-Strecke.

»Ich empfehle jedem, der auch etwas von Elba sehen will, ein E-Bike.«

Bereits 1994 fand auf der Halbinsel ein Cross-Country-Weltcup statt, 2021 die Mountainbike-Marathon-WM. Im Mai dieses Jahres gab es erneut einen Marathon-Weltcup. Das Portal Radsportszene schreibt von der »Unerbittlichkeit einer Bergbaulandschaft«. Das Gelände erfordere »präzise Fahrtechnik und gezielten Energieeinsatz, vor allem auf den Streckenabschnitten, auf denen zwischen duftenden Rosmarin- und Mastixsträuchern unvermutet Fels auftaucht«.

Den Monte Calamita hat die Szene also längst auf dem Radar. Aber auch auf dem Rest der Insel hat sich viel getan. Daran hat Michele Cervellino seinen Anteil. Der 50-Jährige mit den breiten Schultern und den muskulösen Oberschenkeln hat eine Mission: Elba soll das neue Mountainbike-Paradies Italiens werden. Dafür arbeitet Michele seit einem Jahrzehnt. Abends tauscht er seine Polizeiuniform gegen ein Radtrikot und zeichnet die Strecken der Insel auf. Er hat Rad- und Wanderkarten überarbeitet, einen eigenen Tourenführer geschrieben und 1700 Schilder angebracht, damit die Mountainbiker auf dem richtigen Weg bleiben. Alles freiwillig, ohne Bezahlung.

Auch die öffentliche Hand hat dazu beigetragen, die Wege zu erschließen. Die Karten des Nationalparks lassen sich über die App Avenza Maps kostenlos herunterladen und unterwegs nutzen. Darin sind neben Wanderwegen auch unbefestigte Straßen und die ausgewiesenen Routen des Capoliveri Bike Parks verzeichnet.

Besonders stolz ist Michele auf eine Möglichkeit, die Google Street View bietet. Er kramt sein Handy heraus und zeigt, wie sich dort Wege schon vor der Tour ansehen lassen. Die Aufnahmen vermitteln einen Eindruck vom Untergrund, der Umgebung und den Schwierigkeiten, die unterwegs zu erwarten sind. »Ich weiß nicht, ob es eine zweite Bike-Region in der Welt gibt, die so etwas bietet.«

Mit Michele sind wir zur nordöstlichen Spitze der Insel unterwegs. Teils folgen wir der Grande Traversata Elbana, kurz GTE, dem Fernwanderweg, auf dem sich die Insel in mehreren Etappen durchqueren lässt. Wo Wanderer und Radfahrer dieselben Wege nutzen, setzt Michele auf Rücksichtnahme, damit sie sich nicht ins Gehege kommen. Ohnehin treffen wir kaum eine Menschenseele, pedalieren allein über Gipfel und Grate.

Das Gelände ist entsprechend anspruchsvoll. »Ich empfehle jedem, der auch etwas von Elba sehen will, ein E-Bike«, sagt Michele. Auf diese Weise schaffen wir jeden Tag 50 Kilometer und mehr und haben Zeit, die kleinen Bergdörfer zu besuchen und auch mal am Strand abzuhängen.

Wer es sportlich mit der Insel aufnehmen will, kann sich den Mietwagen und manchen Stau auf der Straße sparen und auf das Mountainbike setzen. In einer Woche lässt sich viel von Elba mit dem Rad erkunden. Als Ausgangspunkt eignet sich eine Unterkunft im mittleren Teil der Insel, etwa in der Umgebung von Portoferraio oder Marina di Campo. Dort gibt es auch Buchten mit feinen Stränden und zahlreiche Campingplätze.

Viele Fahrradläden bieten neben dem Verleih geführte Touren an. Am Monte Calamita findet man sich aber auch gut allein zurecht. Wer einen Bikepark mit Stützpunkten, Werkzeug und Verpflegung entlang der Strecken erwartet, wird allerdings enttäuscht. Für die Tour muss man sich selbst versorgen.

Bei kleinen Problemen hilft Alberto gerne weiter. Der Italiener hat früher selbst in der Mine geschuftet und betreut mittlerweile das Museum, an dem viele Mountainbike-Strecken vorbeiführen. Für den Sattel, der sich bei der Abfahrt verbogen hat, findet er schnell eine Lösung. Dann muss er aber auch schon los. Er fährt den nächsten Bus mit behelmten Touristen Richtung Mine.

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Source: nd