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Italien | Der perfekte Urlaub

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Reichlich verspäteter Katastrophentourismus: Pompeji Foto: picture-alliance/Barone Jetzt, wo alle wieder aus den Ferien zurück sind, möchte ich über Urlaub sprechen. Ich war zehn Tage in Neapel, habe mit Aussicht auf den Vesuv gebadet, eine herrlich fluffige Pizza nach der anderen gegessen, Pompeji entdeckt, hatte die beste Zeit! Kaum zwei Tage zurück – und schon war ich wieder im Arbeitsstress. Warum hält Erholung oft so kurz an? Oder habe ich mich etwa »falsch« erholt?

Das sogenannte »DRAMMA«-Modell für Erholung besagt folgendes: Eine Kombination aus Abstand von der Arbeit (Detachment), Erholung (Recovery), Autonomie, Erfolgserfahrung (Mastery), Sinn (Meaning) und Verbundenheit mit Familie und Freunden (Affiliation) sollen die perfekten Voraussetzungen für einen entspannten Geist und Körper schaffen. Hatte ich eigentlich alles, wobei sich bei 40 Grad kurz vor dem Hitzschlag durch Pompeji zu kämpfen, Punkt Nummer zwei etwas leiden musste.

An dieser Stelle widmet sich Leni Karrer der bezahlten Care-Arbeit und schreibt alle zwei Wochen über Phänomenales aus Popkultur, digitaler Welt und Feminismus.

Mehrere Studien fanden allerdings heraus, dass nicht der Urlaub an sich, sondern die Vorfreude darauf den größten Erholungseffekt hat. Erwarten wir Schönes, wird im Hirn der präfrontale Cortex aktiv und schüttet besonders viel Dopamin aus. Neurologisch funktioniert das so: Das Gehirn kann durch die Vorfreude eine zukünftige Belohnung vorwegnehmen, sodass das Dopaminsystem aktiviert bleibt, bis die Belohnung tatsächlich eintritt. Würde man sich also schon ab Januar auf den Urlaub im August freuen, kann man sehr lange von diesem Effekt zehren. 

Das kann ich bestätigen, denn bereits Monate vor dem Urlaub googelte ich die besten Restaurants der Umgebung, spazierte virtuell durch schöne Parks und kaufte mir reichlich Sonnencreme. Die Vorfreude fühlte sich dabei an wie das kribbelnde Gefühl von frischer Verliebtheit und trug mich regelrecht durch den Alltag.

Die Vorstellung und das tatsächliche Erleben eines Moments können dabei übrigens durchaus auseinandergehen – das macht die Vorfreude im Nachhinein aber nicht wertlos. Vielleicht ist das auch der Grund, warum das Planen eines Urlaubs manchmal genauso schön sein kann wie der Urlaub selbst – und wir nach der Rückkehr trotzdem erstaunlich schnell wieder im Alltagstrott landen.

Laut Forschung macht es für die langfristige Erholung offenbar wenig Unterschied, ob wir zwei oder drei Wochen am Stück verreisen. Die höchste Entspannung erreichte man zwar durchschnittlich nach dem achte Tag, doch viele kleine Urlaube wirken langfristiger als nur eine lange Reise im Jahr. Bedeutet das also, dass wir alle mehr Urlaube machen müssen?

Das wäre natürlich toll, nur kostet Urlaub Zeit und Geld – und beides haben wenige im selben Maß. Vielen fehlen das Geld, die Betreuungsmöglichkeiten für Kinder oder Angehörige – andere sind selbstständig und können sich aus der Arbeit nicht vollständig ausklinken. Erholung ist eben auch eine soziale Frage.

Vielleicht sollten wir deshalb nicht nur lernen, uns besser zu erholen, sondern eher fragen, warum wir überhaupt so viel Erholung brauchen.

Laut Untersuchungen lässt sich allerdings die Vorfreude auch gezielt in den Alltag integrieren. Das geht etwa so: Schöne Ereignisse weit im Voraus planen und tatsächlich in den Kalender eintragen. Dabei auch mal etwas Neues auszuprobieren – ein Hobby etwa oder ein Gericht mit Zutaten zu kochen, die man noch nicht kennt. Ich glaube, ich fange klein an und mache demnächst mal eine neapolitanische Pizza Fritta. Darauf freue ich mich jetzt schon.

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Source: nd