Germany · nd · · 2h
Ilias Kasidiaris | Griechenlands bekanntester Neonazi plant sein Comeback
Deutsch (original) · Read in English ⇄
Foto: dpa/ap/Koen van Weel Die Gefängniszeit hat ihn kaum verändert – vor allem politisch nicht. Nach seiner Haftentlassung streckte der griechische Neonazi Ilias Kasidiaris (45), die Faust in die Höhe. Kasidiaris kündigte dabei seine Rückkehr in die Politik an – mit einer »neuen, starken nationalen Partei, wie jene, die in ganz Europa dominieren«.
Auch sein Outfit fiel auf. Kasidiaris trug ein schwarzes Fred-Perry-Poloshirt mit gelben Streifen und Logo – jenes Modell, das in Nordamerika zu einem Erkennungszeichen der rechtsextremen Proud Boys wurde, die immer wieder durch politische Gewalt auffielen. Fred Perry stellte den Verkauf deshalb in den USA und Kanada ein.
Kasidiaris gehörte jahrelang zum Führungskreis der rechten Partei Goldene Morgenröte, war ihr Sprecher und Abgeordneter. Berüchtigt wurde er 2012, als er in einer Fernsehsendung die kommunistische Politikerin Liana Kanelli schlug. Die Partei verband parlamentarische Politik mit organisierter Gewalt gegen Migrant*innen und politische Gegner*innen. Nach dem Mord an dem antifaschistischen Rapper Pavlos Fyssas am 18. September 2013 begann der große Strafprozess gegen ihre Führung. 2020 wurde Kasidiaris wegen Leitung einer kriminellen Organisation zu 13 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Im März dieses Jahres bestätigte ein Berufungsgericht den Schuldspruch. Er verbüßte jedoch nur sieben Jahre, da er Voraussetzungen für eine vorzeitige Entlassung erfüllt hatte.
Politisch blieb Kasidiaris auch hinter Gittern aktiv: Seine 2020 gegründete Nationale Partei – Griechen (kurz Ellines) wollte 2023 an der Parlamentswahl teilnehmen, wurde jedoch vom Obersten Gerichtshof ausgeschlossen. Danach unterstützte er die bis dahin wenig bekannte Partei Spartiates. Sie erhielt 4,68 Prozent und zwölf Mandate. Die griechische Justiz stellte später fest, dass Kasidiaris aus seiner Zelle faktisch die politische Führung ausgeübt hatte.
Inzwischen reicht seine Aufmerksamkeit über Griechenland hinaus. Im Juli teilte Elon Musk auf X einen Beitrag über Kasidiaris’ Haft und kommentierte: »This is messed up« (Das ist völlig daneben). Kasidiaris feierte die vier Worte prompt als internationale Unterstützung.
Ob aus seinem Comeback tatsächlich eine Kandidatur wird, ist offen. Nach bisheriger Rechtsprechung darf er weder selbst eine Partei führen noch als deren verdeckter Anführer agieren. Einige Verfassungsrechtler halten eine unabhängige Kandidatur für möglich, andere sehen ihn bis zum rechnerischen Ende seiner Strafe 2033 von einer regulären Kandidatur über eine Partei ausgeschlossen. Über seine Zulassung würde letztlich erneut der Oberste Gerichtshof entscheiden.
Die »nd.Genossenschaft« gehört den Menschen, die sie ermöglichen: unseren Leser*innen und Autor*innen. Sie sind es, die mit ihrem Beitrag linken Journalismus für alle sichern: ohne Gewinnmaximierung, Medienkonzern oder Tech-Milliardär.
→ unabhängig und kritisch berichten → Themen sichtbar machen, die sonst untergehen → Stimmen Gehör verschaffen, die oft überhört werden → Desinformation Fakten entgegensetzen → linke Debatten anstoßen und vertiefen
Jetzt »Freiwillig zahlen« und die Finanzierung unserer solidarischen Zeitung unterstützen. Damit nd.bleibt.
Read the full story at the source
Source: nd