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Gesundheit | Cottbus: Die ersten 36 Medizinstudenten von 1200
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Moderne Medizintechnik an der Medizinischen Universität Lausitz, demonstriert am Gehirn von Assistenzarzt Abdullah Makni Foto: dpa/Frank Hammerschmidt Im Juli 2024 wurde das bis dahin kommunale Cottbuser Carl-Thiem-Klinikum in eine Medizinische Universität umgewandelt. Jetzt beginnen hier mit dem Start des Wintersemesters am 12. Oktober die ersten 36 Studierenden ihre Ausbildung. Es sei der von allen Experten als frühestmöglicher Zeitpunkt eingeschätzte Termin, berichtet am Montag stolz Professor Eckhard Nagel, Vorstandsvorsitzender der Medizinischen Universität Lausitz »Carl Thiem« (MUL-CT).
Vorerst ist auf dem Klinikgelände nahe dem Hauptbahnhof das »Haus null«, das früher die Notaufnahme beherbergte, zum Seminargebäude umgebaut. Außerdem dient das »Haus 50«, bisher auch schon Labor, nun als Labor für die Studierenden. »Die Bibliothek ist gerade noch im Bau«, sagt Nagel. Von den zahlreichen Neubauten, die vorgesehen sind, ist vorerst gar nichts fertig. Sie werden aber gebraucht, wenn künftig einmal 200 Studierende pro Jahr aufgenommen werden und im Jahr 2040 am Ende einmal 1200 junge Menschen gleichzeitig ihr Medizinstudium absolvieren.
Bis spätestens 2038 müssen die 3,7 Milliarden Euro in Cottbus investiert sein, die Bund und Land für den schrittweisen Auf- und Ausbau der 40. Medizinischen Universität der Bundesrepublik spendieren. Das Geld wird abgezweigt bei den Fördermitteln für die vom Kohleausstieg betroffenen Regionen Deutschlands. Auf die über anderthalb Jahrhunderte von Braunkohletagebauen geprägte Niederlausitz entfallen 10,3 Milliarden Euro.
Als es noch eine Linksfraktion im Landtag gab – die Partei scheiterte bei der Wahl 2024 an der Fünf-Prozent-Hürde –, zweifelte der Abgeordnete Ronny Kretzschmer zunächst, ob es wirklich eine gute Idee sei, einen so großen Batzen der insgesamt für den Strukturwandel verfügbaren Mittel in eine einzige Universitätsklinik zu stecken. Schließlich erhielt die von kommunalen Krankenhäusern und Kommunen getragene, aber als privat eingestufte Medizinische Hochschule in Neuruppin nur einen Bruchteil dieser Summe.
Doch Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD), ein Sohn der Lausitz, ließ sich nicht beirren. Er wird auch bei der Immatrikulationsfeier für die ersten 36 Studierenden am 11. Oktober im Staatstheater Cottbus erwartet, neben Brandenburgs Wissenschaftsministerin Manja Schüle (SPD). Der Ministerpräsident erhofft sich von dem Projekt eine Lösung für den in der Lausitz besonders schlimmen Ärztemangel.
Es ist dort bereits sehr schwierig, Arzttermine zu bekommen. Zudem ist ein Drittel der Ärzte in der Gegend 60 Jahre und älter und wird sich demnächst in den Ruhestand verabschieden. Ein weiteres Drittel ist zwischen 50 und 60 Jahre alt und muss dann in absehbarer Zeit ebenfalls ersetzt werden. Ein Medizinstudium dauert aber im günstigsten Fall sechs Jahre. Dann können die Absolventen zwar bereits in Krankenhäusern oder Arztpraxen mitarbeiten. Um selbst eine Praxis zu übernehmen, bedarf es aber einer Facharztausbildung und diverser Weiterbildungen, die weitere vier Jahre in Anspruch nehmen.
Dennoch sei die Gründung der Medizinischen Universität schon jetzt ein Segen für die medizinische Versorgung der Lausitz, erläutert Professor Nagel am Beispiel der Hautkrankheiten. Die Stelle des Chefarztes der Dermatologie habe in Cottbus seit 2021 nicht besetzt werden können. Auf eine Behandlung mussten Patienten lange warten. Da aber die Tätigkeit an einer Medizinischen Universität attraktiver ist als an einem kommunalen Krankenhaus, gebe es nun einen Chefarzt und es seien darüber hinaus sechs junge Mediziner für dieses Fachgebiet eingestellt worden.
»Mit den 36 Studierenden kommen wir an im ›echten‹ Universitätsalltag, denn ohne Studierende keine Universität.«
»Mit den 36 Studierenden kommen wir an im ›echten‹ Universitätsalltag, denn ohne Studierende keine Universität«, freut sich Professorin Adelheid Kuhlmey. Zehn Studierende seien Brandenburger, andere kommen aus Berlin und beispielsweise auch aus Nordrhein-Westfalen und Bayern, eine Studierende ist gebürtig aus Russland. Die Absolventen können sich später frei für ihre Wirkungsstätte entscheiden. Doch Professor Nagel verspricht, die Universität werde alles daran setzen, viele Argumente für ein Bleiben in der lebens- und liebenswerten Lausitz zu liefern. »Wir sind eine überalterte Region. Wir freuen uns, dass jetzt junge Menschen zu uns kommen«, sagt der Professor.
Dem Einwand, dass die in Cottbus und Umgebung starke rechte Szene dem Image der Lausitz schade, hält er entgegen, dass an der Technischen Universität der Stadt Menschen aus aller Welt studierten und dass die 4300 Beschäftigten der Medizinischen Universität aus 60 verschiedenen Nationen stammten. Gerade seien fünf oder sechs tunesische Pflegekräfte mit exzellenten Deutschkenntnissen eingestellt worden. Da die Universitätsklinik von 1100 Betten mangels Pflegepersonal nur 900 betreiben könne, »müssen wir dankbar dafür sein«, findet Nagel. Zurzeit stelle die MUL-CT Monat für Monat 50 bis 100 neue Beschäftigte ein, darunter viele Rückkehrer, die weggezogen waren, als es nach der Wende Massenentlassungen in der Braunkohleindustrie gegeben hatte und auch sonst keine Perspektive in der alten Heimat zu erkennen war. Perspektivisch soll die Universitätsklinik 5600 Personen beschäftigen.
Für die begehrten Studienplätze gab es mehrere tausend Bewerbungen, wobei zu berücksichtigen ist, dass die Interessenten im bundesweiten Zulassungsverfahren für ein Medizinstudium mehrere Wunschstudienorte angeben dürfen.
Zunächst ist die Medizinische Universität auch darauf angewiesen, von der Technischen Universität Cottbus Räume zur Verfügung gestellt zu bekommen. »Wir sind noch im Aufbau, am Beginn ist noch nichts fertig«, sagt Nagel. Doch der Professor hofft, dass der eigene Campus Anfang der 2030er Jahre Gestalt angenommen haben wird. Die Medizinische Universität behandelt jährlich 35.000 Patienten stationär und mehr als 120.000 ambulant. Von angestrebten 80 Professoren sind 20 bereits da.
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Source: nd