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»Gen Z«-Proteste | Gen Z

Generationen unter einem Sammelbegriff zu fassen, ist sinnlose Gleichmacherei. Was die Gen Z allerdings vereint, ist der Wille mitzubestimmen.

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Nur am Daddeln, dabei aber ziemlich mausig, so soll doch die Gen Z sein. Foto: Mia Anderson/Unsplash Die Gen Z steht diese Woche so sehr im Fokus, dass man meinen könnte, es erscheint bald eine neue Serie: »Inside Gen Z« – und alle reden darüber. Mit meinem Jahrgang 1997 liege ich genau an der Grenze der Einteilung: Je nach Definition beginnt die Gen Z 1995 oder 1997 und reicht bis zu den Geburtsjahrgängen 2010 oder 2012. Und so »dazwischen« fühle ich mich auch: Ich trage zwar weite, tief sitzende Hosen und »Layering Shirts« (also zwei Oberteile übereinander, ganz im Y2K-Stil der 2000er), aber keinen Sleek-Bun oder Crop Tops. Ich habe Instagram und Snapchat installiert, aber kein Tiktok. Ich weiß, was »Type shit«, »Rizz« oder einen »Ick« haben bedeutet, aber verwende die Begriffe nicht in meiner Alltagssprache. Memes und kurze lustige Videos liebe ich hingegen über alles.

Wahrscheinlich kann sich niemand mit allen Attributen seiner Generation identifizieren, dennoch wird vor allem die Gen Z gerne als homogene Gruppe betrachtet.

Dabei sind wir so heterogen wie jede andere Generation auch, vielleicht sogar heterogener als alle vor uns. Denn als erste Generation, deren Aufwachsen vollständig vom Internet geprägt wurde (»digital natives«), lassen sich unsere Interessen und Lebensrealitäten nicht mehr so einfach zuordnen und gehen enorm auseinander. In den sozialen Medien landen wir etwa in algorithmischen Bubbles, die kaum verschiedener sein könnten.

Trotzdem sprechen wir über bestimmte Altersgruppen, als hätten sie einen gemeinsamen Lebenslauf und eine gemeinsame Meinung. So gehöre ich auch zu der Generation, von der behauptet wird, sie studier zu lange, sei meistens am Handy, wenig belastbar und vor allem unpolitisch.

Unpolitisch waren wir aber nie. Wir sind inmitten multipler Krisen aufgewachsen: Corona-Pandemie, Klimakrise, Kriege in der Ukraine und Nahost gehören allesamt zu unserem Alltag. Wir sprechen offener über psychische Gesundheit, Bedürfnisse und Grenzen, wünschen uns ein Leben, in dem neben dem Job auch noch Freizeit bleibt – was alles enorm politisch ist.

Warum sollen wir uns auch aufopfern für eine Arbeit, deren Lohn nicht reicht, die Miete zu bezahlen, von der wir nicht mal wissen, ob wir ihretwegen eine Rente erhalten werden? Warum sollen wir für ein Land im Zweifel den Kopf hinhalten, das es nicht schafft, gleiche Bildungschancen für alle zu schaffen?

An dieser Stelle widmet sich Leni Karrer der bezahlten Care-Arbeit und schreibt alle zwei Wochen über Phänomenales aus Popkultur, digitaler Welt und Feminismus.

Für ebenjene Themen demonstrierten junge Menschen am 31. Oktober unter dem Motto »Gen Z regelt«.

Die Berichterstattung vorab glich, wie Ricarda Lang es formulierte, einem »voyeuristisches Warten auf Grenzüberschreitung«. Man hatte den Eindruck, einige Seiten wünschten sich fast, dass es zu Ausschreitungen kommen würde, um die Proteste im Nachhinein zu diskreditieren. Dabei gab es vor Beginn der Demonstrationen keine weitergehenden Erkenntnisse zu Gewaltaufrufen.

Zu Gewaltausbrüchen und Plünderungen kam es dann in vereinzelten Städten leider doch – allerdings überwiegend nach Ende der Demonstrationen und durch Menschen, die nicht an den Protesten teilgenommen hatten. Die Organisatoren distanzierten sich von den Ausschreitungen. Trotzdem sollte man die Proteste nun im Nachgang – genauso wie die Generation als solche – differenziert betrachten.

Was feststeht: Junge Menschen gehen aus Sorge um ihre Zukunft auf die Straße. Sie glauben noch daran, dass Veränderung möglich ist. Diese Hoffnung sollten wir nicht enttäuschen.

Dafür braucht es Verständnis statt Überheblichkeit – bei Medien und Politik gleichermaßen. Wer, wie Dorothea Schupelius (»Welt«), alle Demonstrierenden pauschal als »narzisstische Kinder« bezeichnet, trägt kaum dazu bei, deren Anliegen ernst zu nehmen. Dass die SPD immerhin einen nationalen Bildungsgipfel fordert, ist ein Anfang. Entscheidend wird sein, dass dort nicht nur über junge Menschen, sondern auch mit ihnen gesprochen wird.

Ich habe große Hoffnung in meine Generation. Nicht, weil wir alle gleich ticken – das tun wir ganz offensichtlich nicht. Sondern weil wir trotz aller Unterschiede noch daran glauben, dass sich etwas verändern lässt. Vielleicht braucht es also gar keine neue Serie namens »Inside Gen Z«. Wir sind längst nicht mehr nur Gegenstand der Erzählung. Wir wollen selbst mitreden.

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Originally published bynd
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