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Fachkräftemangel | Schaffen am Papierarbeitsmarkt

Deutschlands Arbeitsmarkt ist auf Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen. Bürokratie, Gehälter und Wohnkosten stehen der Einwanderung im Weg.

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Menschen mit nicht-deutscher Staatsbürgerschaft arbeiten vor allem in der Logistik, in der Dienstleistungsbranche, der Gastronomie und im Baugewerbe. Dort gibt es weiter einen Mangel an Fachkräften. Foto: dpa/Matthias Bein »Die Zukunft des Arbeitsmarkts liegt eindeutig in der Einwanderung aus Drittstaaten«, sagt Thomas Friedrich, Bereichsleiter im Geschäftsbereich Internationales der Bundesagentur für Arbeit, bei einer Diskussion des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung zu internationalen Fachkräften am Mittwoch. Innerhalb Europas hätten alle Länder in Abstufungen mit ähnlichen Problemen wie dem Fachkräftemangel zu kämpfen.

Derzeit gibt es in Deutschland laut der Bundesagentur für Arbeit knapp unter drei Millionen Arbeitslose. Im Vergleich zum September 2025 sind das etwa 40 000 mehr arbeitslose Menschen. Diese Arbeitslosigkeit koexistiert jedoch weiterhin mit einem Fachkräftemangel in gewissen Branchen. »Nicht jede Person, die Arbeit sucht, sucht diese auf dem ganzen Markt«, erklärt Niklas Harder vom Dezim-Institut. Besonders hoch bezahlte Industriejobs fallen weg, Menschen mit nicht-deutscher Staatsbürgerschaft arbeiten vor allem in der Logistik, in der Dienstleistungsbranche, der Gastronomie und im Baugewerbe. »Diese Stellen sind auch weiter wichtig zu besetzen«, so Harder.

Einige Faktoren gestalten diese Option jedoch unattraktiv, insbesondere wenn es darum geht, dauerhaft zu bleiben. Im Ländervergleich ist es verhältnismäßig schwierig, eine Staatsbürgerschaft zu erhalten, ohne sie haben eingewanderte Menschen kein Wahlrecht. Dazu kommen niedrigere Gehälter als in anderen EU-Ländern, aufwendige Spracherwerbsprozesse und eine komplexe Bürokratie. Eingewanderte Personen haben zudem eine deutlich höhere Mietbelastung. Sie müssen häufig die Hälfte ihres Einkommens für das Wohnen ausgeben und leben auf weniger Quadratmetern als Menschen mit deutscher Staatsbürgerschaft.

»Wenn Nettogehälter niedriger sind, muss die Gegenleistung im Absicherungssystem da sein«, meint Harder, in Anspielung auf die Sozialversicherung. Eine Lösung für das Sprachproblem wären beispielsweise berufsbegleitende Deutschkurse. In Deutschland sind anderswo überaus gebräuchliche Sprachen wie Spanisch oder Französisch nicht gängig. Gleichzeitig sprechen nicht alle im Land, wie in Skandinavien, fließend Englisch. »Nur von Österreichern und Schweizern können wir aber nicht leben«, meint Harder.

Menschen können noch so gut Deutsch sprechen – haben sie kein Zertifikat darüber, erhalten sie den Job vermutlich trotzdem nicht. »Deutschland ist ein Papierarbeitsmarkt«, stellt Harder fest. Eingestellt werden Menschen außerdem erst nach dem Abschluss einer Ausbildung. Das hindert unter anderem Studierende daran, sich in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Zuwanderung werde aber sowohl mittel- als auch langfristig ein erheblicher Faktor bleiben, meint Friedrich.

Man müsse generell die Toleranz für Einarbeitungsphasen »nach oben schrauben«, sagt Rebecca Liebig aus dem Bundesvorstand der Gewerkschaft Verdi. Auch jene Berufsanfänger*innen ohne Integrationshintergrund begännen ihre berufliche Laufbahn schließlich nicht als fertig ausgebildete Kolleg*innen.

»Aktuell entwickelt sich die Situation in eine schwierige Richtung. Viele, die seit vier bis fünf Jahren da sind, meinen, richtige Integration sieht anders aus. Ob sie weiter bleiben wollen, müssen sie sich erst überlegen«, erzählt Liebig. Dazu komme inzwischen noch ein weiterer Aspekt: In den Ländern würden Gelder fehlen, um integrative Institutionen zu stärken und zu schützen. »Schützen meine ich an dieser Stelle tatsächlich wortwörtlich, wenn ich an Sachsen-Anhalt denke«, verweist die Gewerkschafterin auf den dortigen Rechtsruck.

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Originally published bynd
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