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Elektronische Patientenakte | Rumpelnde Digitalisierung

Eine Initiative hinterfragt das Mischkonzept der elektronischen Patientenakte und fordert eine öffentliche Überprüfung des Projektes.

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Ein Hausarzt lädt in seiner Praxis Dokumente in eine elektronische Patientenakte. Foto: dpa/Daniel Karmann Derzeit nutzen erst rund acht Prozent der gesetzlich Versicherten ihre elektronische Patientenakte (ePA) aktiv. Das wären etwa 5,85 Millionen von insgesamt rund 73 Millionen Versicherten mit angelegter ePA. Demnach kommt eine Million gesetzlich Versicherte auch ohne die App klar, aber es ist nicht bekannt, ob diese Gruppe überhaupt versucht, Leistungen im Gesundheitswesen in Anspruch zu nehmen, und wenn ja, wie sie das tut. Verpflichtend ist die ePA-Nutzung für alle Praxen, Krankenhäuser und Apotheken schon seit dem 1. Oktober 2025.

Erinnert man sich an die Einführung der ePA (wobei es bis zu diesem Termin auch über 20 Jahre dauerte), verwundert das Stillschweigen der Politik zu der geringen Quote eigenständiger Nutzung durch die Versicherten. Bei der Einführung gab es zudem einen gewissen Überrumpelungseffekt – nur sehr wenige Versicherte machen nicht mit. Andere bemühten sich umsonst und aufwendig, an ihre Daten heranzukommen. Krankenkassen tragen indessen kaum etwas dazu bei, ihren Versicherten den Zugang zu erleichtern.

»Ich finde dort PDF-Dateien wie auf einer digitalen Wäscheleine, auch noch mit nichtssagenden Dateinamen, und es gibt keine Suchfunktion.«

In einer Befragung des Bundesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit gaben elf Prozent der Teilnehmenden an, dass die App für sie zu kompliziert und umständlich sei, nicht funktioniere oder kein geeignetes Smartphone vorhanden sei. Der größte Anteil der hierzu Interviewten erledigte das Thema für sich mit der Aussage, wegen zu seltener Krankheitsfälle keinen Bedarf zu haben (42 Prozent). Weitere hatten noch keine Zeit dafür gehabt (26 Prozent) oder es fehlten ihnen Informationen und Wissen (neun Prozent).

Indessen ist die ePA in der Praxis angekommen, auch wenn unter den Versicherten eine Mehrheit mit der aktiven Nutzung fremdelt oder nicht zurandekommt. Für Ärzte, Therapeuten und andere Versorger ist die ePA jedoch ebenfalls noch nicht das perfekte Instrument. Zwar ist etwa der Zugriff auf Befunde von anderen Ärzten einfacher, aber das trifft nicht in jedem Fall zu. »Ich finde dort PDF-Dateien wie auf einer digitalen Wäscheleine«, auch noch mit nichtssagenden Dateinamen, »und es gibt keine Suchfunktion. Das ist bei drei Arztbriefen lästig, bei 80 eine Katastrophe«, kommentiert das Stefan Streit, Allgemeinmediziner aus Köln.

Er gehört zu einem Bündnis von Ärzten, Therapeuten und Patientenrechtlern, die nicht nur bei der ePA dringenden Nachbesserungsbedarf sehen. Die Initiative nennt sich »Gesundheit besser digitalisieren« (Gebedi) und will erreichen, dass die ePA mit einem klaren Konzept runderneuert wird. Ihre Ideen stellten einige Vertreter am Donnerstag in Berlin vor.

Zurzeit sei nicht klar, was die Akte zuerst sein solle: patienten- oder behandlergeführt, Sammlung von Befundkopien, Kommunikationsweg im Gesundheitswesen, Notfallakte oder Datenquelle für die Forschung. All diese Aspekte werden noch vermischt. Zudem ist die bestehende Lösung technisch nicht zuverlässig. Auf eine weitere Schwierigkeit weist das Bündnis hin: Stehen tatsächlich alle vorhandenen und benötigten Daten schon in der Akte? Und könnte nicht die ärztliche Schweigepflicht verletzt werden, wenn hochsensible Patientendaten am Ende von zu vielen Stellen eingesehen werden?

Zuletzt wurde den Versicherten die Möglichkeit genommen, je nach Dokument zu entscheiden, wer darauf Zugriff haben soll. Die »Heilung« könnte laut Gematik, die Digitalisierung im Gesundheitssektor im gesetzlichen Auftrag organisieren soll, darin bestehen, dass in Zukunft einzelne Dokumente ganz gelöscht werden können. Das brächte aber ein neues Dilemma: Behandelnde wüssten nie, ob sie die vollständigen Daten sehen.

Die Gebedi hat aber Ideen, wie Schwachstellen überwunden werden könnten. Sie will eine moderne Verknüpfung schon existierender dezentraler ärztlicher Dokumentation. Das würde Befunde und Behandlungsergebnisse in Echtzeit verfügbar machen, wenn die Patienten einwilligen. So wären auch Notfallakten mit lebenswichtigen Informationen möglich, etwa für den Fall von nicht ansprechbaren Patienten. Die Gebedi stellt zudem in 95 Thesen Fragen auf, die dringend in öffentlicher Debatte zu klären wären, darunter die nach dem Nutzen etwa der ePA für die Versorgung kranker Menschen. Wie kann außerdem die Selbstbestimmung von Patienten erhalten bleiben? Oder wie wäre der Vertrauensraum zwischen Behandelnden und Patienten samt Schutz der Schweigepflicht zu erhalten?

Eines der Ziele für den ePA-Einsatz besteht darin, dass Forschung erhobene Daten nutzen kann. Und ab Januar 2027 sollen Gesundheitsdaten automatisch aus den elektronischen Patientenakten (ePA) von allen GKV-Versicherten für Forschungszwecke ausgeleitet werden können, sofern diese dem nicht widersprechen. Eine Vollbremsung der laufenden Digitalisierung verlangt aber auch das Gebedi-Bündnis nicht, allerdings eine öffentliche Überprüfung der zentralen staatlichen Vorhaben und Lösungen. Konkreter diskutiert werden könnte über medizinische Fachverbände wie über jene für Verbraucher- und Patientenschutz.

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